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Experten unter sich, Günter Seidenschwann (links) erklärt die rätselhaften, floralen Mustern auf den Steinen.

Hanau

Kulturforum in Hanau feiert Jubiläum

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„Maker-Space“ in Hanau und die Geschichte von Natur und Boden in der Region

Das Kulturforum feierte am Samstag sein vierjähriges Bestehen. Von der Zahl der Jahre her eigentlich kein Grund zum Feiern. Das Ende der räumlichen Unzulänglichkeiten mit dem Umzug aus dem 200 Jahre alten Kanzleigebäude am Schlossplatz in den Neubau am Freiheitsplatz geben jedoch genug Anlass. Die Stadtbibliothek und die Wetterauische Gesellschaft nutzten den Jahrestag für sich - die einen für den Beginn einer neuen Epoche, die anderen um etwa die spannende Geschichte unter unseren Füßen zu erklären. Rund vier Millionen Jahre Erdgeschichte in Flaschen, die mit beigen, braunen, grauen und roten Sandschichten befüllt sind, gab es für zehn Euro. 

Sehr dekorativ scheint es unter der Alzenauer Gegend auszusehen. Die farbigen Sandadern in verkorkten Pullen sind entsprechend den Erkenntnissen aus Tiefbohrungen geschichtet. „Eine Flasche haben wir schon verkauft“, sagt Günter Seidenschwann, Vorsitzender der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau 1808. Am Stand des Vereins herrscht einiges Besucherinteresse. Am ersten Jahrestag war das noch anders. Damals war Null Resonanz, heißt es. Die neue Heimstätte hat mutmaßlich das Wirken des Vereins besser in das öffentliche Licht gerückt. Für Vorträge kann zusätzlich das Auditorium der Bibliothek genutzt werden. Der Verein findet zudem zur Vorbereitung von Publikationen erheblich bessere Bedingungen vor, helle klimatisierte Räume sowie ein Archiv mit fahrbaren Regalen, in denen naturkundliche und medizinische Abhandlungen aus knapp 300 Jahren lagern.

 Viele dieser Bücher wurden vor dem Umzug mit hohem finanziellen Aufwand restauriert, nicht selten auch vom Pilzbefall befreit. Für externe Anfragen ist das Wissen in den Bücher nur sehr begrenzt abrufbar. Noch sind nicht alle Publikationen wieder in den Bestand eingeordnete, so Seidenschwann. Doch der Hauptgrund liegt in der Zugänglichkeit. „Rund ein Drittel der knapp 29 000 Titel sind erst digitalisiert“, heißt es. Der Zugriff auf den Bestand geht daher noch zumeist über Karteikarten. „Wir haben zwei Damen, die die alten Handschriften auf den Zetteln entziffern“, sagt Seidenschwann. Wann die Arbeit abgeschlossen ist vermag er nicht zu sagen. Sicher ist hingegen 2022 wird eine große Dokumentation über die Region samt Exkursionen geben.

 Die neuen Stationen der Bibliothek waren vor allem von jungen Publikum umlagert. Dort surrten Maschinen, die mit rötlichem Licht Gegenstände abtasteten, die aus Kunststofffäden Gegenstände entstehen lassen oder die wie von Geisterhand filigrane Muster etwa aus Folien schneiden. Die Stadtbücherei besitzt nunmehr neben Lernplätzen, Lese- und Vorleseecken auch eine digitale Werkstatt. „Maker-Space“ wird die Neuerung genannt. Sie wird als zukunftsträchtige Sparte in Bibliotheken zur Förderung der naturwissenschaftlichen und technischen Fächer gehandelt. Die Stadtbücherei in Köln gilt hierzulande als Vorreiterin. Dort wurde ein Maker-Space, der mancherorts auch „Fab-Lab“ heißt, 2013 eröffnet. 

Digitales Basteln

Die Werkbank für digitales Basteln bietet Bildbearbeitung samt hochwertiger Ausdrucke an einem Tintenstrahldrucker, Roboter mit Lego Mindstorm zu bauen und zu programmieren, 3D scannen und drucken sowie kreative Entwürfe vom PC-Bildschirm auf einen Schneidplotter zu übertragen. Hinzu kommen Gerätschaften um analoges Audio-, Video- und Fotomaterial auf ein digitales Medium zu kopieren. Nach einer Einführung kann jeder Inhaber des Bibliotheksausweises ab 16 Jahre die Technik kostenlos nutzen, lediglich für das Drucken in 2 oder 3D sind drei Euro zu zahlen. In Workshops können die Anwender ihre Fähigkeiten verbessern, besonders im Roboter „füttern“ und 3D-Drucken. Letzteres ist jedoch nicht nur in der Vorbereitungsphase zeitintensiv. Ein Badewannenentchen dauert schon gut zwei Stunden, war am Stand zu hören. Da ist es gut, dass die Bibliothek immer noch ausreichend anlogen Zeitvertreib in Regalen stehen hat.

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