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Ladestation für jede Kommune

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Von: Andreas Groth

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Auch E-Autos müssen tanken. Ovag will im Wetteraukreis, dem Vogelsbergkreis und dem Landkreis Gießen ein flächendeckendes Netz für öffentliche Elektroladesäulen schaffen. (Symbolfoto)
Auch E-Autos müssen tanken. Ovag will im Wetteraukreis, dem Vogelsbergkreis und dem Landkreis Gießen ein flächendeckendes Netz für öffentliche Elektroladesäulen schaffen. (Symbolfoto) © Andreas Arnold

Ovag Energie möchte beim Ausbau der Elektromobilität Vorreiter sein. Das Unternehmen will im Wetteraukreis, dem Vogelsbergkreis und Landkreis Gießen ein flächendeckendes Netz für Elektroladesäulen schaffen.

„Als Vorreiter der Energiewende liegt uns der Ausbau der Elektromobilität am Herzen“, sagt Holger Ruppel, Vertriebsleiter der Ovag Energie AG. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Oberhessischen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft. Das Prädikat „Vorreiter der Energiewende“ bekam es Anfang 2013 von der Deutschen Umwelthilfe verliehen. Um ihm weiter gerecht zu werden, hat sich Ovag Energie für nächstes Jahr ein Ziel gesetzt: Das Unternehmen will im Wetteraukreis, dem Vogelsbergkreis und dem Landkreis Gießen ein flächendeckendes Netz für öffentliche Elektroladesäulen schaffen.

Rund 60 Stück sollen aufgestellt werden, in jeder Kommune des Grundversorgungsgebiets eine. Der Strom, der aus den Säulen in die E-Autos fließt, wird nach Angaben der Ovag zu 100 Prozent aus Wasserkraft gewonnen. Es werden nicht die ersten Säulen sein. Den Anfang machte der Energieversorger 2011 in Karben, es folgten Friedberg, Gießen, Nidda und Alsfeld.

Mit der aktuellen Aktion macht Ovag Energie den Kommunen ein verlockendes Angebot: Die Kosten für Anschaffung, Betrieb und Wartung der Ladesäulen trägt das Unternehmen. „Nur die Stellfläche für die Ladesäule sowie zwei Parkplätze müsste die Kommune vertraglich unentgeltlich zur Verfügung stellen“, sagt Thorsten Hankel vom Ovag-Vertrieb.

Das ist möglich, weil das Land das Projekt fördert. In welcher Höhe, will weder die Hessen-Agentur, die die Förderung der Elektromobilität durch das Land koordiniert, noch die Ovag Energie AG sagen. Im Internet teilt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes lediglich mit, dass es einen „anteiligen Zuschuss zu den zuwendungsfähigen Projektausgaben von bis zu 50 Prozent“ gebe. Pro Säule rechnet Hankel mit einer Investition von rund 20 000 Euro inklusive Erdarbeiten und Netzanschluss.

Die Mittelhessische Energiegenossenschaft (MiEG), die 2011 unter anderem von Energieberatern, Bürgermeistern, Naturschutzverbänden und Gewerbetreibenden gegründet wurde, kritisiert die Pläne des kommunalen Unternehmens. Sie hinterfragt unter anderem das europaweite Ladenetzwerk „Plugsurfing“, dem die Ovag-Ladesäulen angehören. Bereits mehr als 50 000 Ladepunkte seien in dieses Netzwerk integriert, berichtet die Marketingchefin von Ovag Energie, Britta Adolph.

Für die MiEG handelt Ovag Energie mit der Teilnahme an dem Netzwerk nicht konsequent. „Dahinter stecken primär Verträge mit der RWE-Tochter Innogy, Vattenfall und weiteren Institutionen, die auf Atom- und Kohlestrom setzen“, teilt die Genossenschaft mit. Außerdem, sagt Vorstand Diethardt Stamm, habe ihn der Preis für eine Kilowattstunde verwundert: An den Ovag-Energie-Säulen würden 36 Cent fällig – „24 Prozent mehr, als der Strom für jedermann an der Steckdose kostet“.

Wolle die Ovag E-Mobilität voranbringen, müsse sie als Einstieg ihren Ladestrompreis nicht um 24 Prozent über den Steckdosenpreis legen, sondern um diesen Prozentsatz darunter, sagt Stamm. Dies könne  womöglich einen positiven Effekt auf die bisher bescheidenen Nutzerzahlen haben. Wie durchwachsen diese sind, zeigt ein Blick nach Friedberg: An der Ladesäule auf dem Goetheplatz dockte vom 5. November bis 5. Dezember 29-mal ein Fahrzeug an, um Strom zu tanken. Am Karbener Hallenbad waren es im selben Zeitraum fünf Ladevorgänge.

Dass Ovag Energie nun Dutzende weiterer Ladesäulen aufstellen möchte, passt für die MiEG nicht ins Bild. Das sei aufgrund der Landesförderung eine Verschwendung von Steuergeld, meint Stamm. Und wegen der zu erwartenden Verluste komme eine „ungerechtfertigte Minderung der Gewinnausschüttungen an die Landkreise als Ovag-Eigner“ noch obendrauf.

Die Ovag Energie AG verfolgt eine andere Logik. Wenn die neuen Ladesäulen zunächst nicht angenommen würden, sei das nicht so wichtig. Mit dem Projekt wolle man einen „Leuchtturmeffekt“ schaffen, sagt Vertriebsleiter Ruppel. Allein die Existenz der Säulen erhöhe die Akzeptanz bei der Bevölkerung.

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