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Wer will kann sich mit dem Oldtimer fahren lassen.

Kultur

Kunst und Oldtimer in Wiesbaden

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Tausende Besucher kommen zur Kurzen Nacht der Galerien und Museen.

Schon zu Beginn der „Kurzen Nacht der Galerien und Museen“ stehen Besucher an einem der fünf Haltestellen des „Rollenden Museums“ Schlange. Schließlich gibt es sonst kaum einmal die Gelegenheit, die Oldtimer nicht nur zu bewundern, sondern selbst mitzufahren. 100 Oldtimer-Fahrer sind an dem Abend als kostenfreier Shuttle-Service unterwegs und beantworten ihren Passagieren zahlreiche Fragen zu ihrem rollenden Kulturgut. „Das ist ein Publikumsmagnet“, sagt der Kunstexperte und Veranstalter Erhard Witzel. Bei den Oldtimer-Besitzern sei die Kurze Nacht ebenfalls beliebt, berichtet er. Es würden gern mehr als 100 teilnehmen, doch das gehe wegen der Zahl der Standplätze und des reibungslosen Ablaufs nicht.

Im Auftrag der Interessengemeinschaft der Wiesbadener Galerien organisiert Erhard Witzel die Veranstaltung bereits zum 19. Mal. An insgesamt 26 Orten gibt es Kunst zu sehen. Vier davon sind erstmals dabei, wie etwa der Hospizverein Auxilium, der Karikaturen zu den Themen Sterben, Tod und Trauer ausstellt. Volker Oehl und Jana Krupenina aus Wiesbaden besuchen die Kurze Nacht zum zweiten Mal. „Für uns markiert sie den Frühlingsanfang“, sagen sie. Nach dem Rundgang wollen sie noch Freunde treffen, die mit ihrem Oldtimer mitmachen. Wegen des „Rollenden Museums“ ist die Veranstaltung auch vom März in den April verlegt worden. „Die Kurze Nacht heißt so, weil wir sie ursprünglich in der Nacht der Zeitumstellung auf die Sommerzeit veranstaltet haben“, sagt die Galeristin Christine Rother-Ulrich. Die Saisonkennzeichen der Oldtimer gelten aber meist erst ab April.

Die Kunstexpertin nimmt schon seit Anfang an teil. „Die Veranstaltung senkt die Hemmschwelle, eine Galerie zu besuchen und es wird mehr über uns gesprochen“, hat Christine Rother-Ulrich festgestellt. Sie zeigt in der Galerie Rother Winter aktuell „Kristallwelten“ mit 18 Gemälden von Bernd Zimmer, der Anfang der 1980er als einer der „Neuen Wilden“ bekannt wurde. Die Ausstellung zu Ehren seines 70. Geburtstags war zuvor in der Neuen Galerie in Kassel zu sehen und tourt nach der Schau in Wiesbaden weiter durch Deutschland.

Das Bild „Midi (Himmel)“ spricht Anke und Andreas Fay besonders an. „Wir überlegen, uns entweder ein Bild fürs Wohnzimmer oder einen Oldtimer zu kaufen“, erzählt er. Das Paar besucht die Kurze Nacht schon im vierten Jahr und hat an dem Abend noch viel vor. Ins Museum, in die Lumas Editionsgalerie und den Nassauischen Kunstverein wollen sie – wie auch in die kleine Galerie an der Nerostraße, in der sie voriges Jahr japanische Kunstwerke sahen. Doch diese Galerie existiert nicht mehr, dort ist inzwischen eine Boutique eingezogen. „Die sehr pulsierende Galerieszene Wiesbadens ist etwas abgebröckelt“, bedauert Erhard Witzel. Das Galeriensterben sei jedoch ein weltweites Problem. Seine eigene, überregional bekannte Wiesbadener Galerie schloss Witzel 2015, als er in den Ruhestand ging und keinen Nachfolger fand.

An der Nerostraße hat seit etwa zwei Jahren der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Wiesbaden seinen Sitz und einen Ausstellungsraum. Dort beantwortet die Künstlerin Tine Kaiser gerade Besuchern einige Fragen zu einer ihrer großformatigen Zeichnungen. „Es herrscht viel Publikumsverkehr, das ist wunderbar“, freut sie sich. Der BBK will die ortsansässigen Künstlerinnen und Künstler mehr ins Bewusstsein der Wiesbadener rücken. Dreimal im Jahr veranstaltet der Verband Ausstellungen, doch nun droht ihm die Kündigung seitens des Vermieters.

Der Künstler Paul Hirsch aus Weiterstadt stellt seine Kinetischen Holzskulpturen bei Kunst-Schäfer aus. Die Kurze Nacht bezeichnet er als schöne Möglichkeit, sich als Künstler zu präsentieren. „Die Leute trauen sich sonst nicht so in die Galerien“, weiß er. Mit zwei Bekannten macht er selbst einen Rundgang. „Bei dieser Veranstaltung kann man sich unbefangener in einer Galerie umschauen“, findet seine Begleiterin Gudrun Aßmann aus Griesheim.

Die Scheu vieler Menschen, im Alltag eine Galerie zu betreten, kennt Erhard Witzel nur zu gut. „Sie haben immer die Sorge, sie müssten etwas kaufen oder wollen den Galeristen nicht die Zeit stehlen.“ Doch diese Ängste müssen sie gar nicht haben, auch das will die Veranstaltung zeigen.

Der Termin für die nächste Kurze Nacht der Galerien und Museen steht bereits fest: Am Samstag, 18. April 2020, werde 20-Jähriges gefeiert, kündigt Witzel an. „Da lassen wir es krachen.“

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