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Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren will, braucht gute und schnelle Radwege.

Verkehr

Land Hessen soll Schnellradwege bauen

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Heute Anhörung zum FDP-Gesetzentwurf im Landtag. Die Stadt Wiesbaden wehrt sich gegen eine Zentralisierung.

Jede und jeder Fünfte in Hessen nutzt das Fahrrad für den Weg zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte. Das sind weniger als in anderen Bundesländern. Zusätzliche 31 Prozent würden umsteigen, wenn es eine Radschnellverbindung gäbe. Ein eindeutiger Auftrag an die Politik.

Die Zahlen stammen vom „Fahrrad-Monitor Hessen 2019“, einer regionalen Umfrage. In einer Anhörung am heutigen Mittwoch diskutiert der Landtag mit Experten darüber, wie der Ausbau der Netzes beschleunigt werden kann. Anlass ist ein FDP-Gesetzesentwurf mit dem Ziel, dass das Land selbst tätig werden kann. Derzeit hilft Hessen den Gemeinden nur finanziell und baut im Einzelfall entlang von Bundes- und Landesstraßen.

Projekte Hessenweit wurde ein Potenzial von 42 Korridoren für Radschnellverbindungen ermittelt. Die maximale Streckenentfernung beträgt 30 Kilometer.

Die Verbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt ist im Bau. Zwischen Kassel und Vellmar wird konkret geplant, für andere Projekte werden derzeit Machbarkeitsstudien erstellt. 

www.nahmobil-hessen.de

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) begrüßt den FDP-Vorschlag: „Bisher müssen sich die beteiligten Kommunen untereinander einigen“, heißt es in der Stellungnahme des Landesverbands. „Kann eine Kommune trotz hoher Förderung ihren Eigenanteil nicht finanzieren, kann das gesamte Projekt platzen.“ Der Landkreistag mahnt an, die Latte nicht zu hoch zu legen. Nicht immer könne die Mindestzahl von 2000 Fahrradfahrten pro Tag erreicht werden. „Daher sollte darüber nachgedacht werden, für ländliche Räume angepasste Anforderungen aufzustellen.“

Der Landkreis Kassel hingegen fände es gut, wenn das Land die Finanzierung übernähme, bei der Planung und Umsetzung jedoch die Belange vor Ort berücksichtigte. Auch Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) lehnt in seiner Stellungnahme eine Zentralisierung ab. Radschnellwege seien ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Verkehrsplanung. „Die Kenntnis der Örtlichkeiten und die Kenntnis von Flächenverfügbarkeiten ist ein entscheidender Faktor für die zügige Umsetzung von Radschnellwegen.“

Fest steht: Das umweltfreundliche Verkehrsmittel gewinnt an Bedeutung: „Für eine erfolgreiche Verkehrswende brauchen wir gute Bedingungen fürs Fahrradfahren“, sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) anlässlich der Veröffentlichung des „Fahrrad-Monitors“. Erstmals liege damit eine regionale und repräsentative Umfrage zum Thema in Hessen vor. Das Land will den Regionen und Städten die Informationen kostenlos zur Verfügung stellen, um eine gezielte Stärkung und Förderung des Radverkehrs auf lokaler Ebene zu unterstützen.

Die landesweiten Ergebnisse zeigen, dass Hessen sich auf gutem Weg befindet, aber noch viel zu tun ist: Lediglich 17 Prozent der Radfahrenden haben schon einmal bewusst einen „Hessischen Radfernweg“ genutzt. Zum Navigieren nutzen 62 Prozent Google Maps und nur 13 Prozent den landeseigenen Radroutenplaner. Die Onlinebefragung ergab übrigens auch, dass mit 51 Prozent überdurchschnittlich viele Radelnde zum Schutz immer einen Helm tragen. Bundesweit liegt die Helmnutzung bei 38 Prozent.

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