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Corona-Effekt: Weniger Wohnungseinbrüche in Hessen

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Von: Pitt von Bebenburg

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Während Corona wurde in Hessen weniger eingebrochen (Symbolbild).
Während Corona wurde in Hessen weniger eingebrochen (Symbolbild). © Julian Stratenschulte/dpa

Hessens Innenminister Peter Beuth stellt die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2021 vor. Die Zahl der registrierten Sexualstraftaten ist deutlich gestiegen

Manchmal bewirkt die Corona-Pandemie positive Nebeneffekte. Das erkennt man an der sinkenden Zahl von Wohnungseinbrüchen in Hessen.

„Es gab deutlich weniger reisende Täter und die Bürgerinnen und Bürger waren häufiger zu Hause, was die Tatgelegenheiten reduzierte“, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden. Dort stellte er gemeinsam mit der hessischen Polizeiführung die Kriminalstatistik für das Jahr 2021 vor.

Ein neuer Tiefststand

Danach ist die Zahl der Einbrüche in den beiden Corona-Jahren auf einen neuen Tiefststand gesunken. 2020 waren es noch mehr als 5000 Einbruchsversuche in Hessen, bei denen die Täter:innen 2700 Mal erfolgreich waren. 2021 folgten weniger als 4000 Versuche und nur noch gut 2000 vollendete Einbrüche.

Der Rückgang fällt besonders stark aus, aber die Zahl der Einbrüche hatte auch schon vor der Corona-Pandemie deutlich abgenommen. Vor gut 20 Jahren drangen Einbrecher:innen in Hessen noch vier Mal so oft in Wohnungen ein wie heute. Zu diesem Erfolg trugen nach Beuths Darstellung die Kooperation über Ländergrenzen bei sowie der Einsatz einer speziellen Software, die identifiziert, in welchen Gebieten zu einem bestimmten Zeitpunkt potenzielle Einbruchsziele liegen, die von der Polizei dann aufmerksam beobachtet werden.

Nie gab es weniger Straftaten

Insgesamt sank die Zahl der registrierten Straftaten in Hessen im fünften Jahr hintereinander. Im Jahr 2021 wurden noch 336 030 Straftaten gezählt. Das war der niedrigste Wert seit dem Jahr 1980, noch knapp zwei Prozent unter der Zahl von 2020.

Minister Beuth sprach von einem „ausgezeichneten Erfolg“ der Sicherheitsbehörden und fügte hinzu: „In Hessen leben, heißt besonders sicher leben.“ Dazu kommt, dass zwei Drittel aller Delikte aufgeklärt werden, exakt sind es 65,6 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Einführung der polizeilichen Kriminalstatistik vor 50 Jahren.

Logischerweise ging auch die Zahl der Tatverdächtigen zurück auf knapp 146 000. Davon hatten nach Angaben der Polizei gut 56 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft, knapp 44 Prozent eine andere. 340 ausländische Tatverdächtige „mit Sicherheitsbezug“ seien abgeschoben worden, berichtete Landespolizeipräsident Roland Ullmann.

Beratung

Jugendliche wissen oft nicht, dass sie sich strafbar machen, wenn sie kinder- oder jugendpornografische Darstellungen auf ihren Handys haben – und sei es nur, weil sie diese in einer Chatgruppe oder über ein soziales Netzwerk zugeschickt bekommen haben. Darauf hat LKA-Vizepräsident Felix Paschek am Mittwoch hingewiesen.

Eine Hotline des Präventionsteams der Polizei bietet Beratung zu diesem Thema an. Sie ist zu erreichen unter der Nummer 0800 – 55 22 200. pit

Die Zahl der Morde, Totschläge und anderer Straftaten gegen das Leben ging in Hessen auf 328 zurück. Diese Fälle werden fast immer gelöst, die Aufklärungsquote beträgt 93 Prozent.

