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Atommüll strahlt Millionen Jahre, auch nach dem Atomausstieg. Zahlreiche Aktive protestieren gegen dessen Transport.

Atomkraft

Castor-Transport rollt gen Biblis

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Sechs Behälter mit hochradioaktivem Atommüll sind auf dem Weg nach Hessen. Anti-Atomkraft-Aktive und Sicherheitskräfte erwarten dessen Ankunft am Mittwoch.

Wenn alles wie geplant abgelaufen ist, dann ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ein Sonderzug ins südhessische Biblis gerollt. Seine Fracht: sechs Behälter mit hochradioaktivem Abfall aus der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield. Sie sollen in Biblis eingelagert werden.

Der Transport von der britischen Insel in den Seehafen Nordenham bei Bremerhaven hatte sich verzögert. Das Schiff mit den sechs Castoren an Bord kam dort mit etwa einem Tag Verspätung an. Die Verladung auf den Zug ging nach Angaben des damit beauftragten Transportunternehmens trotz starken Windes dann störungsfrei vonstatten.

Ob der Zug nun tatsächlich nach rund zwölf Stunden Fahrt in Biblis eintreffen wird – das wäre dann am frühen Mittwochmorgen – oder sich aufgrund möglicher Störungen und Proteste verspätet, war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht klar. Zudem geben die Organisatoren des Transports keine Details zu Zeitplan und Route heraus. Fraglich ist auch, wie groß die Proteste entlang der Strecke ausfallen. „Da gibt es eine Risikoabwägung“, sagte ein Antiatomkraftaktivist, der sich am Telefon mit Michael meldet, der Frankfurter Rundschau. Möglicherweise blieben Aktive den Protesten fern, um dem Risiko einer Infektion mit Covid-19 aus dem Weg zu gehen, sagte er.

Am Bahnhof Biblis gibt es seit Dienstag eine Mahnwache, die die Ankunft des Sonderzugs aus Norddeutschland erwartet. Auch dort war ungewiss, wie lange man darauf werde warten müssen. Für Dienstag 17 Uhr waren eine erste Demonstration und Kundgebung angekündigt.

Ein Zug wird kommen. In Biblis warteten am Dienstag Anti-Atomkraft-Aktive und ein Großaugebot von Sicherheitskräften auf die Ankunft.

Der Transport mitten in der Corona-Krise, direkt zu Beginn des Teillockdowns, war auf breite Kritik gestoßen. Neben Umweltschutzorganisationen hatte auch die Gewerkschaft der Polizei eine Verschiebung gefordert. Ursprünglich sollten die Castoren schon einmal im April nach Biblis gebracht werden, damals wurde das Vorhaben wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kritisierte den aktuellen Atommülltransport. „Erneut wird hochgefährlicher Atommüll von A nach B transportiert. Ein Endlager für Atommüll ist weit und breit nicht in Sicht“, sagte BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz. Dennoch werde weiterhin Atommüll produziert. Demonstrationen gegen die „Atommüllverschiebereien und gegen die weitere Atommüllproduktion“ seien daher zwingend notwendig.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte Proteste gegen den Castortransport kritisiert. In der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ appellierte Lies an die Castorgegner, „doch einmal nachzudenken, ob es nicht sinnvoller wäre, auf mögliche Gegendemonstrationen zu verzichten – gerade weil wir eine pandemisch brenzlige Situation haben“. Polizisten würden durch die Proteste einer zusätzlichen Infektionsgefahr ausgesetzt.

Der Atommüll in den Castoren stammt aus der Wiederaufarbeitung von Brennstäben und muss von Deutschland zurückgenommen werden.

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