Kommentar

Kultur des Hinschauens

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Ein Integritätsbeauftragter wird den Kampf gegen Rassismus in der Polizei nicht alleine leisten können. Aber seine Berufung zeigt, dass das Problem in Wiesbaden ganz oben erkannt worden ist. Der Kommentar.

Es ist anderthalb Jahre her, dass widerliche Drohschreiben gegen eine Frankfurter Anwältin bekannt wurden, für die vermutlich Daten von einem Polizeicomputer abgerufen wurden. Noch immer konnte der Täter nicht gefasst werden. Das ist ein Ärgernis. Eine Klärung wäre ein sehr wichtiges Signal, dass kriminelles Verhalten sanktioniert wird.

Immerhin hat der Fall etwas bewegt bei der hessischen Polizei und ihrer politischen Führung im Innenministerium. Seither wird genauer hingeschaut, was Rassismus und Rechtsextremismus in den eigenen Reihen betrifft. Sonst wäre wohl nie herausgekommen, dass sich Polizistinnen und Polizisten in Chatgruppen rechte Botschaften zukommen lassen.

70 Verdachtsfälle bei 16 000 Bediensteten – das klingt nicht nach viel. Doch es dürfte längst nicht alles ans Tageslicht gekommen sein. Und es bleibt schockierend, dass sich überhaupt Rechtsextremisten in der Polizei eingenistet haben, auch wenn es nach Überzeugung des Polizeipräsidenten nur „eine Handvoll“ ist.

Die Polizei braucht eine Kultur des Hinschauens. Sie braucht eine Sensibilisierung, gerade wenn es um die Verbreitung von Social-Media-Botschaften geht, die auf humorvoll getrimmt sind, aber zutiefst fremdenfeindliche, frauenfeindliche und rassistische Inhalte verbreiten. Ein Integritätsbeauftragter wird das nicht alleine schaffen können. Aber seine Berufung zeigt, dass das Problem ganz oben erkannt worden ist.

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