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Frau ohne Oberleib: Skulptur von Charlotte Gyllenhammar.

Blickachsen

Skulpturenschau Blickachsen im Rhein-Main-Gebiet 

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Die zwölfte Auflage  soll wieder Hunderttausende anlocken. Zu sehen ist die Skulpturenschau an sechs Orten im Rhein-Main-Gebiet.

Begeistert hat eine Kindergartengruppe die Frau aus dunklem Metall umringt, die in den Rasen einzutauchen scheint. „Du hast dir deinen Rock dreckig gemacht“, ruft ein Mädchen. Zu sehen sind von der Frau ohne Oberleib ansonsten lediglich die Beine und der entblößte Unterkörper.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die prominent auf dem Schmuckplatz am Rande des Bad Homburger Kurparks platzierte Skulptur der schwedischen Künstlerin Charlotte Gyllenhammar Anstoß erregen oder lediglich als ironische Irritation zur Kenntnis genommen wird.

Der unbefangene Umgang der Kita-Gruppe mit dem Kunstwerk dürfte in jedem Fall ganz nach dem Geschmack von „Blickachsen“-Macher Christian Scheffel sein. Denn der hat bei der 12. Auflage der Skulpturenbiennale bewusst auf Künstler und Werke gesetzt, die Publikum und Umgebung miteinbeziehen.

Etwa Yoko Ono mit ihren „Wish Trees“. Die berühmte Performance-Künstlerin lädt die Besucher ein, an Apfelbäumen im Bad Homburger Schlosspark Zettel mit ihren Wünschen aufzuhängen, die anschließend von ihr gesammelt und archiviert werden.

Bei der offiziellen Eröffnung am kommenden Sonntag wird die inzwischen 86 Jahre alte Ono nicht dabei sein. Dass sie während der bis 6. Oktober laufenden Blickachsen aber auch einmal persönlich vorbeischauen könnte, wollte Christian Scheffel nicht ausschließen.

Schließlich habe sich die Freiluftschau mittlerweile einen „festen Platz in der internationalen Kunstwelt“ erobert, lobte Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Dafür sorgen prominente Künstlernamen wie Ono, Per Kirkeby, A.R. Penck oder auch William Forsythe, der bislang vor allem als führender Vertreter der modernen Tanzszene bekannt ist.

Die „Blickachsen“ präsentieren alle zwei Jahre zeitgenössische Skulpturen und Installationen an verschiedenen Orten im Rhein-Main-Gebiet. Seit ihrer ersten Auflage 1997 hat sich die Skulpturenbiennale zu einer der bedeutendsten Freiluftausstellungen im deutschen Raum entwickelt.

Offiziell eröffnet werden die 12. Blickachsen am Sonntag, 26. Mai, um 11.30 Uhr auf dem Schmuckplatz im Bad Homburger Kurpark, Kaiser-Friedrich-Promenade 59.

Gezeigt werden bis einschließlich 6. Oktober 60 Werke von 30 internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Partnermuseum ist in diesem Jahr der Skulpturenpark Wanås Konst aus Schweden.

Der Zugang zu den Kunstwerken ist frei. Wer die Freiluftschau auf eigene Faust erkunden möchte, kann an verschiedenen Stationen einen Kurzkatalog für zwei Euro erwerben. Außerdem gibt es an allen Skulpturentafeln QR-Codes mit Erläuterungen zu den Künstlern und ihren Werken.

www.blickachsen.de

Hinzu kommt jeweils die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit einer Partnerinstitution. Bei den 12. Blickachsen ist das der schwedische Skulpturenpark Wanås Konst. Gemeinsam mit dessen Direktoren-Duo Elisabeth Millqvist und Mattias Givell hat Scheffel die 30 Künstlerinnen und Künstler für die diesjährige Skulpturenschau ausgewählt.

Dadurch sind diesmal die skandinavischen Länder besonders stark vertreten. Insgesamt spiegele die Teilnehmerliste aber die Trends zu globalem Austausch und Migration wider, betonte Scheffel. Immerhin ein Drittel der beteiligten Künstler lebe in mehr als einem Land. Außerdem habe man es geschafft, dass sich die Anzahl von weiblichen und männlichen Künstlern etwa die Waage halte.

An der Grundausrichtung der „Blickachsen“ habe sich aber seit der ersten Auflage nichts geändert, so Scheffel. Weiterhin gehe es darum, einen Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst, Natur und historischem Umfeld zu inszenieren – ob im Bad Homburger Kurpark, dem Kloster Eberbach oder dem Campus Westend der Goethe-Uni in Frankfurt.

Hier wird mit Arik Levy erstmals ein israelischer Künstler seine Arbeiten präsentieren. Das sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, betonte Christian Scheffel. Schließlich war das Gebäude während der Nazi-Zeit Sitz des IG-Farben-Konzerns, der das Gas Zyklon B für die Ermordung von Millionen Juden hergestellt hat.

Auch im Kurpark ist Arik Levy prominent vertreten, mit einer 13 Meter hohen Stele aus hochglanzpoliertem Edelstahl, die ein wenig wirkt wie der Monolith aus dem Stanley-Kubrick-Film „2001“. „Der wird für Furore sorgen“, ist Scheffel sicher.

Ebenfalls ein Hingucker ist die begehbare Röhre, die das Duo Winter/Hoerbelt aus einer Unzahl von gelben Getränkekisten zusammengebaut hat. Sie befindet sich exakt in der Blickachse zwischen Kurhausfontäne und dem Schwanenteich und illustriert damit besonders gut das Konzept der gesamten Schau. Gleiches gilt für die 100 Meter lange Parade aus abgetragenen Sakkos, die die finnische Künstlerin Kaarina Kaikkonen über der Brunnenallee aufgehängt hat.

Das Interesse an den 12. „Blickachsen“ sei bereits jetzt enorm, so Scheffel. Schon vor der Eröffnung seien 140 Gruppenführungen gebucht. Insgesamt rechnet er an den sechs Standorten mit mehreren Hunderttausend Besuchern. Das Budget liegt bei rund einer Million Euro. Für die Finanzierung sorge „ein breiter Unterstützerkreis“, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums der Blickachsen-Stiftung, Stefan Quandt. Neben Privatpersonen und Unternehmen beteiligt sich auch der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main.

Für alle sechs Blickachsen-Standortekönnen  Gruppenführungen in deutscher und englischer Sprache gebucht werden. Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Rundgänge und interaktive Führungen. Von 1. bis 5. Juli und von 7. bis 9. August können Kinder zudem an Ferienkursen teilnehmen. Infos und Anmeldung unter Telefon 06172/6811946 oder per E-Mail: fuehrungen@blickachsen.de. In Bad Homburgwerden regelmäßige öffentlichen Führungen angeboten. Die Rundgänge durch den Kurpark beginnen immer donnerstags um 18.30 sowie an Sonn- und Feiertagen um 11 Uhr am Schmuckplatz. Im Schlosspark beginnen die Führungen sonntags um 15 Uhr am Eingang Löwengasse/Dorotheenstraße. Die Teilnahme kostet jeweils 8 Euro. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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