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Perfomance der Theatergruppe Antagon auf dem Römerberg Frankfurt.

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Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach: Kunst und Party im Nieselregen

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Trotz schlechten Wetters kommen Tausende zur Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach. So voll wie in den vcrgangenen Jahren ist es aber nicht.

Das Mainufer ist fast verwaist, der Römerberg leer wie selten. Obwohl die Nacht der Museen in Frankfurt und Offenbach, wie Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bereits am frühen Sonntagmorgen mitteilt, immerhin etwa 35 000 Besucher angelockt hat, ist am Samstagabend deutlich weniger los als sonst in der Frankfurter Innenstadt. Die nicht zum Mai passende Kälte und das höchstens mal für ein paar Minuten unterbrochene Dauernieseln lassen wohl die einen lieber zu Hause bleiben – und treiben all die, die ein Ticket gekauft haben, um bis in die Nacht hinein 40 Museen und Galerien in Frankfurt und Offenbach besichtigen zu können, hinein zu Kunst, Geschichte, Wissenschaft, ins Warme und Trockene.

Nur einige Unerschrockene zieht es trotzdem zu den Attraktionen unter freiem Himmel. Vor dem Sachsenhäuser Aufgang zum Eisernen Steg bekommt eine junge Frau einen Kicheranfall, als sie plötzlich sehr bunt und sehr bizarr gekleidete Menschen sieht. Die Dialoge, die die Schauspieler der Theatergruppe „Die dramatische Bühne“ sprechen, sind nicht weniger seltsam. „Hier ist es immer 6 Uhr“, sagt einer. „Aber wie lange schon?“ „Seit 6 Uhr!“ An verschiedenen Stationen führen die Schauspieler eine Theaterversion von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ auf. Die Zuschauer ziehen mit ihnen im leichten Regen mainabwärts.

Immer wieder haben Besucher der Nacht der Museen sich in den vergangenen Jahren über die notorisch riesigen Schlangen vor den beliebtesten Häusern beklagt. Diesmal kommt man fast überall schnell hinein. Und das Wetter ist so eklig, dass einige, die eine längere Schlange vor dem von ihnen eigentlich angestrebten Ausstellungshaus sehen, flugs abdrehen, erst einmal in ein anderes Museum gehen, um es dann später noch einmal zu versuchen.

Mit vier Shuttlebuslinien durch die Nacht.

Ohnehin ist das Angebot an Ausstellungen, Sonderführungen und anderen besonderen Aktionen so groß, dass selbst wer von 19 bis 2 Uhr unterwegs wäre, nur einen Bruchteil des Offerierten sehen könnte. Auch als es langsam dunkel wird, ist die Atmosphäre ziemlich entspannt. Klar wird es etwa in den Gängen im alten Teil des Historischen Museums eng; wenn sich Besucher entgegenkommen, muss man etwas mehr Rücksicht nehmen als an einem gewöhnlichen Tag. Die allermeisten wirken aber ziemlich gelassen, trinken eher ein Bier als drei oder vier, ziehen in kleinen Gruppen umher, zeigen sich gegenseitig ihre Lieblingskunstwerke oder sprechen in der Altstadt über die Frankfurter Stadtgeschichte.

Ein Schiff der Primus-Linie kommt in Höhe des Städel angefahren. Es dient an diesem Abend wie Busse und historische Straßenbahnen als Shuttle für die Besucher, die zwischen den 40 teilnehmenden Museen und Galerien hin- und herfahren wollen. Mit den üblichen Bussen und Straßenbahnen dürfen diese mit ihrem 14 Euro teuren Nacht-der-Museen-Ticket dagegen auch diesmal nicht kostenlos fahren. Am Main gibt es Bratwurst, Steaks und Fischbrötchen zu kaufen. Bands spielen.

Was Nacht der Museen ist und was das am selben Wochenende ausgerichtete Ruderfest, ist hier im Westen des Museumsufers nicht so einfach zu unterscheiden. Das Publikum mischt sich ohnehin. Auf dem Holbeinsteg bleiben viele, die es ans Museumsufer zieht, stehen. Hören der Band zu, die auf einer größeren Bühne Hits von früher spielt, „Footloose“, dann „Take on me“. Vor der Bühne ist es relativ voll. Menschen singen, klatschen, tanzen.

Trotz Tizian-Ausstellung ist man am Abend erstaunlich schnell im Städel. Das kann auch einer guten Organisation zu verdanken sein. Klar ist es voll im Kunstmuseum. Schon auf dem Weg durch die Dauerausstellung zur Sonderschau braucht man etwas Geduld. Viele Jüngere sind gekommen, auch Kinder sind noch unter den Besuchern. Selbst die Tizians in der Tizian-Ausstellung können die Besucher trotz der Museumsnacht in Ruhe und ohne Drängelei betrachten. Zwei junge Frauen betrachten das Bildnis der kleinen Clarice Strozzi, sprechen über die Symbolik des Gemäldes. Ein Vater fragt seinen Sohn: „Bei dem Bild da vorne, geradeaus: Wo siehst du da die Besonderheit?“

Noch entspannter geht es nebenan im Liebieghaus zu. Dabei zeigt die Skulpturensammlung eine bedeutende, viel besprochene Ausstellung. In „White Wedding“ sind die Elfenbeinschätze des Sammlers Reiner Winkler zu sehen. In der Dauerausstellung ist es angenehm ruhig. Besucher gehen enspannt zwischen römischen Skulpturen umher. Ein Museumsführer erläutert die Kunstwerke. In der Sonderausstellung ist es voller. Aber auch hier bleibt viel Muße, um sich etwa die sehr ungewöhnliche Figur der reitenden Furie anzusehen.

Nach kurzem Weg durch den auch abends sehr schönen Garten des Hauses rauscht ein Shuttlebus herbei – bereit, Besucher zum nächsten Museum zu fahren, etwa zu einer der Partys, die dort steigen. Die Nacht hat gerade erst begonnen.

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