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„Protoceratops“: Skulptur aus verschiedenen Materialien von Julia Krause-Harder.

Ausstellungen in Frankfurt

Künstler mit Mission

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Vor etwa 15 Jahren eröffnete in Frankfurt das Atelier Goldstein, in dem Menschen mit geistiger Beeinträchtigung kreativ sein und Kunst schaffen können. In der zugehörigen Goldstein Galerie werden ihre Werke ausgestellt. Und nicht nur dort.

Hans-Jörg Georgi kennt alle Flugzeuge. Er hat die Merkmale der unterschiedlichen Typen genau studiert und nachgebaut. Für seine Modelle hat er Pappkartons in kleine Stücke zerschnitten und daraus Flieger geformt, rund 150 Stück. Der Künstler hat auch einen Prototypen entwickelt – ein sechsgeschossiges Flugzeug. Er ist davon überzeugt, dass wir unsere Erde zerstören. Das Leben wird nur noch in Großraumflugzeugen möglich sein, die die Erde umkreisen. Die Sechsgeschösser sind autark, unabhängig von fossilen Brennstoffen. Georgi hat eine moderne Arche Noah entworfen, die alle Menschen aufnehmen soll. In der Ausstellung „Das blöde Böse“, die zurzeit in der Goldstein Galerie zu sehen ist, wird eine düstere Zukunft skizziert, eine Zukunft, vor der Hans-Jörg Georgi uns Menschen retten möchte.

Der 67-Jährige ist einer von 14 Künstlern, die im Atelier Goldstein arbeiten. „Wir haben hier mit Menschen zu tun, die eine Mission in sich tragen“, sagt Christiane Cuticchio. Sie ist Initiatorin und Leiterin des Ateliers Goldstein, einem Künstlerhaus, das Menschen mit geistiger Beeinträchtigung den Raum bietet, künstlerisch zu arbeiten.

Vier Tage in der Woche kommen die Künstler – sieben Frauen und sieben Männer – in das Atelierhaus und werden dort von Christiane Cuticchio und ihren sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der kreativen Arbeit begleitet. „Wir wollen zeigen, dass bildende Künstler mit einer Beeinträchtigung in der Lage sind, Kunstwerke von Rang zu schaffen.“ Cuticchio ist Bühnen- und Kostümbildnerin und beschäftigt sich schon lange mit Künstlern, die geistig beeinträchtigt sind. „Behinderte Menschen bekommen ihr Schaffen oft verboten oder ihre Werke werden sogar zerstört“, sagt sie.

2001 hatte Cuticchio die Idee, ein Atelier für diese Künstler zu gründen und nahm Kontakt zur Lebenshilfe Frankfurt auf. Der Verein wurde zum Träger des Ateliers, das in einem Bunker in Frankfurt-Goldstein ein Jahr später seine Türen öffnete. Der Stadtteil wurde zum Namensgeber für das Künstlerhaus. 2003 fand die erste Ausstellung im ehemaligen Hauptzollamt statt. 2006 folgte dann der Umzug in die heutigen Atelierräume in der Remise der Sachsenhäuser Fabrik. 2012 erhielt das Atelier Goldstein für seine Arbeit den Binding-Kulturpreis. Die Einrichtung gilt als eines der weltweit besten so genannten Outsider Art Ateliers.

In den hellen, lichtdurchfluteten Räumen arbeiten die Künstler in allen möglichen Techniken und Stilrichtungen. Julia Krause-Harder ist Asperger-Autistin. Sie will alle 1800 bisher ausgegrabenen Dinosaurierarten nachbauen. Den Protoceratops hat sie aus vielen kleinen Gummi-Dinosauriern gefertigt, ein anderer ist aus Korkeiche entstanden, die die Künstlerin in Spanien gefunden hat. Er hängt neben dem Tyrannosaurus Rex aus Metallstücken.

Ausstellungen mit Werken der Goldsteinkünstler gab es mittlerweile schon im In- und Ausland. Ein vermutlich einmaliges Projekt in Deutschland ist die Ausgestaltung der Marien-Kirche in Rüdesheim-Aulhausen. Die Glasfenster, die Christusstatue, die Bodenmalerei wurden von den Frankfurter Künstlern geschaffen.

Zum Atelier Goldstein gehört seit 2013 auch die Goldstein Galerie, ein nicht kommerzieller Ausstellungsraum in der Schweizer Straße in Frankfurt-Sachsenhausen, in der behinderte und nichtbehinderte Künstler ausstellen. Noch bis 18. Februar sind Hans-Jörg Georgis Arbeiten dort zu sehen.

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