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Nur zwei schaffen den Abschluss

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Von: Annette Schlegl

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Fabian Reuling sorgt für den Durchblick.
Fabian Reuling sorgt für den Durchblick. © Renate Hoyer

Trotz vieler Abbrecher sehen die Organisatoren des Dietzenbacher Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekts Gebäudereiniger als Erfolg. Es hat in zwei Fällen das Leben von schwer vermittelbaren jungen Leuten verändert.

Elf junge Menschen waren angetreten, um ihr Leben zu ändern. Am Ende, drei Jahre später, blieben nur zwei übrig, die das Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekt Gebäudereiniger erfolgreich beendeten. Trotzdem werten diejenigen, die den elf Jugendlichen die helfende Hand gereicht haben, das Projekt als erfolgreich. Fabian Reuling aus Rödermark-Ober-Roden war der Zielstrebigste von allen. Er hat seine Lehre zum Gebäudereiniger mit dem zweitbesten Ergebnis des gesamten Jahrgangs beendet.

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Dabei war er genauso perspektivlos und lebte genauso in den Tag hinein wie seine zehn jungen Kollegen, die Mitte August 2010 die Lehre zum Gebäudereiniger begannen. Sie alle waren Teilnehmer an dem Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekt, das Dietzenbachs Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) auf den Weg gebracht hatte.

Es sollte schwer vermittelbaren Jugendlichen durch eine Ausbildung eine Chance auf dem Arbeitsmarkt geben. Sie sollten sich für die Gebäudereinigung qualifizieren – ein Beruf mit Perspektive, denn es gibt immer mehr komplizierte Oberflächen, die gereinigt werden müssen.

„Ich habe nach dem Hauptschulabschluss einfach ein paar Jahre zu Hause gechillt“, sagt der 24-jährige Fabian Reuling im Rückblick. Heute sieht sein Tag komplett anders aus: Schon morgens um 6 Uhr schwingt er in Diensten der Wisag-Gebäudereinigung bei seinem derzeitigen Kunden, einem Technologieunternehmen in Hanau, den Fensterwischer.

Die Ausbildung zum Gebäudereiniger hat sein Leben verändert. Das seiner ehemaligen jungen Kollegen, die schon ganz früh in der Projektphase das Handtuch schmissen, aber anscheinend auch: Keiner von ihnen ist zur Pro Arbeit zurückgekehrt, hat Nadja Lubrich, Bereichsleiterin Verwaltung bei den Stadtwerken, erfahren. „Die Abbrecher haben irgendwo anders Arbeit gefunden “, sagt sie.

Hoher Krankenstand

Die Organisatoren werten das im Nachhinein durchaus als Erfolg – auch wenn sie anfangs „sehr enttäuscht“ waren über die Jugendlichen, die „aus irgendwelchen Gründen einfach abgetaucht sind“, sagt Initiator Dietmar Kolmer. Die Runde ist sich einig: Den jungen Menschen hätten die „sozialen Kompetenzen“ gefehlt. Soll heißen: Pünktlichkeit, Selbstdisziplin, Motivation und Verantwortungsbewusstsein. Der enorm hohe Krankenstand von bis zu 33 Prozent, gerade in den Anfangsmonaten, spreche Bände. „Vielleicht sollte man in zukünftige Projekte ein Extramodul einbauen, in dem die Teilnehmer die primären Grundtugenden erlernen“, sagt Kolmer.

Dass die Zeit des Praktikums „relativ knapp bemessen“ war, findet Pro-Arbeit-Dezernent Carsten Müller. „Man kann nicht innerhalb von vier Wochen alles reflektieren, was auf einen zukommt“, gibt er zu bedenken.

Christian Locke, Geschäftsführer der Stadtwerke Dietzenbach, sieht einen weiteren Grund für das Scheitern der Jugendlichen: Als Gebäudereiniger waren sie an unterschiedlichsten Stellen sehr auf sich alleine gestellt. „Das muss trainiert werden“, meint er. „Wir haben anfangs gesagt: Wenn nur einer durchkommt, ist das schon ein Erfolg.“

Durchgekommen sind sogar zwei, neben Fabian Reuling auch Ertan Erdogan aus Langen. Er hatte bereits eine abgebrochene Ausbildung zum Gebäudereiniger hinter sich und knüpfte im Ausbildungsprojekt daran an. Seine Gesellenprüfung legte er bereits im Dezember 2012 ab. Er arbeitet nun aber nicht in diesem Beruf.

„Studien zufolge bricht jeder vierte Jugendliche seine Ausbildung ab“, erklärt Müller. Bei dieser Klientel sei die Quote noch deutlich höher. Deshalb sei das Projekt mehr als eine schöne Idee und mehr als eine interkommunale Zusammenarbeit.

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