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Kreistagsvorsitzende - „ist doch cool“

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Mit einem Lächeln geht vieles besser: Die neue Kreistagsvorsitzende Susanne Fritsch repräsentiert nun das Parlament des MTK. Knapp
Mit einem Lächeln geht vieles besser: Die neue Kreistagsvorsitzende Susanne Fritsch repräsentiert nun das Parlament des MTK. Knapp © Knapp

Susanne Fritsch ist Familienmensch und hat das politische Engagement im Blut

Main-Taunus - Klar, Mama, machst du das. Ist doch cool!“ Den Kommentar ihres Sohnes Philipp (16) hat Susanne Fritsch noch gut im Ohr. Dass ihre Familie positiv reagiert hat, nachdem ihr die CDU-Spitze das Amt der Kreistagsvorsitzenden offeriert hatte, ist der Eschbornerin wichtig. Vor zwei Jahren hat sie völlig unerwartet ihren Mann verloren. Ein Schicksalsschlag. Und einmal mehr hat sie in dieser schweren Zeit erfahren, dass Familie Halt gibt und trägt. „Das menschliche Miteinander, das lebe ich“, sagt Susanne Fritsch und ergänzt: „Das ist für mich auch christlich.“

Die Christdemokratische Partei ist schon lange ihre politische Heimat. Über ihren Vater, den langjährigen Eschborner CDU-Vorsitzenden Karlheinz Gritsch, sei sie „da reingewachsen“, sagt die 46-Jährige. Schon mit 17 war sie kommunalpolitisch aktiv, war JU-Vorsitzende und ist seit 1997, als sie endlich alt genug war für ein Mandat, Stadtverordnete. Ein Amt, das sie, anders als die Mitgliedschaft im Schulausschuss des Kreistags, dem sie seit 2001 angehört, „mit Sicherheit nicht aufgeben“ werde, auch wenn sie jetzt „Erste Bürgerin des Main-Taunus-Kreises“ ist. „An diesen Titel muss ich mich erst noch gewöhnen“, sagt Susanne Fritsch mit einem breiten Lächeln.

Quotenfrau will sie nicht sein

Als „große Ehre“ empfinde sie es, dass die Wahl der CDU nach dem plötzlichen Tod von Wolfgang Männer auf sie gefallen ist. Viele positive Reaktionen habe es in den Parteigremien gegeben. Auch das war für sie wichtig für ihre Entscheidung. „Wenn die Mannschaft einen nicht trägt, dann funktioniert’s nicht.“ Dass es der CDU im Kreis gut ansteht, nun eine Frau mehr in einer Spitzenposition zu haben, weiß auch Susanne Fritsch. Sie hoffe aber nicht, dass ihr das Amt nur deshalb angetragen worden sei. „Ich möchte nicht eine Position oder Aufgabe erhalten, nur weil ich Frau bin.“

ZUR PERSON

Die Eschbornerin Susanne Fritsch wurde 1976 als Susanne Gritsch in Bad Soden geboren. Nach dem Abitur an der St.-Angela-Schule in Königstein lernte sie den Beruf der Steuerfachangestellten. Früh engagierte sie sich auch politisch, in der Jungen Union.

Seit 1997 sitzt sie für die CDU im Eschborner Stadtparlament, seit 2001 ist die verwitwete Mutter von zwei Kindern Mitglied im Kreistag. Einstimmig hat das Parlament des MTK sie am 19. Dezember zu seiner Vorsitzenden gewählt. babs

Bei den Ursulinen in Königstein ist sie zur Schule gegangen. Nach dem Abitur sei für sie, die „nie ein Sprachenmensch war“, klar gewesen: „Du machst was mit Zahlen und Menschen.“ Steuerfachangestellte hat sie gelernt und arbeitet seit Jahren freiberuflich mit Steuerberatern zusammen. Wieso andere das für eine trockene Materie halten, hat Susanne Fritsch nie verstanden. Immer gehe man doch dabei auch mit den Menschen um, die hinter den Zahlen stünden, sagt die handfest und pragmatisch wirkende Landwirts-Tochter, die bekennt, dass sie lieber beim Stück Fleischwurst als beim Kuchen zugreift, wenn sie die Wahl hat.

Ein Glas Wein sei ihr lieber noch als ein Äppler, bekennt sie zudem. Und verweist mit einer Portion Heimatstolz darauf, dass der Main-Taunus-Kreis ja beides in bester Qualität bietet. Wie vielfältig er auf kleinstem Raum sei, habe sie im Sommer eindrucksvoll bei einer E-Bike-Tour mit Freunden von Eschborn nach Mainz erfahren, erzählt die Kreistagsvorsitzende. „Vom Rad aus erlebt man das ja noch einmal ganz anders.“ Warum ihr Vater schon früher immer von der „Schönheit des Kreises“ gesprochen habe (was ihr als Kind manchmal ein wenig übertrieben vorkam), hat sie jedenfalls mit den Jahren immer besser verstehen können. Als Vorsitzende des ebenso rührigen wie mitgliederstarken Eschborner Landfrauenvereins („mein zweites Ehrenamt“) schätzt Susanne Fritsch auch hier das generationenübergreifende Miteinander besonders. Mutter Ingeborg, von der sie das Vorsitzendenamt übernahm, und Tochter Sophie (17) gehören übrigens auch zu den Mitgliedern. Dass Landfrauen vor allem kochen und backen, sei ein Zerrbild, sagt Fritsch. Natürlich könnten sie das auch, Landfrauenvereine machten aber vor allem Bildungsarbeit.

Bilden kann bekanntlich auch das Reisen. Susanne Fritsch macht es leidenschaftlich gern. Mit Freunden hat sie eine kleine Reisegruppe, mit der Familie geht es häufig in die Berge, nicht zuletzt zum Skifahren. „Seit die Kinder größer sind, haben wir uns aber auch in die Ferne gewagt.“ Achtung vor anderen Kulturen zählt sie zu den prägenden Erfahrungen, die sie alle etwa in Thailand oder Dubai machten.

Und die Achtung vor dem politisch Andersdenkenden? Die falle ihr nicht schwer, sagt Susanne Fritsch. Von ihrer Mutter, deren Leitspruch „Leben und leben lassen“ sei, hat sie gelernt, dass man niemandem etwas aufzwingen könne. „Jedes hat seine Daseinsberechtigung.“ Mit dieser Grundüberzeugung will Susanne Fritsch auch ihres neuen neutralen Amtes walten. „Ich stehe einem Parlament vor, das bunt und vielfältig ist“, weiß die 46-Jährige. Sie selbst stehe als Christdemokratin „für Dinge ein, für Werte. Aber ich kann auch das andere stehen lassen.“

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