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Die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist 116117.
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Die Telefonnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist 116117.

Hessen

Ärztlicher Bereitschaftdienst in Hessen: Kein Hausbesuch am Sonntag

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Der Mann lag im Sterben, doch der Ärztliche Bereitschaftsdienst wollte nicht kommen. Kein Einzelfall, sagt SPD-Landtagabgeordnete Daniela Sommer. Sie fordert Aufklärung.

Es sei „eine Katastrophe“ gewesen, sagt Petra H. Einen ganzen Sonntag lang bemühte sie sich, einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, der oder die ihrem Mann zu Hause hilft. Vergebens. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) lehnte einen Hausbesuch ab. Der Hausarzt war im Urlaub. Ihr bitteres Fazit: „Wenn an einem Wochenende jemand zu Hause im Sterben liegt, dann hat er Pech.“

Petra H. ist kein Einzelfall. Erst vor kurzem hatte die Frankfurter Rundschau über einen Frankfurter mit Rückenschmerzen berichtet, der fünf Stunden auf die lindernde Spritze warten musste. Zwei Stunden dauerte es alleine, bis endlich eine der Töchter bei der 116 117 durchkam. Den Kindern und Freundinnen von Astrid H. ging es ähnlich. Sie waren zur Hilfe geeilt, um beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst zu intervenieren. Einen Rettungswagen zu rufen, sei keine Option gewesen, sagt Astrid H. Ihr Mann, der am Montag danach starb, wollte seine letzten Stunden explizit nicht im Krankenhaus verbringen. „Ich wollte nur wissen, ob er wieder eine Lungenentzündung hat oder ob es zu Ende geht.“

Die beiden Nummern

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist für Patienten da, die außerhalb der regulären Sprechzeiten dringend ärztliche Hilfe brauchen. Er ist für Patienten gedacht, die nicht lebensbedrohlich erkrankt sind. Erreichbar ist er unter der Telefonnummer 116 117 oder in einer der 70 Zentralen in Hessen.

Die Nummer 112 ist die des Rettungsdiensts. Sie ist für akute, möglicherweise sogar lebensbedrohliche Notfälle reserviert. jur

Es muss ein großes Durcheinander geherrscht haben an dem Sonntag im Juni. Eine Ausnahmesituation, in der Angehörige wie Petra H. auf professionellen Rat und Hilfe angewiesen sind. Diese Auffassung vertritt Daniela Sommer, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Auch sie hat an jenem Sonntag versucht, Petra H. zu helfen. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst habe die Aufgabe, akut kranken Menschen nachts, an Wochenenden und an Feiertagen zur Seite zu stehen, sagt Sommer. „In letzter Zeit ist aber immer wieder von Fällen berichtet worden, die zeigen, dass die Hilfe zu spät oder gar nicht ankommt.“ Den Beschwerden müsse dringend nachgegangen werden, sagt Sommer, die mehrere parlamentarische Anfragen an Sozialminister Kai Klose (Grüne) gestellt hat. „Und da, wo das System versagt, muss zwingend nachgebessert werden.“

Die für die Organisation des ÄBD zuständige Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) sieht das anders: „Für medizinische Notfälle ist nicht die 116 117, sondern die 112 die richtige Telefonnummer“, sagt ihr Sprecher Alexander Kowalski. Und ob ein Hausbesuch angezeigt sei, liege allein im Ermessen des zuständigen Arztes oder der Ärztin.

Sommer erinnert daran, dass die KV in der Vergangenheit die Bevölkerung immer wieder ermahnt hat, nicht gleich mit jeder Bagatelle in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser zu gehen. „Woher soll der Laie wissen, welche Anlaufstelle die richtige ist?“ Der ÄBD selbst werbe auf seiner Homepage explizit für sich als erste Anlaufstelle bei akutem medizinischen Hilfsbedarf. Anhand eines „strukturierten medizinischen Ersteinschätzungsverfahrens“, heißt es dort, würden Fragen zu dem aktuellen Gesundheitszustand des Betroffenen gestellt. „Wenn Sie sich nicht sicher sind, dann helfen speziell geschulte Mitarbeiter unter der Rufnummer 116 117 Patienten, die richtige Ansprechperson für ihr Anliegen zu finden.“

Der ÄBD hatte übrigens Petra H. auch nicht empfohlen, die 112 zu wählen. Er verwies sie an die Notfallapotheke. Dazu hätte sie ein Rezept gebraucht, das die Tochter in der Zentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdiensts in Frankenberg holen sollte. Die stand dann vor verschlossenen Türen. Wie jeden Samstag und Sonntag zwischen 12 und 18 Uhr. „Weil die durchschnittliche Inanspruchnahme durch die Patient:innen zeigt, dass dies nicht notwendig ist“, sagt der KV-Sprecher.

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