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Rainer Waldschmidt von der Hessen-Agentur in Wiesbaden.  

Interview

Kultur als Argument für den Standort Rhein-Main

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Warum die landeseigene Hessen-Agentur vor dem Brexit mit dem English Theatre Frankfurt wirbt.

Rainer Waldschmidt, 57, ist Geschäftsführer der landeseigenen Hessen-Agentur und der „Hessen Trade & Invest“, mit der sich die Agentur auch um Firmen kümmert, die sich im Zuge des Brexit mit Umzugsgedanken ins Rhein-Main-Gebiet tragen.

Herr Waldschmidt, erstmals unterstützt die landeseigene Hessen-Agentur das English Theatre Frankfurt – ist das ein Statement im Brexit-Jahr?
Letztes Jahr hatte ich einen Journalisten von der BBC hier zu Gast, der sehr überrascht war, dass das größte englischsprachige Theater auf dem Kontinent hier in Frankfurt steht. Er war auch überrascht, wie viele Kräne hier Büro- und Wohnhochhäuser hochziehen. Er meinte, es sei deutlich mehr los, als man in London vermute.

Ist ein eigenes englischsprachiges Theater ein Argument, um zögernde Londoner von einem Umzug ins Rhein-Main-Gebiet zu überzeugen?
Das English Theatre ist ein Schmuckstück in der internationalen Positionierung der Region. Wir können das Theater sowohl dazu nutzen, die kulturelle Strahlkraft des Standorts zu zeigen, aber darüber hinaus eben auch, um Menschen zusammenzubringen. Im Brexit-Jahr wollen wir vom Kulturstandort überzeugen. Frankfurt ist viel mehr als einer der führenden Wirtschaftsstandorte in Deutschland. Dass man hier gute Geschäfte machen kann, wissen alle. Aber dass wir hier auch in Museen, Musik und Theater etwas auf diesem Niveau bieten können, ist ein ganz wichtiges Argument.

Wie erfolgreich sind Sie zurzeit?
Wir haben aktuell rund 30 Neuansiedlungen im Bereich Finanzdienstleistungen. Ich glaube, an die 60 sind noch bei der Bankenaufsicht Bafin anhängig. Durch den Brexit sind die ohnehin schon großen Chancen in Frankfurt noch größer geworden. Wenn ein Standort in Deutschland davon profitiert, dann das Rhein-Main-Gebiet. Wir haben ja allein 30 internationale Schulen hier vor Ort.

Kann man Menschen denn mit Kultur überzeugen? Und reicht das für einen Umzug? 
Die kulturellen und die Freizeitaspekte sind schon wichtig. Das English Theatre macht unser Angebot rund. Natürlich fällt es Menschen, die aus England kommen oder die dort den Rest ihrer Familie haben, nicht leicht, nach Frankfurt zu ziehen. Es fällt ihnen aber auch schwer, nach Paris zu gehen, wo das Englische auf der Straße deutlich weiter weg ist, oder nach Dublin, wo man zwar Englisch spricht, aber kaum etwas drumherum ist.

Deutschland gilt als vergleichsweise günstig – ist das auch ein Argument?
Wenn Sie in London eine Wohnung mieten oder Ihr Kind für die Schule anmelden, dann kostet die Wohnung vielleicht 1500 und die Schule 3000 Pfund. Da mag man denken, das geht ja noch. Aber das sind die wöchentlichen Mieten, und die Schule kostet das nicht im Jahr, sondern im Monat.

Es läuft also gerade ganz gut für den Standort Frankfurt?
Wir sind deutlich internationaler, als wir selbst glauben. In Relation zu unserer Größe können wir sehr selbstbewusst sein. Es ist ein Standort, um ganzheitlich erfolgreich zu sein. Das zeigen unsere Ansiedlungszahlen. Es kommen ja nicht nur Banken, sondern auch Industrieunternehmen. Die Menschen, die die Region schon kennengelernt haben, sind unsere besten Botschafter.

Interview: Andreas Hartmann

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