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Der Kreis sieht sich durch den hessischen Wurstwarenhersteller Wilke hintergangen.

Verbraucherschutz

Kreis sieht sich durch hessischen Wurstwarenhersteller Wilke hintergangen

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Ein Bericht zum Wurstskandal sieht keine Versäumnisse bei der Lebensmittelüberwachung. Das hessische Verbrauchschutzministerium will sich erst nächste Woche dazu äußern.

Gut 40 Seiten lang ist der Bericht zur Firma Wilke, den der Landkreis Waldeck-Frankenberg dem Verbraucherschutzministerium am Freitag vorgelegt hat. Darin kommt der Kreis laut Landrat Reinhard Kubat (SPD) zu dem Schluss, alle seine Mitarbeiter hätten „nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, um weiteren Schaden abzuwenden“.

Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne), die wegen des Skandals um verdorbene Wurstwaren der Firma Wilke selbst unter Druck steht, hatte in einer Anhörung vor gut einer Woche Fehler ihres Hauses eingeräumt – aber auch von Versäumnissen bei der zuständigen Lebensmittelüberwachung des Kreises gesprochen.

Der schiebt den Schwarzen Peter in seinem Bericht nun dem Unternehmen Wilke zu. Die Firma, sagt Landrat Kubat, habe „sich leider nicht so wie vorgeschrieben verhalten“, sondern versucht, „die Behörden mit beachtlicher Energie zu hintergehen“. Die Kritik an der Lebensmittelüberwachung und dem Veterinäramt wies er zurück. Das Ministerium will nächste Woche über Schlüsse aus dem Bericht informieren.

Waren aus der nordhessischen Firma werden für drei Todes- und 37 Krankheitsfälle verantwortlich gemacht. Das Unternehmen ist inzwischen geschlossen und insolvent, alle Produkte wurden aus dem Handel genommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer. Die Firma geht juristisch gegen den behördlich verhängten Produktionsstopp vor.

Ministerin Hinz zeigte sich zufrieden mit ihrem Treffen mit den Verbraucherschutzministern der Bundesländer am Freitag in Berlin. Sie betonte, die Länder brauchten ein uneingeschränktes Weisungsrecht gegenüber ihren Behörden. In Hessen sei es bislang nicht möglich, dass die Fachaufsicht im Ministerium Weisungen für zusätzliche Kontrollen an die zuständigen Landkreise oder kreisfreien Städte erteile. Die Vorschläge Hessens dazu seien in Berlin aufgegriffen worden.

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