Verkehr

Land lehnt Busspur auf der A66 ab

  • vonDennis Pfeifer-Goldmann
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Das Ministerium verwirft den Vorschlag für eine saubere Pendler-Alternative in Frankfurt.

Ein neuer Schnellbus ins Umland soll helfen, den Verkehr in einem der vollsten und dreckigsten Straßenabschnitte Frankfurts zu reduzieren: Im Erlenbruch. Die Idee der Stadt wird nun wirklich umgesetzt. Doch ausgerechnet das Land, obschon zuständig für die Luftreinhaltung, torpediert das Vorhaben: Es will die Expressbusse ausbremsen.

Die Autopendler hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) als eine der Ursachen für viel Verkehr und viele Abgase in der Stadt ausgemacht. In der zweispurigen Straße Im Erlenbruch, die das Autobahnende der A66 in Bergen-Enkheim mit Ratsweg und Innenstadt verbindet, stauen sich morgens und nachmittags Autos und Lastwagen dicht an dicht. Hier droht, womöglich schon ab Januar, eines der abschnittsweisen Dieselfahrverbote in der Stadt.

Aber Abhilfe ist in Sicht: Vorarbeiten für den Bau des Riederwaldtunnels unter der Straße laufen bereits. Und für die nordmainische S-Bahn, die das östliche Umland mit der City verknüpfen soll, laufen die Genehmigungsverfahren. Beides wird jedoch erst in rund zehn Jahren fertig. Um den Erlenbruch schneller zu entlasten, hat Klaus Oesterling vorgeschlagen, Expressbusse aus dem Umland zur U-Bahn-Station Enkheim fahren zu lassen.

Hochattraktiver Expressbus

Ab Dezember 2021 soll auch tatsächlich der Expressbus rollen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund schreibt gerade den Betrieb aus. Die neue Linie X94 soll an Wochentagen von 6.30 bis 22.30 Uhr stündlich von Erlensee via Bruchköbel nach Enkheim fahren. Von Rückingen bis zur U-Bahn-Station soll der Bus bloß 30 Minuten benötigen – hoch attraktiv schnell.

Dafür soll der Bus über die A66 fahren. Dort aber dürfte der Fahrplan morgens in der Rush-hour kaum zu halten sein. Häufig staut sich der Verkehr vor dem Autobahnende. Deshalb hatte Klaus Oesterling von Anfang an gefordert, dass auf der Autobahn eine Busspur markiert werden solle.

Allerdings lehnt das Verkehrsministerium von Tarek Al-Wazir (Grüne) die Busspur auf der A66 ab. Dafür könne nur ein Seitenstreifen temporär freigegeben werden, doch sei „im stauanfälligen Abschnitt gar kein Seitenstreifen vorhanden“, sagt Ministeriumssprecher Wolfgang Harms. Man müsse ihn daher 600 Meter lang neu bauen, was „günstigstenfalls vier bis fünf Jahre“ dauere. Da der A66-Ausbau aber recht bald darauf auch fertig werde, „stünde dieser hohe wirtschaftliche Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zu der kurzen Nutzungsdauer des Fahrstreifens“, erklärt der Sprecher.

Übergangslösung gesucht

Tatsächlich fehlt nur auf den letzten rund 300 Metern der Platz für eine separate Spur. Hier ist die Abfahrt zweispurig. Eine temporäre Busspur sei nur erlaubt, wenn dadurch der gesamte Verkehr „verstetigt“ würde, der Individualverkehr „nicht unverhältnismäßig benachteiligt“ und die Verkehrssicherheit nicht erheblich beeinträchtigt werde, erläutert Harms. Um die Spur ohne Ummarkierung zu nutzen, müsste eine „dynamische Verkehrsbeeinflussungsanlage“ installiert werden, sagt Harms. Das würde „einschließlich der Planung mehrere Jahre dauern“.

„Ein bisschen stark konstruiert“ wirke die Begründung, findet Klaus Oesterling. Schließlich gehe es darum abzuwägen, ob man den Stau in der Stadt oder auf der Autobahn haben wolle.

Im Sinn der Luftreinhaltung in der Stadt sei die Antwort eindeutig. Daran müsse ja auch das Land ein Interesse haben, mahnt der Dezernent. Erst vor einigen Tagen hatte das Land der Stadt mangelndes Mitwirken beim Verbessern der Luftqualität vorgeworfen.

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