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Pflegeheime werden auch in der zweiten Corona-Welle immer wieder zu Hotspots.
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Pflegeheime werden auch in der zweiten Corona-Welle immer wieder zu Hotspots.

Testpflicht

Kritische Situation in Altenheimen

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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  • Jutta Rippegather
    Jutta Rippegather
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In Hessen gilt ab Samstag verschärfte Testpflicht für Pflegepersonal.

Die Corona-Zahlen zeigen, wie verletzlich gerade die ältere Bevölkerungsschicht im Falle einer Infektion ist. Die meisten der 3780 (Stand 14. Januar) in Hessen gestorbenen Menschen waren mindestens 80 Jahre alt. Auch die Infektionszahlen liegen in der Altersklasse 80 Jahre und älter am höchsten. Das verdeutlicht, warum in der Altenpflege als Erstes geimpft wird. Und es lässt die Einrichtungen, in denen die älteren Menschen leben, besonders in den Fokus rücken.

Die Impfsituation in den Heimen

Caritas-Heime: Der Caritas-Dachverband verfügt über drei Alten- und Pflegeheime in Frankfurt – das Altenzentrum-Santa-Teresa, das Lebenshaus St. Leonhard und das Altenzentrum St. Josef. In einer allgemeinen Stellungnahme der Pressesprecherin wurde deutlich, dass die Impftermine der Heime regional und gesondert bestimmt werden und es daher keine allgemein festgelegten Termine geben wird. Die Impfbereitschaft wird bei den Bewohner:innen auf circa 90 Prozent geschätzt, beim Personal eher auf 50 Prozent.

Frankfurter Verband: Der Frankfurter Verband ist Träger von sieben Heimen in Frankfurt –unter anderem das Bürgermeister-Gräf-Haus und das Victor-Gollancz-Haus. Der Träger hofft, dass bis zum Ende des Monats Februar in allen Heimen geimpft wurde und rechnet mit einer Impfbereitschaft von etwa 80 Prozent, sowohl bei der Belegschaft als auch bei den Bewohner:innen. Es muss jedoch mit Unterschieden von Heim zu Heim gerechnet werden. Schnelltests finden für Besucher:innen vor dem Besuch statt, für Personal und Klientel einmal pro Woche.

Franziska-Schervier-Altenpflegezentrum: Die erste Impfung fand an diesem Dienstag statt. Ein zweiter Impftermin ist für den 2. Februar geplant. Die Impfbereitschaft der Bewohner:innen sowie der Mitarbeiter:innen liegt vor der Erhebung aller Daten bei circa 60 Prozent. Bewohner:innen und Mitarbeiter:innen werden einmal pro Woche getestet, für Besuchertests fehlen Kapazitäten.

Pfarrer-Münzenberger-Haus: In der zweiten Einrichtung der Franziska-Schervier-Altenhilfe erfolgte die erste Impfung für 48 Personen am gestrigen Donnerstag, für den zweiten Termin ist der 4. Februar angesetzt. Die Heimleitung rechnet mit einer Impfbereitschaft von 50 Prozent im Haus. Bewohner:innen und Mitarbeiter:innen werden einmal pro Woche getestet, für Besuchertests fehlen Kapazitäten.

Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum: Das Haus verzeichnete die Erstimpfung von 40 Personen am 1. Januar und wird die zweite Impfung am 22. Januar durchführen. Die Impfbereitschaft liegt vor Erhebung aller Daten unter den Bewohner:innen bei ungefähr 90 Prozent, bei der Belegschaft bei etwa 45 Prozent. Für Besucher:innen werden freiwillige Schnelltests angeboten, für die Belegschaft sind wöchentliche Tests vorgesehen. Bewohner:innen ohne Erstinfektion werden bei Symptomen getestet.

August-Stunz-Zentrum: Am Montag wurden 60 Personen zur Erstimpfung zugelassen, die zweite Impfung wird am 22. Januar erfolgen. Die Impfbereitschaft der Bewohner:innen wird auf 90 Prozent geschätzt, bei den Mitarbeiter:innen auf 45 Prozent. Beide Gruppen werden mindestens einmal die Woche getestet, für Besuchertests fehlen Kapazitäten. prpd

Das hessische Sozialministerium erklärt, dass in Alten- und Pflegeheimen jene Menschen leben, die bereits pflegebedürftig und vorerkrankt sind und somit zur Hochrisikogruppe gehören. Zudem sei in Alten- und Pflegeheimen körperliche Interaktion unabdingbar, um die Versorgung und Pflege zu gewährleisten. Genau das erhöhe das Risiko einer Übertragung. Während ältere Menschen, die noch in den eigenen vier Wänden leben, ihre Kontakte oftmals reduzieren können, gelingt das in den Pflegeeinrichtungen nur sehr schwer.

Häufige Folge sind dann Covid-19-Ausbrüche. Dass die Heime einen größtmöglichen Schutz benötigen, aber nicht grundsätzlich klar ist, wie dieser zu realisieren ist, zeigt ein Blick in die verschiedenen Bundesländer. So hat der bayrische Ministerpräsident erst kürzlich wieder eine mögliche Impfpflicht für Pflegekräfte in Alten- und Pflegeheimen ins Spiel gebracht.

Hessen hat am Donnerstag zunächst die Testpflicht für das Personal in Alten- und Pflegeheimen verschärft. Angesicht der bundesweit hohen Zahlen an Infektionen und Toten sollen sich die Beschäftigten von Samstag an zwei Mal pro Woche einem Schnelltest unterziehen, teilte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag mit. Der Schutz der Bewohner:innen genösse oberste Priorität. Dazu gehörten die seit 27. Dezember laufenden Impfungen, das Befolgen der „AHA+L-Regeln“ (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften), die Hygienekonzepte und die seit dem 16. Dezember geltende Testpflicht in der stationären Altenpflege.

Dem Beschluss der Ministerpräsident:innen zufolge sollen Hilfsorganisationen und Freiwillige die Einrichtungen dabei unterstützen. Laut Klose übernehmen die Kommunen die Koordinierung vor Ort, die Bundesagentur für Arbeit helfe bei der Vermittlung. Um den Heimen die Beschaffung der Tests zu vereinfachen, habe das Land mit einem Dienstleister vereinbart, ein wöchentliches Kontingent von 500 000 Schnelltests zu besorgen. Über dieses Kontingent hinaus gebe es weitere Anbieter.

Für SPD-Landtagabgeordnete Daniela Sommer kommen die verpflichtenden Tests viel zu spät. „Wir haben seit Beginn der Pandemie immer wieder angemahnt, Reihentestungen vorzunehmen.“ Hessen reagiere immer erst, wenn die Situation sich dramatisch verschlimmere. „So ein zögerliches Handeln hat für jeden der betroffenen Menschen katastrophale Folgen“, sagte Sommer. Zudem gebe es beim Nachschub der Testkits weiter Schwierigkeiten.

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