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CDU-Politiker tritt nach rassistischer Rede zurück

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Von: Alexander Gottschalk

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Auf der Kerb in Bad König fabulierte Kommunalpolitiker Marc Böhm von „Kopftuchgeschwadern“.

Seine rassistische und frauenfeindliche Eröffnungsrede auf der Kerb hat im südhessischen Bad König (Odenwaldkreis) einen Stadtverordneten der CDU sein Amt gekostet. Nach lautstarker öffentlicher Kritik trat Kommunalpolitiker Marc Böhm am Freitag von seinem Mandat im Stadtparlament zurück und gab auch seine Rolle als Kerbredner auf.

Am Wochenende zuvor hatte Böhm auf dem Volksfest offenbar „in scherzhaftem Format“ – so seine eigene Formulierung – mit der Stadtpolitik in Bad König abrechnen wollen. Teile seiner Rede, die später der Hessische Rundfunk in Auszügen online stellte, thematisierten in der Stadt lebende Menschen mit Migrationshintergrund.

Böhm sagte: „Wenn Du in die Hauptstraße guckst, da steigt Dir der Puls, da schwillt Dir die Ader, man sieht fast nur noch Kopftuchgeschwader.“ Und weiter: „Vier von fünf Kopftuchfrauen“ hätten noch „einen Braten in der Röhre“. Aussagen, für die er sich nun in einer Stellungnahme bei allen entschuldigte, die er auch über die Stadtgrenzen hinaus „beleidigt und verletzt“ habe.

„Ich sehe vollumfänglich ein, dass die von mir in der Rede getätigten Aussagen diskriminierend und falsch sind“, schrieb der CDU-Politiker. Er habe sich „im Ton vergriffen“, bedauere seinen „Fehler zutiefst“, könne das Gesagte aber nicht mehr zurücknehmen. Mit seinem Rücktritt wolle er den Schaden an der Stadt begrenzen und zeigen, dass er seine Aussagen „ehrlich bereue“.

Seit mehr als 25 Jahren ist Böhm als „Kerbvadder“ in Bad König bekannt, wie das „Odenwälder Journal“ berichtete. Demnach war der Haustechnikunternehmer auch Förderer des Sportvereins TSG Bad König. Dieser hatte sich am Donnerstag in einem Facebook-Beitrag von der umstrittenen Kerbrede distanziert. TSG-Vorstandschef Matthias Hofman sagte dem hr später, er habe während der Rede „im ersten Moment gedacht, ich bin im falschen Film“. Die SPD in Bad König sprach auf Facebook davon, es sei eine „rote Linie“ überschritten worden. Auch Bad Königs parteiloser Bürgermeister Axel Muhn verurteilte die Aussagen Böhms als „unterste Schublade“.

Beim Volksfest war der Rathauschef zwar zugegen, habe aber nicht eingegriffen, weil er die Feier nicht stören wollte: „Im Nachhinein ist man immer schlauer“, sagte Muhn dem hr. Das Publikum hatte laut Vereinsboss Hofman unterschiedlich auf die Rede reagiert. Es habe jene gegeben, die schockiert gewesen seien, aber auch andere, die „stürmisch geklatscht“ hätten.

Dass nicht alle in Bad König den Rassismusskandal tatsächlich auch als solchen sehen, zeigte sich in den sozialen Netzwerken. Auf Facebook hieß es etwa entschuldigend, Kerbreden seien „schon immer deftig“; den Rücktritt des „Kerbvadders“ empfanden viele als übertrieben. Zukünftig sollen dessen Reden laut Bürgermeister Muhn vorab überprüft werden – sicherheitshalber.

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