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Auf den Intensivstationen werden wohl bald noch mehr Corona-Patienten liegen.
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Auf den Intensivstationen werden wohl bald noch mehr Corona-Patienten liegen.

Kooperation statt Konkurrenz

Corona: Kliniken in Alarmbereitschaft – Zahl der Fälle steigt weiter

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Manchmal zeigt die Corona-Krise auch positive Folgen: Damit das Gesundheitswesen nicht kollabiert, sind einstige Konkurrenten zusammengerückt. Ein Zukunftsmodell mit Vorbildcharakter.

Hessen – Die Prognose für die nächste Woche kommt freitags. Und die jüngste verheißt nichts Gutes. Auf durchschnittlich zehn Prozent mehr Covid-Fälle sollten sich Hessens Krankenhäuser in den kommenden sieben Tagen vorbereiten. „Zwei bis drei Wochen nach Ostern könnten wir wieder Zahlen wie um Weihnachten erreicht haben“, sagt Jürgen Graf, der Ärztliche Direktor der Frankfurter Uniklinik. Schon jetzt müssten Patient:innen in weniger belastete Regionen in Hessen verlegt werden – etwa von Frankfurt/Offenbach nach Fulda und Kassel.

80 Prozent der Corona-Fälle in stationärer Behandlung seien mit B1.1.7. infiziert. Der Virusvariante, der nachgesagt wird, noch ansteckender und gefährlicher zu sein als das Ursprungsvirus, mit dem die Pandemie begann.

Kampf gegen das Coronavirus in Hessen: „Die Beschäftigten sind erschöpft“

„Wir haben Anlass, sehr ernst in die Zukunft zu schauen“, sagt Graf. Die Akteure in Hessens Gesundheitswesen hätten zwar Erfahrung, die Kommunikation funktioniere ausgesprochen gut. Es gebe ausreichend Schutzkleidung, der Großteil des Personals sei geimpft. Doch die Kranken auf den Intensivstationen sind jetzt jünger und bleiben länger. Und ein Jahr permanenter Kampf gegen die Pandemie zehrt an den Kräften: „Die Beschäftigten sind erschöpft.“

Seit einem Jahr erfüllt Graf eine Doppelfunktion. Er leitet das 1500-Betten-Haus mit rund 4300 Beschäftigten und gleichzeitig den sogenannten Planstab stationär, den Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) vor ziemlich genau einem Jahr ins Leben rief. Ein Glücksfall, wie immer wieder von Beteiligten zu hören ist, die jahrzehntelang andere Zeiten erlebt haben: ein Klima der Konkurrenz und des Misstrauens. Klinik gegen Klinik. Ambulant gegen stationär. Das Gesundheitswesen als Wirtschaftszweig. All das, hofft so mancher, könnte Vergangenheit sein.

Hessischer Corona-Planungsstab wird zum Vorbild in Deutschland

In der Pandemie ist etwas entstanden, was die größte Gesundheitsreform nicht geschafft hätte. Alle ziehen an einem Strang, bündeln die Kräfte, um diese Herausforderung zu meistern. Das Rezept dafür sei eigentlich ganz einfach, sagt Graf. „Man muss ein gemeinsames Ziel haben.“ Alle Beteiligten wollten die bestmögliche Versorgung für die Kranken, dass kein Mensch in Messehallen behandelt werden muss. Dass die schockierenden Bilder von Bergamo sich nicht wiederholen. Und dass die Non-Covid-Patient:innen nicht zu kurz kommen.

Ein ambitioniertes Vorhaben, das der Planstab bislang recht gut gemeistert hat. So erfolgreich, dass andere Bundesländer dem Beispiel folgten. „Das System hat bundesweiten Vorbildcharakter erlangt und bietet eine gute Grundlage, um die stationäre Versorgung auch über die nächsten Monate präzise zu steuern“, sagt Klose im Gespräch mit der FR. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch mit den Herausforderungen der dritten Welle kooperativ umgehen werden.“

Gute Abstimmung unter den Krankenhäusern in Hessen

Wie funktioniert das konkret? Hessen ist in sechs Versorgungsgebiete mit jeweils einem koordinierenden Krankenhaus aufgeteilt. Für Frankfurt/Offenbach etwa ist das die Uniklinik, für das Gebiet Darmstadt das dortige Klinikum. Die sechs halten den Draht zum Sozialministerium und stehen im regelmäßigen Austausch mit den anderen Kolleginnen und Kollegen im Versorgungsgebiet. „Ein Netzwerk, in dem man sich austauscht – auf Augenhöhe“, sagt Graf. Ist ein Teil des Landes besonders belastet, helfen die anderen aus. Hinzu kommt die regelmäßige Abstimmung mit allen anderen Akteur:innen im Gesundheitswesen: Kassenärztliche Vereinigung, Landesärztekammer, Rettungsdienste, öffentlicher Gesundheitsdienst.

Das Prognose-Tool ist inzwischen so ausgebaut, dass die sechs Regionen unterschiedlich planen können. „Kassel etwa kann noch elektive Eingriffe machen“, sagt Stefan Sydow. Wohingegen im Süden des Landes die Kapazitäten für die Covid-Versorgung hochgefahren werden müssen. „Die vorausschauende sichere Kommunikation ist ein großer Fortschritt.“ Sydow leitet im Sozialministerium die Abteilung Gesundheit und sieht in dem im Planstab praktizierten Zusammenspiel des ambulanten und stationären Sektors ein Zukunftsmodell: „Die beiden Säulen müssen sich ergänzen, schon um die Flächenversorgung zu gewährleisten.“

Kampf der Krankenhäuser in der Corona-Pandemie: Kooperation statt Konkurrenz

Minister Klose ist etwas vorsichtiger. Noch sei es zu früh aus den Erfahrung des Jahres Schlüsse für das Angebot der Zukunft zu ziehen. „Was man bereits sagen kann, ist, dass der Bereich der Telemedizin einen klaren Schub erfahren hat“, sagt er. Jüngstes Beispiel: die Tele-Covid-App. Sie ermöglicht den Austausch über die intensivmedizinische Betreuung zwischen kleineren und größeren Häusern. Ein weiteres Stück auf dem Weg zur Kooperation statt Konkurrenz. (Jutta Rippegather)

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