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Kleines Schild, große Wirkung.

Verkehr

Lärmschutz durch Tempo 30

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Die Ergebnisse des Modellversuchs „Tempo 30 bei Nacht“ in Frankfurt liegen vor. Sie sind eindeutig.

Ein nächtliches Tempolimit senkt die gefahrene Geschwindigkeit, die Lärmbelästigung geht zurück, was die Anwohner positiv bewerten. Das sind Ergebnisse des Modellversuchs „Tempo 30 bei Nacht“ an vier Frankfurter Hauptstraßen.

Den Abschlussbericht hat das Frankfurter Verkehrsdezernat am Montagnachmittag veröffentlicht. Darin heißt es, dass die gefahrenen Geschwindigkeiten an den Versuchsstrecken zwischen 22 und 6 Uhr um bis zu 14 Stundenkilometer zurückgegangen seien. Vor allem die hohen Geschwindigkeiten hätten abgenommen. Mit Kontrollen seien die Autofahrer langsamer gefahren als ohne Kontrollen.

Erfasst wurde auch der Verkehrslärm. Er ging den Messungen zufolge von 63 bis 64 Dezibel (bei Tempo 50) auf 58 bis 61 Dezibel (bei Tempo 30 mit Kontrollen) zurück.

„Die Pegelminderungen sind deutlich wahrnehmbar und leisten einen wichtigen Beitrag zur Lärmminderung an den Versuchsstrecken“, heißt es in dem Bericht, den das Büro LK Argus im Auftrag der Stadt erstellt hat.

Die Befragung der Anwohner ergab positive Rückmeldungen. 60 Prozent der Anwohner nahmen eine Verbesserung der Geräuschsituation infolge des Tempolimits wahr, weitere 25 Prozent eine deutliche Verbesserung. Die wahrgenommene Lautstärke an den Straßen habe sich um rund ein Drittel vermindert.

Dementsprechend hielten drei Viertel der Anwohner ein dauerhaftes Tempolimit für sinnvoll, zwei Drittel sogar für sehr sinnvoll. 414 Befragte hatten sich beteiligt, das sind elf Prozent der Anwohner an den Versuchsstraßen. Am häufigsten haben sich Anwohner am Mainkai für eine dauerhafte Anordnung des Limits ausgesprochen.

Die Zahl der Fahrzeuge ging in der Zeit, als das Tempolimit galt, nicht zurück. Auch suchten sich die Verkehrsteilnehmer laut Bericht keine Schleichwege, um die Versuchsstrecke zu umfahren.

Die Reisezeit blieb bei Tempo 30 und Tempo 50 annähernd gleich, hätten Messfahrten ergeben. Den wesentlichen Einfluss auf die Reisezeit hätten die Ampelschaltungen. Eine Koordinierung der Ampeln – Stichwort Grüne Welle – wurde empfohlen.

Die Befragung von Verkehrsteilnehmern ergab, dass sich 54 Prozent der Fahrer von Tempo 30 beeinträchtigt gefühlt haben, weitere zwölf Prozent stark beeinträchtigt.

Erfasst wurde die Antworten von 197 Personen, das sind zwei Prozent der Verkehrsteilnehmer, die pro Nacht auf den Versuchsstraßen unterwegs waren. Von ihnen bewertete wiederum ein Viertel Tempo 30 als angemessen zur Lärmreduzierung.

Zusammenfassend heißt es: „Die Ergebnisse des Verkehrsversuchs weisen Tempo 30 nachts als geeignete Maßnahme zur Lärmminderung aus, die mit einer Reduzierung des Schallpegels um etwa drei Dezibel einen wichtigen Baustein – neben weiteren erforderlichen Maßnahmen – zur Entlastung des Anwohnerinnen und Anwohner an Hauptverkehrsstraßen in Frankfurt am Main darstellt.“

Der Abschlussbericht bestätigt damit die Zwischenergebnisse aus dem Sommer des vergangenen Jahres.

Der Verkehrsversuch „Tempo 30 bei Nacht“ lief von Sommer 2015 bis Ende 2016. Er erstreckte sich auf Nibelungenallee/Rothschildallee, Eschersheimer Landstraße, Lange Straße sowie Untermainkai/Mainkai/Schöne Aussicht. Dort galt zwischen 22 und 6 Uhr das Tempolimit.

Der hessische Verkehrsminister Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) begrüßte die Ergebnisse des nächtlichen Modellversuchs: „Der Frankfurter Versuch hat gezeigt, dass eine nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde den Schallpegel wirksam reduziert – und zwar so wirksam, wie es die maßgeblichen Richtlinien des Bundes für solche Maßnahmen verlangen“, sagte er. Verkehrslärm schade der Gesundheit, das sei unbestritten.

Autofahrer brauchten für die geschwindigkeitsbeschränkten Abschnitte kaum länger als vorher, Verkehrsverlagerungen in andere Straßen seien ausgeblieben. „Der regulären Anordnung von Tempo 30 nachts stehen keine zwingenden rechtlichen Hindernisse im Weg.“

Die Landesregierung würde eine solche Entscheidung der Stadt Frankfurt zur Entlastung der Anwohner respektieren. „Es ist allerdings klar, dass die Entscheidung vor Ort getroffen wird“, so Al-Wazir.

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