1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Landespolitik

45 neue Windräder sollen sich bald in Hessen drehen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Peter Hanack

Kommentare

Blick vom Frankfurter Stadtteil Bergen gen Norden: Zwei Windräder stehen dort im Dunst der Wetterau.
Blick vom Frankfurter Stadtteil Bergen gen Norden: Zwei Windräder stehen dort im Dunst der Wetterau. © dpa

Nach jahrelanger Flaute zieht der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Hessen wieder an. Doch es gibt viele Klagen gegen die Projekte. Neue Stellen sollen Verfahren beschleunigen.

In Hessen geht das Wachstum bei der Windkraft etwas zügiger voran als in den – allerdings eher mäßigen – Vorjahren. Wie Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Umweltministerin Priska Hinz (beide Grüne) am Donnerstag mitteilten, wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 45 neue Anlagen genehmigt. Das seien so viele wie im gesamten Jahr 2021 und dreimal so viele wie 2020. Weitere 57 stünden vor der Inbetriebnahme.

Mitte des Jahres waren laut Hinz und Al-Wazir in Hessen damit 1162 Windkraftanlagen in Betrieb. Tatsächlich stehen sogar fast 1300 Rotoren mit einer Gesamthöhe von mindestens 50 Metern im Land, doch jeder zehnte davon dreht sich auch bei ausreichend Wind nicht. Nach Angaben aus dem Umweltministerium sind bei diesen Windrädern zumeist die Betriebs- und Laufzeiten abgelaufen.

Neue Stellen beim Verwaltungsgerichtshof

Nach wie vor gebe es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen um den Ausbau der erneuerbaren Energie. „Immer noch wird leider ein Großteil der Windenergieprojekte in Hessen beklagt“, sagte Wirtschaftsminister Al-Wazir. Zur Jahresmitte liefen gegen 74 bereits genehmigte Anlagen solche Klageverfahren. Um dort schneller zu Entscheidungen und damit einem möglichen Bau der Rotoren zu kommen, würden am Hessischen Verwaltungsgerichtshof neue Stellen eingerichtet.

Umweltministerin Hinz wies darauf hin, dass auch den Genehmigungs- und Naturschutzbehörden in den Regierungspräsidien dieses Jahr bereits zehn neue Stellen zugewiesen worden seien. „Außerdem haben wir Abläufe standardisiert und die Schulung des Personals intensiviert, um die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.“

Lange Verfahren

Etwa zehn Monate dauert es, bis eine Windkraftanlage nach der Antragstellung genehmigt wird. Bis zur Inbetriebnahme vergeht im Durchschnitt ein weiteres Jahr. Das geht aus einer Antwort des Hessischen Umweltministeriums auf eine Anfrage aus dem Landtag hervor.

Der Bundesverband Windenergie geht davon aus, dass von der Planung bis zur Genehmigung insgesamt rund vier bis fünf Jahre verstreichen. pgh

Dennoch schöpfe das Land sein Potenzial nicht aus, sagte Al-Wazir. „Hessen hat rund zwei Prozent der Landesfläche für Windenergieanlagen reserviert“, so der Minister. Damit erfülle Hessen bereits heute die Vorgabe der Bundesregierung für das Jahr 2027. Jetzt gehe es darum, diese Flächen auch zügig zu bebauen. Das neue hessische Energiegesetz werde deshalb festschreiben, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien im öffentlichen Interesse liege und der öffentlichen Sicherheit diene.

Windräder werden immer größer

Die meisten Windkraftanlagen sind in Nord- und in Osthessen zu finden. So standen zum Stichtag 30. März dieses Jahres im Landkreis Kassel 149 Rotoren, im Landkreis Waldeck-Frankenberg 188, im Main-Kinzig-Kreis (vor allem in dessen östlichem Teil) 115 und im Vogelsbergkreis sogar 296.

Die neuen Windräder sollen deutlich größer werden als die meisten der bisher gebauten. Aktuell liegt die durchschnittliche Nabenhöhe eines Rotors bei 111 Metern. Bei den Anlagen, die nun kurz vor einer Inbetriebnahme stehen, sind es in der Regel 160 Meter.

Siehe „Den Wald nicht für die Windkraft opfern“

Auch interessant

Kommentare