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Genau 100 Jahre nach der ersten großen August-Macke-Ausstellung von 1920 zeigt das Museum Wiesbaden an gleicher Stelle eine umfassende Ausstellung mit Werken des deutschen Expressionisten. Doch seit dem Lockdown sit sie geschlossen.
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Genau 100 Jahre nach der ersten großen August-Macke-Ausstellung von 1920 zeigt das Museum Wiesbaden an gleicher Stelle eine umfassende Ausstellung mit Werken des deutschen Expressionisten. Doch seit dem Lockdown sit sie geschlossen.

Verschobene Blockbuster

Kunst im Dornröschenschlaf

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Museen im Rhein-Main-Gebiet müssen ihre teils spektakulären Ausstellungen verlängern oder verschieben - das ist schwierig und teuer.

Im Museum Wiesbaden müssten sich eigentlich die Menschen drängeln. „In unserer Ausstellung zum Maler August Macke hängen so wunderbare, lichtdurchflutete, warme Bilder, die man grade sicher ganz besonders schätzen würde“, schwärmt Museumsdirektor Andreas Henning. Sein Museum allerdings ist wie alle anderen im Land auf unbestimmte Zeit geschlossen. „Ich komme mir grade vor wie ein Jongleur mit vielen Bällen, dem immer mal noch ein weiterer zugeworfen wird“, meint er.

Grade einmal drei Tage lang war die große Überblicksschau über den berühmten deutschen Maler geöffnet, dann kam der zweite Lockdown. „Das ist nun Kunst im Dornröschenschlaf“, meint er. „Sie wartet auf die mutigen Prinzen in der Politik, die die Dornenhecken einreißen. Wir haben hier 7000 Quadratmeter Fläche. Besucherlenkung gehört zu unserem Tagesgeschäft.“

Egal ob in Wiesbaden, im Darmstädter und im Mainzer Landesmuseum oder in der Frankfurter Kunsthalle Schirn, überall warten hochkarätige Ausstellungen, die aktuell höchstens die Museumsmitarbeiter:innen zu Gesicht bekommen. Das ist für Kunstbegeisterte sicher bedauerlich, für die Museumsleiter bedeuten geschlossene Häuser aber auch eine erhebliche finanzielle Belastung und gravierende logistische Probleme. Öffentliche und private Leihgeber müssen davon überzeugt werden, deutlich länger auf ihre Schätze zu verzichten, Transporte neu organisiert, geplante weitere Ausstellungen verschoben werden.

Corona-bedingt stiegen die Preise für Luftfracht ganz erheblich, und Kuriere, die besonders wertvolle Kunstwerke persönlich überbringen, bekamen oft keine Flüge mehr. „Bei uns wirken sich die Verschiebungen in der Planung schon jetzt bis 2023 aus“, erzählt Henning, der für den Herbst die nächste Blockbuster-Schau über den Maler Alexej von Jawlensky plant. Die Sponsoren seien bisher aber alle dabei geblieben.

Man könne grade von einem regelrechten Ausstellungsstau sprechen. Das sei ein internationales Phänomen, wie Philipp Demandt berichtet, Direktor der beiden großen Frankfurter Museen Städel und Liebieghaus und Leiter der renommierten Ausstellungshalle Schirn am Römer. „Weltweit versuchen die Kollegen, Leihgaben möglichst lange im Haus zu behalten. Ich bekomme täglich Anfragen mit der Bitte um Verlängerung.“ Erstaunlich und eindrucksvoll sei aber die große Solidarität. Niemand habe bisher seine Leihgaben zurückgezogen. „Allerdings ist der zweite Lockdown inzwischen so lang, dass manches nun doch abgebaut werden muss.“

Als Beispiel nennt Demandt die große Schau „We Never Sleep“ zu Kunst und Spionage in der Schirn, die ohne Publikum zu Ende ging. In Wiesbaden immerhin ist es Direktor Henning aber gelungen, seine Macke-Ausstellung bis zum 9. Mai zu verlängern.

Demandts Schirn ist auch ganz aktuell betroffen. Dort sollte schon im vergangenen Herbst – parallel zum Gastlandauftritt Kanadas auf der Frankfurter Buchmesse – eine spektakuläre Ausstellung mit kanadischer Kunst des 20. Jahrhunderts gezeigt werden.

Die Buchmesse fand weitgehend virtuell statt, die Ausstellung wurde auf Anfang 2021 verschoben. „Damit fühlten wir uns damals auf der sicheren Seite“, sagt Demandt. Die kanadische Kunst ist inzwischen da, eine Eröffnung am 5. Februar allerdings wird es nicht wie geplant geben, sondern zunächst ein digitales Angebot. „Inzwischen gehen wir von März aus. Die Ausstellung wird unglaublich schön. Da blutet mir das Herz, dass wir sie noch nicht eröffnen können. Wir arbeiten auf allen Kanälen daran, dass wir sie verlängern“, sagt der Schirn-Chef. „Aber wir fahren alle auf Sicht.“

Auch Andreas Henning vom Museum Wiesbaden hofft auf eine Wiedereröffnung Anfang März. „Dann ist die wichtige Osterzeit noch mit dabei“, sagt er. Fünf Tage Vorlauf bräuchte das Museum Wiesbaden, um das Sicherheitspersonal oder die Reinigungskräfte neu zu organisieren, dann könne es wieder öffnen.

In Frankfurt laufen längst die Planungen für die nächsten großen Ausstellungen, etwa Rembrandt im Städel und Paula Modersohn-Becker in der Schirn, beide im Herbst. Ein sonst übliches touristisches Begleitprogramm allerdings, das etwa auf Busreisende zugeschnitten ist, fehlt diesmal. Die Planungen dazu seien den Reiseveranstaltern viel zu ungewiss.

„Bei der Van-Gogh-Ausstellung 2019/20 sind wir schon ein Jahr vor der Eröffnung in den Verkauf der Führungen gegangen. Das gab auch uns als Organisatoren Planungssicherheit. Diesmal haben wir unsere Besuchserwartungen angepasst“, sagt Demandt. Immerhin kämen normalerweise 60 bis 70 Prozent der Besucher:innen aus der weiteren Region. „Da hoffen wir sehr, dass sich das wieder einpendelt.“

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