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An Hessens Schulen gibt es bald Ukrainisch-Unterricht für die Geflüchteten

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Von: Peter Hanack

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Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sollen in Hessen möglichst schnell in die Schule gehen können.
Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sollen in Hessen möglichst schnell in die Schule gehen können. © dpa

Das Angebot soll Kultur und Sprache der Ukraine vermitteln und die Bindung der Geflüchteten zu ihrem Heimatland erhalten. 3500 Schulpflichtige sind bereits in den hessischen Schulen angekommen, täglich werden es mehr.

Tausende Menschen sind schon vor dem Krieg in der Ukraine nach Hessen geflüchtet, viele davon Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter. Viele werden noch erwartet. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat am Donnerstag erklärt, wie deren Beschulung aussehen soll.

Schwierig: Niemand weiß, wie lange die Geflüchteten in Hessen bleiben werden. Entsprechend soll der Unterricht sowohl auf Integration als auch auf baldige Rückkehr vorbereiten, machte Lorz deutlich.

Bislang seien 3500 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter in Hessen registriert, so Lorz. Allein 1800 davon sind in der vergangenen Woche angekommen. Die Zahlen änderten sich täglich. „Es ist eine Dynamik, wie wir sie noch nicht erlebt haben“, sagte der Minister.

Strukturen aus der Flüchtlingskrise

Bei deren Beschulung kann Hessen auf Strukturen zurückgreifen, die während der Flüchtlingskrise 2015/2016 geschaffen worden sind – und die seither nie mehr ganz abgebaut wurden.

Damals besuchten bis zu 28 000 Kinder und Jugendliche Intensivklassen und -kurse. Dort werden die Seiteneinsteiger:innen, die zumeist über keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnisse verfügen, für den Einstieg in den regulären Unterricht vorbereitet. Dazu erhalten sie intensiven Sprachunterricht und besuchen stundenweise den Regelunterricht, etwa in Sport oder auch Englisch. Können sie genug Deutsch, wechseln sie in den normalen Schulunterricht.

Start in Intensivklassen

1170 solcher Intensivklassen gibt es derzeit laut Kultusministerium in Hessen, 200 davon wurden kurzfristig eingerichtet. 20 000 Kinder und Jugendliche werden dort beschult, auch die bisher aus der Ukraine eingetroffenen 3500. „Wir haben dieses Eintrittstor in die hessischen Schulen seit 2016 nie wieder ganz geschlossen“, sagte Lorz dazu.

Anders als für die meisten Flüchtlinge oder Zugewanderten, die die Intensivklassen besuchen, soll es für die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine ein Angebot für Unterricht in ihrer Landessprache geben. Die Schulpflicht beginnt übrigens mit der offiziellen Registrierung in einem der Aufnahmezentren.

Vier Stunden Sprache und Kultur

„Dieser Ukraineunterricht in Sprache und Kultur des Heimatlandes der Schülerinnen und Schüler ist freiwillig und soll dabei helfen, deren Bindung an die Ukraine aufrechtzuerhalten“, erklärte Lorz. Vier Stunden in der Woche sind dafür vorgesehen.

Der Unterricht soll in den Schulen in Präsenz stattfinden. 170 Personen hätten sich dafür bereits gemeldet, 100 davon verfügten zudem über Deutschkenntnisse. Sie würden nun daraufhin überprüft, ob sie in der Ukraine professionell pädagogisch tätig gewesen seien.

Eine offizielle Anerkennung als Lehrkraft sei nicht nötig. Der Unterricht selbst unterstehe auch nicht den hessischen Regeln, sagte Lorz. Außerdem können viele der Geflüchtete auf Online-Unterricht zurückgreifen, der von ukrainischer Seite angeboten wird. Das gesamte Lern- und Lehrmaterial dafür stehe ab der 5. Klasse digital zur Verfügung, berichtete Lorz. Die Beschulung sei mit den Länderkollegen sowie dem ukrainischen Generalkonsulat abgesprochen.

Flexibel vorgehen

Am 31. Mai endet das laufende ukrainische Schuljahr. Die Geflüchteten in den jeweiligen Abschlussklassen müssten keine sonst übliche Abschlussprüfung machen. Der ukrainische Staat vergebe die Abschlüsse aufgrund der bislang gezeigten schulischen Leistungen, berichtete Lorz.

In der Ukraine beginnt das nächste Schuljahr am 1. September. Wie es mittelfristig mit der Beschulung in Hessen weitergehe, hänge sehr von der dortigen Entwicklung ab, so Lorz. Nun sei erst einmal Flexibilität nötig.

Siehe das Interview mit dem hessischen Russischlehrer Stefan Höhbusch

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