Die Architektenzeichnung zeigt die Kurhaus-Fenster. Vorlage ist eine alte Fotografie aus dem Stadtarchiv.
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Die Architektenzeichnung zeigt die Kurhaus-Fenster. Vorlage ist eine alte Fotografie aus dem Stadtarchiv.

Bad Vilbel

Kurhaus-Fenster wie anno 1920

  • vonHolger Pegelow
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Auf der größten Baustelle der Stadt Bad Vilbel wird zurzeit kräftig gewerkelt.

Auf Bad Vilbels größter Baustelle werden derzeit die neue Stadthalle gebaut und das Kurhaus komplett saniert. Die neue Veranstaltungshalle der Stadt ist schon mächtig in die Höhe gewachsen, und bald soll alles gefälliger aussehen: Die neuen Fassadenplatten, die auf die Wärmedämmung gehängt werden sollen, sind in dieser Woche ausgesucht worden.

Und die Bad Vilbeler Stadtwerke, Bauherrin für beide Gebäude, hat zudem bereits entschieden, was für Fenster das für die Bad Vilbeler so wichtige und mit vielen Emotionen verbundene ehemalige Volkshaus erhalten soll. Die ersten Exemplare, zur Kurparkseite hin, wurden bereits montiert: „Eine Maßanfertigung“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Minkel.

Auffällig bei den hohen Fenstern ist der Mix aus senkrechten und waagerechten Bereichen. „Auf einem ganz alten Foto, das Herr Kunzmann im Stadtarchiv gefunden hat, sehen die Fenster genauso aus.“ Sie hätten dem Stil der 1920er Jahre entsprochen. „Genau so wollten wir die Fenster des restaurierten Kurhauses wiederherstellen“, sagt Minkel.

Das Projekt

Die neue Bad Vilbeler Stadthalle, die Sanierung des Kurhauses und die Verbindung beider Gebäude mittels Orangerie ist eine Idee des Stuttgarter Architektenbüros Vielmo. Es hatte sich mit sieben weiteren Büros und Architekten beworben. Sowohl die Stadtverordneten als auch die Bürger konnten sich ein Bild von den Entwürfen machen.

Die Entscheidung fiel im Parlament. Auch die SPD-Opposition stimmte zu. Das denkmalgeschützte Kurhaus werde behutsam saniert und die historische Bedeutung der Architektur des ehemaligen Volkshauses angemessen berücksichtigt. Das Kurhaus werde nicht zum Foyer der neuen Stadthalle degradiert und behalte seinen eigenständigen Charakter.

Auf einer Architekturzeichnung sind die besonderen Fenster gut zu erkennen. Es gibt sechs solcher hohen Fenster für den großen Saal, links und rechts daneben jeweils drei deutlich kleinere, fast quadratisch wirkende Fenster mit vier gleich großen Scheiben. Im Erdgeschoss sehen die Fenster anders aus, einige davon sind schon eingebaut. Sie bestehen aus zwölf gleich großen rechteckigen Scheiben. Die Größe der Fenster mit Metallstreben reicht von 1,15 mal 5,40 Metern bis zu 4,40 mal 2,40 Metern.

Eine Firma aus Schöneck-Kilianstädten hat die Fenster zwar nach der alten Fotografie, aber nach heutigem technischen Standard angefertigt, so Minkel. Sprich: Doppelverglasung und lange Haltbarkeit. Die Kosten schlagen mit mindestens 433 000 Euro dafür zu Buche.

Auch an anderen Stellen in dem ehemaligen Volkshaus wird kräftig gewerkelt. Alles ist entkernt, mancher Holzbalken freigelegt worden. Auch die Deckenmalereien im großen Saal sind gut zu erkennen. Dabei handelt es sich um die sogenannte Rabitz-Decke - laut Geschäftsführer Minkel eigentlich ein Fake.

Normalerweise werde eine solche Decke so konstruiert, dass sich das Gewölbe von selbst trägt. Da das hier aber nicht massiv sei, hänge die Decke an mehr als 1000 Eisenstäben. Diese Konstruktion des ehemaligen Berliner Baumeisters müsse die Stadt erhalten, nennt Minkel eine Auflage des Landesdenkmalamtes. Ursprünglich sollte in die bestehende Decke die Technik eingebaut und dann die Deckenzeichnungen wieder auf die neu eingezogene Zwischendecke aufgebracht werden. „Nun werden wir die Rabitz-Decke zwar erhalten, aber eine Zwischendecke für die Technik einziehen.“ Zuletzt werde die Deckenmalerei also nicht mehr zu sehen sein.

Das Spektakuläre wäre dann verloren in dem großen Saal, der Veranstaltungsraum bleiben soll, und der später auch teilbar sein wird. Ins Erdgeschoss soll das vorübergehend in die Frankfurter Straße umgesiedelte Bürgerbüro wieder einziehen sowie dann auch das Tourismus-Büro der Stadt.

Das sanierte Kurhaus wird mit der neuen großen Veranstaltungshalle verbunden, von der Niddaseite her mittels einer vollverglasten Orangerie, von innen her ebenfalls. Die Wand der früheren Glasveranda des Kurhauses ist für diesen Zweck bereits durchbrochen worden.

Die Sanierung des Kurhauses wird nach Schätzung des Geschäftsführers bis Ende 2021 dauern. Dann erhalten die Vilbeler „ihr“ Kurhaus zurück – für rund 20 Millionen Euro aufwendig restauriert und mit der neuesten Technik ausgestattet.

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