Bildung

Berufsschulen in Hessen schlagen Alarm

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Sicherheit vor Ansteckung sei „nicht zu gewährleisten“, warnen sie. Und fordern in Hessen flexible Unterrichtsmodelle.

In einem Brief an die Landesregierung fordert die Arbeitsgemeinschaft der hessischen Berufsschulleiter*innen (AGD), Schülerinnen und Schüler wahlweise im Klassenraum oder zu Hause unterrichten zu dürfen – auch, wenn keine Erkrankung oder der Verdacht auf eine Corona-Infektion vorliegt. Sie begründet ihr Anliegen mit einem ihrer Ansicht nach mangelhaften Schutz vor Ansteckung in den Schulen.

„Wir sehen, dass wir unter Volllast auf Dauer nicht corona-sicher werden arbeiten können“, heißt es sinngemäß in dem Schreiben, das der FR vorliegt. Das Maskentragen und die Appelle, Abstand zu halten, reichten nicht aus und seien in Berufsschulen oft nicht praktikabel.

„Die Umsetzung ist unendlich schwierig“, beklagt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Annette Greilich. So sei es beispielsweise an vielen Schulen nicht möglich, ausreichend zu lüften. Zudem seien viele Klassenräume recht klein, die Schüler säßen eng beieinander, feste Lerngruppen, wie vom Land gefordert, können aufgrund des häufigen Fachunterrichts und das Personalwechsels kaum eingerichtet werden.

Großes Angebot

In Berufsschulen werden Jugendliche und junge Erwachsene auf eine Tätigkeit im Berufsleben vorbereitet.

Es gibt vollschulische Ausbildungsgänge, in der der gesamte Unterricht in der Schule stattfindet. Im dualen System lernen die Schüler zwei Tage an der Schule und drei im Betrieb.

In Hessen gibt es gut 150 Berufs-schulen mit 180 000 Schülern. pgh

Die AGD schlägt Kultusminister Alexander Lorz (CDU) vor, den Schulen zu erlauben, selbst zu entscheiden, welche Lerngruppen anwesend sein müssen und wer zu Hause auf digitalem Weg unterrichtet werden soll. Dazu könnten die Gruppen geteilt werden und im wöchentlichen Wechsel an die Schule kommen.

Flexibilität fordert auch Dietmar Johlen, Leiter der Herwig-Blankertz-Berufsschule in Hofgeismar. „Wir wünschen uns die Möglichkeit, einen Hybrid-Unterricht anbieten zu können“, sagt er – also einen Mix aus Präsenzzeiten in der Schule und Distanzlernen zu Hause – unabhängig von möglichen Corona-Infektionen.

Statt 30 würden dann beispielsweise nur noch 15 Schülerinnen oder Schüler im Unterricht sitzen. Auch bei fachpraktischen Übungen – etwa dem Verzurren von Ladung auf Paletten durch angehende Lagerlogistiker oder der Holzbearbeitung durch künftige Tischler – sei ein Arbeiten in geteilten Gruppen sinnvoll, argumentiert Johlen.

Annette Greilich, die die Wirtschaftsschule am Oswaldgarten in Gießen leitet, sieht die Berufsschulen beim Infektionsschutz in einer besonderen Verantwortung. „Viele unserer Schülerinnen und Schüler sind zwei Tage bei uns und drei Tage im Betrieb“, sagt sie – und könnten eine mögliche Erkrankung dort schnell weiter verbreiten.

Bislang hat es in Hessen zwar Quarantäne-Maßnahmen bis hin zu Schulschließungen geben. Größere Corona-Ausbrüche in Schulen selbst aber waren noch nicht dabei. Die Linke sieht sich durch das Schreiben der AGD in ihrer Kritik an der Landespolitik aber bestätigt. Es sei nötig, die Lerngruppen zu verkleinern und Möglichkeiten wie den versetzten Schulanfang einzurichten.

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