Gastbeitrag

Bildung und Teilhabe sind Schlüssel

Von Arif Arslaner, Geschäftsführer des Vereins für Kultur und Bildung (KUBI) in Frankfurt.

Als ich im Jahr 1979 aus der Türkei nach Frankfurt gekommen bin, hatte ich das Glück, sehr schnell Anschluss zu finden. Ich konnte eine Ausbildung ab-solvieren und studieren. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten erschienen unbegrenzt, doch schnell habe ich gemerkt: Nicht für alle. Längst nicht jede:r hatte die Chance auf Abitur und Studium – und „wir“ Migrant:innen galten als „Gast-Arbeiter“. „Wer zu Gast ist, wird ja auch bald wieder gehen“, schien die allgemeine Haltung zu sein.

Heute sehen wir: Die Migrant:innen sind nicht abgereist. Sie sind geblieben und prägen die Gesellschaft mit. Sozial, kulturell und wirtschaftlich. Für die international verflochtene hessische Wirtschaft kann es nur gut sein, Beschäftigte zu haben, die in mehreren Sprachen und Kulturen zu Hause sind. Engagement für Bildung und Teilhabe zahlt sich aus.

Positive gesellschaftliche Veränderung kann nur in der Demokratie gelingen. Das habe ich als junger Mensch in den 80ern erlebt, einer Zeit des politischen Aufbruchs mit harten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Doch so intensiv die Diskussionen auch waren: Es war ein demokratischer Meinungsstreit im Sinne konstruktiver Entwicklung. Das ist etwas komplett anderes als das Gebrüll von Rechtspopulisten, das wir seit Jahren zunehmend erleben.

Meine große Hoffnung für die Zukunft ist, dass wir unsere Demokratie verteidigen und den Rassismus besiegen können. Dazu müssen wir die Menschen immer wieder aufs Neue für die Demokratie begeistern. Bildung und Teilhabe sind die wesentlichen Schlüssel dafür, dass dies gelingt.

Ich möchte daher ein solidarisches Hessen, das gleiche Chancen für alle Menschen gleich welcher Herkunft ermöglicht. Das ist gut für die Demokratie, die Gesellschaft und die Wirtschaft. Daran müssen wir alle konstruktiv arbeiten. Mit KUBI und vielen Mitstreiter:innen möchte ich dazu beitragen.

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