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Nicht überall an Hessens Schulen ist so viel Abstand wie hier beim Deutschabitur 2020 in Ravensburg.
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Nicht überall an Hessens Schulen ist in der Corona-Pandemie so viel Abstand wie hier beim Deutschabitur 2020 in Ravensburg.

„Krasser Widerspruch“

Keine Maskenpflicht nach freiwilligem Corona-Test: Regel fürs Abitur sorgt für scharfe Kritik

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Vorgaben des Kultusministeriums zur Abiturprüfung in Hessen während der Corona-Pandemie stoßen allerorten auf Widerspruch. Vor allem an einem Punkt stören sich die Kritisierenden.

Wiesbaden – Zum zweiten Mal schreiben Hessens Abiturient:innen ihre Reifeprüfung unter Corona-Bedingungen. Doch dieses Jahr ist alles noch komplizierter als 2020. So wird gestritten, ob und wer bei den Klausuren eine Maske tragen muss, wie die freiwilligen Selbsttests vonstattengehen und ob wirklich alle Prüflinge in einem Raum beisammensitzen sollten.

Angesichts hoher und weiter steigender Infektionszahlen gerade auch in Hessen stehen die Prüfungen unter besonderer Beobachtung. Am Mittwoch (21.04.2021) geht es für die ersten der insgesamt rund 23.500 jungen Männer und Frauen los mit Chemie. Es folgen Geschichte, Informatik und Englisch und vieles mehr, Mathematik am 4. Mai und zum Abschluss Altgriechisch am 5. Mai.

Abitur in Hessen während Corona: Testpflicht gilt nicht für Abiturient:innen

Das Kultusministerium versichert, alles getan zu haben, damit das Abitur sicher geschrieben werden kann. Doch daran gibt es massive Zweifel. Beispielsweise stellt das Land von Montag an allen Schüler:innen und Lehrkräften zwar wöchentlich zwei Selbsttests zur Verfügung. Zudem gilt für alle, die den Präsenzunterricht besuchen wollen, eine Testpflicht. Nicht aber für die Abiturient:innen. Diese können sich freiwillig testen, müssen es aber nicht.

Dem stünden rechtliche Gründe entgegen, heißt es dazu aus dem Kultusministerium. Zudem sollen jene, die sich freiwillig getestet haben, während der vierstündigen Klausuren keine Maske tragen müssen, obwohl sonst in den Schulen überall Maskenpflicht besteht.

Termine, Zahlen und Besonderheiten

Die schriftlichen Klausuren beginnen am Mittwoch, 21. April, und werden bis Mittwoch, 5. Mai, geschrieben. Nachprüfungen vom 18. Mai bis 2. Juni.

Rund 23.500 Prüflinge an 269 Schulen nehmen am Landesabitur teil.

Meistgewählte Fächer sind Mathematik mit 16.900 Schülerinnen und Schülern, Englisch mit 11.300, Deutsch mit 8100 und Biologie mit 6200. Es folgen Politik und Wirtschaft mit 4500 sowie Geschichte mit 3500 Prüflingen.

Besonderheiten sind: Erstmals wird in Hessen nach den Osterferien geschrieben, um mehr Zeit zum Lernen zu geben. Die Schulen erhalten für jedes Prüfungsfach einen zusätzlichen Aufgabenvorschlag zur Auswahl. Die Prüflinge haben bis zu einer halben Stunde mehr Zeit, um Pausen einlegen zu können. Das soll einen Ausgleich für das Maskentragen schaffen.

Während also ein Großteil der hessischen Schulen wegen der hohen Inzidenzen (von mehr als 200) am Montag erst gar nicht öffnen werden, sollen Abiturient:innen weitgehend ungeschützt stundenlang in einem Raum zusammensitzen – immer mit der Gefahr sich anzustecken oder zumindest dem Risiko, wegen eines im Nachgang positiv getesteten Mitschreibenden wochenlang in Quarantäne zu gehen. Und die Abiturprüfungen erst einmal abbrechen zu müssen.

Hessen: Infektionen mit Corona wegen Abitur seien zu erwarten

„Ich halte es für höchst problematisch, wenn sich die Prüflinge freitesten und ohne Maske stundenlang im Prüfungsraum sitzen können“, sagt dazu Reinhard Schwab, der Vorsitzende des hessischen Philologenverbands, der die Gymnasiallehrkräfte vertritt. Der Schutz durch eine Maske müsse gegeben sein.

Selbst testen hilft, wenigstens etwas. Aber wirklich sicher ist es nicht.

„Es ist leider zu befürchten, dass es unter den Abiturient:innen zu Infektionsfällen kommen wird“, kritisiert auch die GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald. Es seien deutlich mehr Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz erforderlich, etwa hochwertige Luftfilteranlagen oder Trennwände aus Plexiglas, fordert sie. Überhaupt nicht nachvollziehbar sei, warum die Pflicht zum Tragen der Masken entfallen solle. Alle Fachleute seien sich einig, dass die Selbsttests nur eingeschränkt zuverlässig seien. Sie fordert, die Pflicht beizubehalten.

Das tut auch Elisabeth Kula, bildungspolitische Sprecherin der Linke-Landtagsfraktion. Prävention sei die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Pandemie. Die Schnelltests allein böten nicht ausreichend Sicherheit.

Abitur während Corona in Hessen: Tests schon zu Hause durchführen

Es sei ein „krasser Widerspruch“, dass Schüler:innen ab Klasse sieben mit Ausnahme der Abschlussklassen seit Dezember nicht mehr in die Schule kommen dürften, beim Abitur Masken aber entbehrlich sein sollen, kritisiert Christoph Degen, bildungspolitischer Sprecher der Landtags-SPD. Er fordert Tests und Maskenpflicht. Wie Maike Wiedwald findet auch Degen, es sei zudem sinnvoll, die Tests bereits zu Hause vorzunehmen statt erst in der Schule.

Coronavirus

Alle Informationen zu Sars-CoV-2 finden Sie auf unserer Themenseite Corona-News.

Der FDP-Bildungspolitiker Moritz Promny hält es für nötig, jene Schülerinnen und Schüler, die sich nicht testen wollen, von jenen zu trennen, die den Test freiwillig mitmachten. Sie sollten dann in getrennten Räumen sitzen, fordert Promny. Dann könnten die negativ Getesteten ohne Maske Abitur schreiben. Die Aufteilung in getrennte Räume hält auch Philologenverbandsvorsitzender Reinhard Schwab für sinnvoll.

Die Herausforderungen für die Prüflinge wie auch die Schulen und Lehrkräfte waren wohl noch nie so groß wie in diesem Jahr. Vielleicht haben die Abiturient:innen 2021 wenigstens das Glück, im Sommer noch einmal richtig zusammen feiern zu dürfen. 2020 ging das nicht. (Peter Hanack)

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