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Volker Bouffier (CDU, l), Ministerpräsident von Hessen, übergibt während der posthumen Verleihung der hessischen Medaille für Zivilcourage an Vili-Viorel Păun an dessen Vater Niculescu Păun. Păun hatte während des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau am 19. Februar 2020 versucht den Täter zu stoppen und von diesem erschossen.
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Volker Bouffier (CDU, l), Ministerpräsident von Hessen, übergibt während der posthumen Verleihung der hessischen Medaille für Zivilcourage an Vili-Viorel Păun an dessen Vater Niculescu Păun.

Zivilcourage

Bouffier ehrt den getöteten Hanauer Helden Vili Viorel Paun

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Hessens Ministerpräsident Bouffier überreicht die Medaille für Zivilcourage an den Vater des ermordeten Hanauers Vili Viorel Paun. Die Angehörigen der Opfer der Terrornacht fordern aber mehr.

Man sieht Niculescu Paun an, wie schwer es ihm fällt, ans Mikrofon zu treten. „Nichts gibt mir seine Liebe zurück, seine Tränen, sein Lächeln“, sagt der Vater des getöteten 22-jährigen Vili Viorel Paun aus Hanau.

Soeben hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dem Vater die Hessische Medaille für Zivilcourage übergeben, stellvertretend für Vili Viorel. Der junge Mann hatte am 19. Februar 2020 versucht, den terroristischen Täter in Hanau aufzuhalten, doch der Rassist erschoss auch Vili Viorel Paun. Der 22-Jährige hatte zuvor mehrfach den Notruf gewählt, ohne durchzukommen.

Angehörige wollen Aufklärung

„Ich finde diese Medaille richtig und korrekt“, sagt Vater Niculescu Paun in seinem kurzen Dankeswort und fügt hinzu: „Aber mein Herz sagt nein.“ Den Hinterbliebenen und Überlebenden von Hanau reichen Gesten der Politik nicht aus. Sie wollen vor allem Aufklärung und Antworten auf ihre Fragen – etwa warum der Täter legal Waffen besitzen konnte, warum eine Fluchttür an einem Tatort abgeschlossen war und warum die Polizei stundenlang wartete, bis sie das Haus des Täters stürmte.

Die Opfer von Hanau

Vili Viorel Paun starb im Alter von 22 Jahren durch die Schüsse eines rassistischen Täters in Hanau am 19. Februar 2020. Der junge Mann hatte versucht, den Täter zu stoppen, und wurde dabei selbst getötet.

Neun Menschen wurden in jener Terrornacht aus rassistischen Gründen erschossen. Neben Paun waren das Gökhan Gültekin, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoglu, Hamza Kurtovic, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. pit

Vier Angehörige von Opfern sind zu der Zeremonie gekommen: An der Seite von Niculescu Paun stehen Armin Kurtovic, der Vater von Hamza, der ebenfalls mit 22 Jahren dem Täter zum Opfer fiel; Emis Gürbüz, die Mutter von Sedat, der 29 Jahre alt wurde; und Said Etris Hashemi, dessen Bruder Said Nesar mit 21 Jahren getötet wurde. Sie alle halten Fotos der Ermordeten hoch.

Drängende Fragen

Ihre Fragen sind noch drängender geworden, seit in dieser Woche bekannt wurde, dass Polizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Frankfurt in der Terrornacht von Hanau im Einsatz waren – darunter 13 Männer, die an einer rechtsextremen Chatgruppe beteiligt waren und gegen die daher ermittelt wird. Das sei „bedrückend“, findet auch Ministerpräsident Bouffier im Gespräch mit den Angehörigen. Eine möglicherweise rechtsextreme Gesinnung sage aber noch nichts darüber aus, ob diese Männer ihren Einsatz als Polizisten richtig gemacht hätten. Gerade die Einsätze eines SEK folgten einem strengen Plan, erklärt er. Doch Bouffier räumt ein, was Said Etris Hashemi anspricht: Der Vorgang „lässt viel Raum für Spekulation“. Also verspricht der Ministerpräsident Aufklärung. Wenn der Generalbundesanwalt seine Ermittlungen beendet habe, werde er sich die Akte vornehmen und mit den Angehörigen besprechen, sagt Bouffier zu.

„Vili war für viele ein Held“

In seiner kurzen Rede widmet sich Bouffier dem Mut des Vili Viorel Paun. „Mir ist es ein Anliegen, Ihnen und allen anderen deutlich zu machen, dass wir ihn nicht vergessen, dass wir ihn ehren – das ganze Land“, sagt der Ministerpräsident. „Vili war für viele ein Held.“

Es ist ein kleines Zeichen an die Angehörigen, mehr kann es nicht sein. Die Dietzenbacherin Emis Gürbüz sagt es so: „Ich will mein Kind wieder zurück haben. Die schulden mir ein Leben.“

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