Ober-Roden liegt zu weit weg vom Frankfurter Hauptbahnhof, aber Urberach ist nah genug dran, um gefördert zu werden.

Rödermark

Zwei entscheidende Bahnminuten für Rödermark

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Zwei Minuten machen den großen Unterschied: Das Wirtschaftsministerium hat den Stadtteil Urberach nachträglich in den Frankfurter Bogen integriert.

Zwei Minuten haben jetzt darüber entschieden, dass Rödermark in den kommenden Jahren besonders hohe Zuschüsse für den Wohnbau und die Entwicklung von Baugebieten bekommen kann. Das hessische Wirtschaftsministerium zählte die Stadt bisher nämlich nicht zu den Kommunen des „Großen Frankfurter Bogens“ – also zu jenen Städten und Gemeinden, die vom Frankfurter Hauptbahnhof innerhalb von 30 Schienenminuten zu erreichen sind und deshalb besonders gefördert werden. Doch Rödermarks Erste Stadträtin Andrea Schülner (Grüne) rechnete nach, fand die entscheidenden zwei Minuten – und das Wirtschaftsministerium besserte nun nach.

Es ist aber nur der Stadtteil Urberach, der von Schülners akribischer Recherche profitiert. Der Stadtteil Ober-Roden ist auf der Schiene nämlich vom Frankfurter Hauptbahnhof weiter entfernt als Urberach, liegt tatsächlich außerhalb der 30-Zugminuten-Grenze.

Großer Frankfurter Bogen

Hessens WirtschaftsministerTarek Al-Wazir will den Wohnungsbau im Rhein-Main-Raum verstärkt an Schienenwegen ausrichten.

Im Oktober vergangenen Jahreswurde deshalb der „Große Frankfurter Bogen“ offiziell auf den Weg gebracht.

55 Kommunenliegen aktuell in dem Radius, der innerhalb von 30 Minuten mit der S-Bahn oder dem Zug vom Hauptbahnhof zu erreichen ist.

Ob da jemand im Wirtschaftsministerium oder beim RMV falsch gerechnet hatte, ist nicht bekannt. Fest steht nur: In den bisherigen Plan für den „Großen Frankfurter Bogen“ war Rödermark nicht eingezeichnet – wegen einer Fahrtzeit von 31 Minuten mit der RB61, der sogenannten Dreieichbahn, vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Urberach. „Die letzte Kommune, die auf der Dreieichbahn in dem Planwerk berücksichtigt wurde, war Dreieich-Offenthal“, sagt Schülner.

Sie konnte aber beweisen, dass es Züge mit weniger als 30 Minuten Fahrtzeit gibt. In umgekehrter Richtung, also von Urberach zum Frankfurter Hauptbahnhof, war die Bahn laut altem Fahrplan 29 Minuten unterwegs, laut dem neuen Plan sind es 30 Minuten. Die Erste Stadträtin schrieb Wirtschaftsminister Al-Wazir an und bat darum nachzubessern. Die RMV-Experten bestätigten ihre Angaben, konstatierten einen „Sonderfall“ und lieferten die Begründung für die unterschiedlichen Fahrtzeiten von und nach Frankfurt: Urberach sei höher gelegen sei als Frankfurt, der Zug könne deshalb nicht so beschleunigen. Zudem könne es wegen Konflikten mit anderen Zügen zu kleineren Abweichungen bei den Fahrtzeiten kommen.

Ergebnis: Nachträglich gehört Rödermark jetzt zum Großen Frankfurter Bogen. Das Land finanziert der Stadt somit Machbarkeitsstudien für den Wohnbau im Stadtteil Urberach, bezuschusst dort Investitionen in Kindergärten, Bürgerhäuser und Grünflächen mit 85 Prozent und unterstützt beim Bau von sozialem Wohnraum mit bis zu 10 000 Euro pro Wohnung.

Das Dilemma ist aber: Die Stadt hat gar keine Grundstücke mehr, die bebaut werden können. „Wir müssen erst mal in das Eigentum von Fläche kommen“, sagt Bürgermeister Jörg Rotter (CDU). Man wolle zwar wachsen – „aber nicht in dem Maß der Nachbarstadt Rodgau“. Dort liegt übrigens nur der Stadtteil Weiskirchen im Frankfurter Bogen.

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