1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

Aus der evangelischen Jugendburg wird eine Privatschule

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Ob künftig noch so viele Kreuze auf Dächern zu finden sein werden? Die Kirche muss sich auch von Gebäuden trennen.
Ob künftig noch so viele Kreuze auf Dächern zu finden sein werden? Die Kirche muss sich auch von Gebäuden trennen. © Michael Schick

Die Kirche muss und will sparen und verkauft die traditionsreiche Bildungsstätte in Hohensolms bei Wetzlar an einen privaten Träger. Der will dort eine Schule mit Internat eröffnen.

Schon vor Corona lag die Auslastung noch bei gerade einmal 46 Prozent, der Zuschussbedarf für den laufenden Betrieb bei zuletzt 125 000 Euro im Jahr. Nun hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Bildungsstätte Jugendburg Hohensolms verkauft. Eine Privatschule hat das Ensemble bei Wetzlar übernommen.

Die „Carpe Diem Hohensolms GmbH“ ist neue Eigentümerin der Jugendburg Hohensolms, wie die EKHN jetzt mitgeteilt hat. Aus der evangelischen Jugendbildungsstätte wird eine Ganztagsschule mit 120 Plätzen, davon 30 Internatsplätze. Etwa zwei Drittel der Plätze sollen für Schülerinnen und Schüler aus der Region vorgesehen bleiben. Der Betrieb soll Ende August 2023 beginnen.

Schon seit Jahren debattiert die EKHN über die Zukunft ihrer Bildungsstätten. Hintergrund sind die Bemühungen der Kirche, ihre Ausgaben den künftig sinkenden Einnahmen vor allem aus der Kirchensteuer anzupassen. Es ist ein langfristiger Prozess, die Diskussionen werden häufig auch sehr emotional geführt.

Bildungsstätte

Die Jugendburg Hohensolms bei Wetzlar gehört seit 1953 zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Sie wurde als Jugendbildungsstätte genutzt und verfügt über 150 Betten. Die Auslastung ging in den vergangenen Jahren stark zurück.

Die private Ganztagsschule Carpe Diem führt bereits staatlich anerkannte Privatschulen mit Internat in Willich bei Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) und in Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz). pgh

Zehn Jahre hat es dann auch gedauert, bis die Entscheidung über die traditionsreiche Jugendburg getroffen wurde. Im vergangenen Herbst hatte die Synode – das Kirchenparlament – schließlich grünes Licht für den Verkauf gegeben. Zugleich war beschlossen worden, dass der Verkaufserlös vollständig der Kinder- und Jugendarbeit der hessen-nassauischen Kirche zugute kommen solle. Laut EKHN sind dies 2,5 Millionen Euro. Zudem werde die Burg an Wochenenden weiterhin für kirchliche Gruppen und – während der hessischen Schulferien – für ihre Freizeitaktivitäten und die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden zur Verfügung stehen.

„Der Rückzug der EKHN aus der Jugendburg Hohensolms ist ein schwerer Schritt“, sagt Annette Frenz, Geschäftsführerin der kirchlichen Tagungshäuser. Es sei wichtig gewesen, einen Käufer zu finden, der wirtschaftliche Interessen mit gesellschaftlich und sozial verantwortlichem Handeln verbinde. Dass es gelungen sei, eine Schule zu gewinnen, „freut bei aller Wehmut“.

Die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden in der Jugendburg sollen erhalten bleiben. Weitere 40 sollen vor allem im pädagogischen Bereich entstehen. „Die Burg Hohensolms ist ein unglaublich bedeutender Ort mit hoher regionaler Bedeutung“, sagt Luca Bonsignore, Inhaber und Geschäftsführer der Privatschule Carpe Diem GmbH. Man sei sich der historischen Bedeutung der Burg sehr bewusst und werde diese auch für Feste und Kulturveranstaltungen offenhalten.

Auch interessant

Kommentare