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Vergleichsweise selten: Ein junger Mensch hat mitten in der Corona-Krise seine Ausbildung begonnen.
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Vergleichsweise selten: Ein junger Mensch hat mitten in der Corona-Krise seine Ausbildung begonnen.

Ausbildung in Hessen

Corona bremst die Ausbildung in Hessen weiter aus

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Die Zahl der Lehrstellen in den Handwerksbetrieben und die Zahl der daran Interessierten bleiben in Hessen auf niedrigem Niveau. Schon fürchtet man einen zweiten „Corona-Jahrgang“.

Frankfurt - Die hessischen Handwerksbetriebe leiden noch immer massiv unter den Folgen der Corona-Pandemie. Das trifft besonders hart auch die Ausbildungsbetriebe. So gibt es deutlich zu wenige Bewerber und Bewerberinnen für die offenen Lehrstellen – und das, obwohl auch deren Zahl zurückgegangen ist.

Corona hat wirklich Schlimmes bewirkt“, sagte Martin Pott, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden, der für die Aus- und Weiterbildung zuständig ist. Um 15 Prozent sind die Ausbildungszahlen von 2019 auf 2020 gesunken.

Und auch im anstehenden Ausbildungsjahr 2021 sieht es alles andere als gut aus. „Zum Stichtag 31. Juli hatten wir im Kammerbezirk knapp 2000 Lehrverträge, das ist deutlich zu wenig“, so Pott anlässlich der Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz am Donnerstag in Wiesbaden. Üblich seien im Kammerbezirk rund 3500 Lehrverträge.

Corona macht Ausbildungsmessen unmöglich - „Zwischen Skepsis und Zuversicht“

Die Hoffnungen ruhten nun darauf, dass sich im Laufe des Augusts und im September die Zahlen noch verbessern. Immerhin, so Pott, gebe es inzwischen wieder die Möglichkeit für Betriebspraktika. „Corona hat vor allem verhindert, dass junge Leute und Betriebe sich kennenlernen konnten“, erklärte er. Und Ausbildungsmessen, bei denen viele hundert Menschen zusammen kämen, seien noch immer nicht möglich.

Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden und des Hessischen Handwerkstags, räumte ein, man habe gehofft, „Corona in diesem Jahr schnell abschließen zu können“. Dies sei zwar nicht möglich gewesen, immerhin aber habe in den Betrieben im zweiten Quartal des Jahres eine „deutliche Aufbruchstimmung“ um sich gegriffen. Noch aber sei die Situation unsicher, die Pandemie nicht vorbei. „Wir schwanken zwischen Skepsis und Zuversicht“, so Füll.

Ausbildungsplatz finden

Der Lehrstellen-Radar ist ein Angebot der deutschen Handwerkskammern. Dort sind tagesaktuell bundesweit freie Ausbildungsstellen im Handwerk zu finden. Interessierte können über die Homepage www.lehrstellen-radar.de oder die App direkt in Kontakt zu den jeweiligen Betrieben und Unternehmen treten.

Die Ferienwerkstatt des Handwerks findet in Wetzlar vom 23. bis zum 27. August statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die die 8., 9. oder 10. Klasse einer allgemeinbildenden Schule besuchen. Anmeldung und weitere Infos gibt es unter der Adresse hwk-wiesbaden.de/ferienwerkstatt.

Das Projekt ist Teil des „ Sommers der Berufsbildung“ , der von Juni bis Oktober 2021 auf die Chancen einer dualen Berufsausbildung aufmerksam machen will. Am 18. September ist der nationale „Tag des Handwerks“. pgh

Corona erwischte das Handwerk in Hessen in einer Krise – und verschärfte sie

Erfreulich sei, dass Branchen wie das Kraftfahrzeug-Gewerbe, Friseure und Kosmetiker, die besonders unter den Einschränkungen gelitten hätten, endlich wieder „einen Erholungskurs einschlagen konnten“, sagte Füll. Gerade in diesen Bereichen sei die Ausbildung eingebrochen, wie Geschäftsführer Pott berichtete. Und noch immer sei man dort mit dem Abschluss neuer Lehrverträge zurückhaltend.

Corona hat für das Handwerk in Hessen eine schon länger anhaltende Krise deutlich verschärft. Den Betrieben mangelt es auf breiter Front an Nachwuchs. Zum einen, weil ohnehin die Zahl der jungen Menschen, die von der Schule abgehen, sinkt. Zum anderen, weil viele lieber eine weiterführende Schule oder eine Hochschule besuchen als eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen.

Ausbildungsplätze trotz Corona finden: Digitale Sprechstunden

Im vergangenen Jahr war der Trend hin zur schulischen Laufbahn aufgrund der Schwierigkeiten, Betriebe und handwerkliche Berufe überhaupt kennenzulernen, noch einmal verstärkt worden. Nun sei es schwierig, diese Jugendlichen noch zu erreichen. Martin Pott mahnte deshalb, es dürfe „keinen zweiten Corona-Jahrgang“ geben.

Um dies zu erreichen, werben die Handwerkskammern, die Kreishandwerkerschaften und die Betriebe verstärkt um Nachwuchs. Angeboten werden beispielsweise digitale Elternabende, Whatsapp-Sprechstunden bei Ausbildungsberater:innen oder „Macher-Podcasts“, in denen Handwerker:innen ihren Beruf in Wort und Bild präsentieren.

Ausbildung gegen den Klimawandel: „Bei uns wird Klimaschutz angepackt“

In den kammereigenen Berufsbildungszentren in Wiesbaden und Wetzlar gibt es darüber hinaus Ferienwerkstätten, in denen Jugendliche eine ganze Reihe von Berufen praktisch ausprobieren können – Mahlzeit inklusive.

Kammerpräsident Füll hatte noch eine Werbebotschaft parat: Junge Menschen, die am Klimaschutz interessiert seien, könnten gerade im Handwerk ganz praktisch daran mitarbeiten - bei der Isolierung von Gebäuden, dem Einbau von modernen Heizungen oder der Installation von neuen Fenstern und Armaturen. „Bei uns“, sagte Füll, „wird der Klimaschutz angepackt.“ (Peter Hanack)

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