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Der neu gewählte Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz (CDU).

Wiesbaden

Kultusminister Lorz will gutes Deutsch mehr fördern

Nur wer gutes Deutsch spricht, dem stehen in der Bundesrepublik alle Tore für eine Ausbildung offen. Davon ist Hessens Kultusminister überzeugt. Er will das Thema mit seinen Ministerkollegen bundesweit gezielt angehen.

Der neu gewählte Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz (CDU), will die Förderung der Bildungssprache Deutsch in den Mittelpunkt seiner Amtszeit stellen. Ein gutes Deutsch sei das „Zugangstor zur gesamten Bildungslaufbahn“, sagte Hessens Kultusminister in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Im Blick habe er dabei ausdrücklich nicht nur Sprachkurse für zugewanderte junge Menschen.

„Mir geht es darum, alle Kinder so mit einer Bildungssprache Deutsch auszustatten, dass sie ihre Talente im Bildungssystem optimal entfalten können“, sagte Lorz. Angesichts der heterogenen Zusammensetzung der Schülerschaft sei es von besonderer Bedeutung, diese Frage koordiniert in der KMK anzugehen.

„Wir haben mittlerweile einen großen Anteil unter den Schulkindern, die zwar hier aufgewachsen sind, deren Familiensprache aber nicht Deutsch ist“, sagte Lorz. Diese Kinder kämen zwar nicht komplett ohne Deutschkenntnisse in den Unterricht. „Aber mit Kenntnissen, die noch nicht ausreichen, um dem Schulbetrieb von Anfang an folgen zu können.“

Um den Bedarf zu ermitteln, werde in Hessen daher das Sprachvermögen aller Kinder im Alter von etwa viereinhalb Jahren erhoben. Um die Jungen und Mädchen vor dem ersten Schultag fit in Deutsch zu machen, gebe es spezielle Vorlaufkurse. Im Jahr vor der Einschulung bekommen die Kinder parallel zum Kindergarten eine spezifische Deutsch-Förderung.

Jeder soll Abschluss machen

Die Sprachkurse für zugewanderte Kinder an Hessens Schulen haben sich nach den Worten des Ministers inzwischen gut eingespielt. „Auch die Übergänge in die Regelklassen funktionieren im Großen und Ganzen reibungslos“, sagte Lorz. Der Wechsel der Jugendlichen, die an Berufsschulen qualifiziert wurden, in eine Ausbildung oder eine andere weiterführende Maßnahme, laufe ebenfalls meist glatt. Hessen hatte an den beruflichen Schulen spezielle Klassen für Seiteneinsteiger zwischen 16 und 18 Jahren eingerichtet. Das Angebot richtet sich an alle, die vor dem Beginn einer Ausbildung noch die deutsche Sprache lernen müssen.

„Wir lassen keinen ohne Anschluss“, betonte der Minister. Das dürfe aber nicht den Blick darauf verstellen, dass noch immer eine große Zahl junger Menschen in diesen Maßnahmen stecke und noch keinen regulären Einstieg in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gefunden habe. Eine Hürde seien häufig mangelnde Deutsch-Kenntnisse. Hier steuere Hessen unter anderem mit einem speziellen Angebot für die berufliche Sprachförderung gegen.

„Das hessische Schwerpunkt-Thema der Bildungssprache wird uns auch die nächsten Jahre begleiten“, sagte Lorz. Schließlich kämen mittlerweile weitaus mehr Zuwanderer aus EU-Ländern als Flüchtlinge nach Hessen. „Das sind für uns alles Seiteneinsteiger ohne Deutschkenntnisse, die die Sprache erlernen müssen.“ (dpa)

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