Corona hat aber nicht nur positive Effekte. Es gibt auch Deliktfelder, die der Polizei zunehmend Sorgen machen. Dieser Aspekt spielte bei der politisch motivierten Kriminalität eine Rolle, die angestiegen ist. Dazu gehören Sexualstraftaten. Hier gab es im vergangenen Jahr einen drastischen Anstieg von rund 5600 auf gut 7300 Fälle, die von den Behörden verfolgt wurden.

Hinweise von US-Providern

Die Steigerung geht vor allem auf zusätzliche Ermittlungen zurück, die wegen der Verbreitung von Videos und Fotos vom sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen aufgenommen wurden. Diese sogenannte Kinder- und Jugendpornografie wurde in mehr als 3000 Fällen verfolgt, fast doppelt so viele wie im Jahr davor. Allein bei der Kinderpornografie betrug der Zuwachs rund 90 Prozent. Das muss nach Darstellung der hessischen Polizei aber keinen massiven Anstieg der Taten bedeuten. Vielmehr hänge die Entwicklung „im Wesentlichen“ damit zusammen, dass US-amerikanische Internet-Provider inzwischen strafbare Inhalte an die zuständigen nationalen Behörden übermittelten, auch in Hessen.

Kriminalität im Internet wächst

Ohnehin nimmt die Kriminalität im Internet rapide zu. Im vergangenen Jahr befasste sich die hessische Polizei mit knapp 29 000 Fällen. Vier Jahre zuvor hatte die Zahl noch unter 20 000 gelegen. Auch der Vermögensschaden, der dadurch angerichtet wurde, wuchs im gleichen Zeitraum – von 17 Millionen Euro im Jahr 2017 auf jetzt 29 Millionen Euro.

Noch eine andere Form des Verbrechens nahm in den vergangenen Jahren sprunghaft zu: die Sprengung von Geldautomaten. Durchschnittlich knallt es einmal pro Woche in Hessen. Mit 56 Sprengungen hat die Zahl einen neuen Höchststand erreicht. Fünf Jahre zuvor waren erst 19 solcher Delikte registriert worden.

Gefährliche Automatensprengungen

Außerdem ist das Vorgehen der Täterbanden nach dem Eindruck der Polizei gefährlicher geworden. Sie verwendeten meistens Festsprengstoffe und nicht mehr wie früher Gas. Das führe zu größeren Schäden und erhöhe die Gefahr, dass Personen verletzt würden – etwa Menschen, die in einer Wohnung über einem Geldautomaten lebten. Polizeipräsident Ullmann sagte dazu, dass die Behörden mit den Banken gemeinsam nach Lösungen suchten, um das Risiko solcher Taten zu verringern.

Der CDU-Innenpolitiker Alexander Bauer schrieb den Rückgang der Straftaten und insbesondere die höhere Aufklärungsquote auch der schwarz-grünen Landesregierung und dem Innenminister Peter Beuth (CDU) zugute. „Die Investitionen in mehr Personal, bessere Ausstattung und modernste Technik zahlen sich nun aus“, sagte er zur Begründung. Der Minister hatte darauf hingewiesen, dass die Zahl der Vollzugsbeamt:innen von gut 13 500 im Jahr 2014 auf mehr als 15 000 gesteigert worden sei.

„Dem Verhalten der Bürgerinnen und Bürger geschuldet“

Die SPD-Innenpolitikerin Heike Hofmann konstatierte hingegen, es sei nur natürlich, dass die Zahl von Wohnungseinbrüchen oder Straßendiebstählen zurückgehe, wenn mehr Menschen zu Hause blieben. „Diese Entwicklungen sind aber dem Verhalten der Bürgerinnen und Bürger geschuldet und wahrlich nichts, was sich die Landesregierung auf die Fahnen schreiben kann“, urteilte die Sozialdemokratin.

Der Linke Torsten Felstehausen sieht es ähnlich. Er sprach von einer „Sondersituation“ bei der Betrachtung der Kriminalität.

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