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Kurbad rüstet sich für Energiekrise

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Die Besucherzahlen im Königsteiner Kurbad haben sich nach der langen Corona-Phase gerade wieder normalisiert, da droht mit der Energiekrise bereits der nächste Schlag ins Kontor. Stefan Jung
Die Besucherzahlen im Königsteiner Kurbad haben sich nach der langen Corona-Phase gerade wieder normalisiert, da droht mit der Energiekrise bereits der nächste Schlag ins Kontor. Stefan Jung © Stefan Jung

Licht aus, Temperatur runter - wie die Verantwortlichen sparen wollen

KÖNIGSTEIN - Die wärmende Oktobersonne von oben, der freie Blick auf die Burg von vorn und vom Hals an abwärts 30 Grad warmes Wasser, das es gestattet, auch bei herbstlichen Außentemperaturen die Seele im Badetextil baumeln zu lassen - ja, das Außenbecken des Königsteiner Kurbads hat schon was. Das weiß auch Thomas Rausch nur zu gut. „Es ist ganz ohne Frage unser Alleinstellungsmerkmal und ein Anziehungspunkt für viele unserer Gäste“, unterstreicht der Geschäftsführer der Kur GmbH.

Gäste-Zahl liegt auf Vor-Corona-Niveau

Wenn mit Blick auf die kommenden Monate dennoch ein großes Fragezeichen hinter dem Betrieb des Beckens, ja sogar hinter dem des ganzen Bades steht, dann liegt es nicht an der Gunst des Publikums. Die Besucherzahlen, so Rausch, hätten sich erfreulicherweise wieder auf dem Vor-Corona-Niveau von 2019 eingependelt. Gerade jetzt, da es draußen kühler werde, ziehe es wieder viele ins Warme. Rausch: „Allein am Sonntag hatten wir 709 Besucher im Bad, die Sauna war voll.“ Was dem Kurchef wie auch Prokurist Heiko Sander Kopfzerbrechen bereitet, ist der Blick auf die Energiekrise, die ihre volle Wucht wohl erst in den kalten Herbst- und Wintermonaten entfalten dürfte und das Kurbad massiv treffen könnte.

Schließlich ist der orange-blaue Badetempel aus den 1970er-Jahren alles andere als ein Musterbeispiel für energieeffiziente Bewirtschaftung. Wirklich überraschen sollte das niemanden. Einerseits sind das Haus und die Technik doch arg in die Jahre gekommen. Andererseits müssen Wasser und Räume geheizt werden, die Pumpen laufen und die Saunen Dampf geben.

SANIERUNG

Die Vorbereitungen für die geplante Sanierung des Königsteiner Kurbads laufen. Es gibt mittlerweile vonseiten der Architekten ein 3D-Modell davon, wie das Bad nach einer Sanierung aussehen könne. In nächster Zeit sollen die Planungen dem Aufsichtsrat der Kur GmbH vorgestellt werden.

Bis zum ersten Hammerschlag im Bad bedarf es noch einer ganzen Reihe entscheidender Schritte. Das reicht vom Ja der städtischen Verantwortlichen zu den Planungen, über die Zustimmung von Denkmalschutz und Kreisbauamt bis hin zur Ausschreibung der Bauleistungen und dem Einholen von Fördermitteln, um die Finanzierung sicher zu stellen.

Im Alleingang , darauf hatte Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) in der Vergangenheit bereits hingewiesen, werde die Stadt das Großprojekt kaum stemmen können. Ausgeschrieben ist es mit 18 Millionen Euro. red

Während die Schwitzkabinen am Stromnetz hängen, wird der Rest des Bades mit Gas beheizt. Und das nicht zu knapp. Thomas Rausch beziffert den Gasverbrauch auf rund 30 000 Kilowattstunden (KWH) - am Tag. Zum Vergleich: Das Online-Portal „Check 24“ nennt als Durchschnittswert für den Gasverbrauch in einem Einfamilienhaus 35 000 KWH - im Jahr.

„Von Januar bis Ende August lagen wir bei einem Verbrauch von 3,3 Millionen KWH an Gas“, betont der Kur-Chef. Addiere man die Ausgaben für Gas (zwei Drittel) und Strom (ein Drittel) auf, so komme man in einem normalen Jahr auf Kosten von rund 350 000 Euro. Aber was ist derzeit normal? Dessen sind sich Rausch und Sander bewusst. Entsprechend froh sind sie, dass die vom Bund geplante Gasumlage nun doch nicht kommt. Sie hätte einem Großverbraucher wie dem Kurbad richtig wehgetan. Allerdings ist die Geschäftsführung vorsichtig, was den Blick nach vorn angeht. Rausch: „Wir müssen abwarten, was vom Bund beschlossen wird und wie sich die Energiekrise entwickelt. Aktuell kann wohl niemand sagen, was in einem oder zwei Monaten sein wird.“ Klar sei, dass das, was von oben komme, im Bad umgesetzt werde und wurde. Augenfällig werde das zum Beispiel, wenn es Nacht wird in der Kurstadt. Denn dann ist nur noch die Notbeleuchtung im Einsatz. Der Rest des Hauses bleibt zwischen 22.30 und 16 Uhr unbeleuchtet. Rausch: „Im Sinne der Verkehrssicherungspflicht warten wir, bis alle Gäste weg sind, dann gehen die Lichter aus.“ Die Weihnachtsbeleuchtung werde man sich sparen.

Zudem schaue man im Haus, wo der Energieverbrauch gedrosselt werden könne. Was allerdings nicht immer ganz so einfach sei, wie Heiko Sander betont: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es hier mit einem 45 Jahre alten Haus und der in weiten Teilen noch entsprechenden Technik zu tun haben.“

Das zeige sich in der Schwimmhalle, in der ein Zusammenspiel von Raum- und Wassertemperatur zu berücksichtigen sei, um die Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren und Rutschgefahr und Schimmel zu bannen. Was sich vor allem beim Stromverbrauch mehr als positiv bemerkbar mache, seien die jüngsten Modernisierungen. Das Ersetzen alter Lampen durch LED-Alternativen habe sich längst amortisiert und großen Anteil daran, dass der Stromverbrauch im Vergleich zu den Vorjahren um 10 Prozent gesenkt wurde. Auch der Einbau neuer Öfen in den Saunen zahle sich aus. Sie müssten nicht mehr den ganzen Tag unter Strom stehen, sondern könnten bei schwächerem Besuch ausgeschaltet werden und seien nach dem Wiedereinschalten binnen 10 Minuten auf Betriebstemperatur.

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