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Der Radverkehr in Frankfurt hat sich von 2010 bis heute mehr als verdoppelt.
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Der Radverkehr in Frankfurt hat sich von 2010 bis heute mehr als verdoppelt.

Verkehr in Hessen

Land prüft Radschnellwege

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Um den Radverkehr in Hessen zu fördern, gibt das Land eine Studie für Radschnellwege in Auftrag. Die Stadt Basel in der Schweiz liefert weitere Ideen bei einem Nahmobilitätskongress.

Das Land gibt eine Korridorstudie für Radschnellwege in Hessen in Auftrag. Damit werde geprüft, wo überall Radschnellwege gebaut werden können, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag beim Nahmobilitätskongress in Frankfurt. „Bis Frühjahr 2019 sollen Ergebnisse vorliegen.“

Im Landesbericht „Hessenstrategie Mobilität 2035“ steht, welche Gegenden sich dafür eigneten: Das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt, Wiesbaden, Hanau, außerdem Darmstadt und Heppenheim; die Gegend um Marburg, Gießen, Wetzlar sowie der Raum Kassel.

„Allzu lange ist das Fahrrad von der Verkehrspolitik als reines Freizeitvergnügen betrachtet worden“, sagte Al-Wazir. Dabei nutzten es viele auch auf dem Weg zur Arbeit.

Der Bau des ersten hessischen Radschnellwegs zwischen Frankfurt und Darmstadt soll in diesem Jahr beginnen und 2022 abgeschlossen sein. Weitere Radschnellwege sind geplant, von Frankfurt ausgehend nach Hanau, in den Vordertaunus, zum Flughafen. Machbarkeitsstudien laufen für Routen in Nordhessen von Kassel nach Baunatal und nach Helsa und Vellmar. Zudem werden Routen in angrenzende Bundesländer geprüft: von Darmstadt nach Mannheim und Heidelberg sowie zwischen Mainz und Wiesbaden.

„Wir haben den Anspruch, dass Hessen Vorreiter der Verkehrswende ist“, sagte Al-Wazir. Das Land fördere kommunale Projekte im „NahmobilitätsCheck“ mit 5,5 Millionen Euro pro Jahr; zusätzlich mit acht Millionen Euro pro Jahr für kommunale Fahrrad- und Fußwege-Infrastruktur.

Der Gastredner bei dem Kongress vor rund 300 Fachbesuchern im House of Logistics and Mobility (Holm) war der Schweizer Verkehrsfachmann Hans-Peter Wessels von der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Er steht dem Bau- und Verkehrsdezernat des Kantons Basel-Stadt vor.

In Basel-Stadt mit rund 200 000 Einwohnern legten rund 40 Prozent der Menschen ihre Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurück. Der Anteil der Radfahrer wachse jedes Jahr „um vier bis fünf Prozent“, sagte Wessels. Um die Nahmobilität zu fördern, flössen jedes Jahr rund drei Millionen Euro, die mit der Bewirtschaftung des Parkraumes eingenommen würden, in den Ausbau der Infrastruktur für Fuß- und Radverkehr.

Ein Pilotversuch zum legalen Rechtsabbiegen von Radfahrern an der roten Ampel habe Basel-Stadt jüngst durchgeführt. Unfälle habe es keine gegeben. Nun werde geprüft, das Rechtsabbiegen an roten Ampeln für Radfahrer an weiteren Stellen zu legalisieren. Ein weiterer Pilotversuch, einen Fußgängerweg für Radfahrer befahrbar zu machen, sei ebenfalls ohne Zwischenfälle verlaufen. „Manchmal lohnt es sich, über die Normen hinwegzusehen und den gesunden Menschenverstand zu benutzen“, sagte Wessels.

Im Dreiländereck mit Frankreich und Deutschland habe Basel-Stadt zuletzt Straßenbahnlinien nach Weil am Rhein und Saint-Louis Gare gebaut. „Die werden stark frequentiert.“ In Basel-Stadt gelte mittlerweile – bis auf die Hauptverkehrsachsen – „fast flächendeckend Tempo 30“. Bei Anwohnern seien Spielstraßen mit Tempo 20 beliebt. Die Anwohner müssten sich mit dem Wunsch nach Einrichtung einer Spielstraße an den Kanton wenden; wenn 60 Prozent der Anwohner per Unterschrift zustimmten, mache der Kanton Gestaltungsvorschläge. Die Umsetzung dieser „Begegnungszonen mit Fußgängervorrang“ dauere zwei bis drei Jahre.

„In der kantonalen Verfassung steht, dass öffentlicher Verkehr Vorrang vor Individualverkehr hat“, sagte Wessels. Parkplätze für Autos würden zumeist unterirdisch gebaut; die Stadt fördere gemeinsam mit der Handwerkskammer den Einsatz von Lastenrädern statt Lieferwagen.

Ein Auto brauche rund 13,50 Quadratmeter Platz, Fußgänger und Radfahrer deutlich weniger. „Wenn der Verkehr rollen soll, ist man gezwungen, auf öffentlichen Verkehr und Radverkehr zu setzen, sagte Wessels, der selbst kein Auto fährt. „Das ist nichts Ungewöhnliches.“ In Basel-Stadt hätten rund die Hälfte der Haushalte kein eigenes Fahrzeug.

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