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Birgit Brüggemann vom Verein und Landwirt Martin Wöhl können das Urteil nicht nachvollziehen.

Heusenstamm

Zittern um die Reitanlage in Heusenstamm

Das Gericht bestätigt die Abrissverfügung des Kreises. Der Verein in Heusenstamm  fürchtet nun um seine Existenz.

Zählt das Areal am Wald nahe dem Sportzentrum Martinsee und dem Kieswerk als Forstfläche oder als landwirtschaftliches Gebiet? Bei dem Streit um die Zukunft des Heusenstammer Reit- und Fahrvereins, aber auch der des landwirtschaftlichen Betriebs von Markus Wöhl geht es letztlich um diese Frage.

Die untere Naturschutzbehörde des Kreises stuft das Areal als ehemalige Waldfläche ein und verlangt den Abriss der dort vor Jahrzehnten errichteten Pferde-ställe. Nachdem ein erstes Urteil zugunsten des Landwirts ausfiel, hat jetzt das Verwaltungsgericht Kassel der Naturschutzbehörde Recht gegeben. Der Kreis pocht nun auf eine bereits 1978 erlassene Abrissverfügung.

Für den Reit- und Fahrverein, der das Gelände für seine Pferde nutzt, sei das Urteil existenzbedrohend, sagt dessen Vorsitzende Birgit Brüggemann. Seit 1974 ist der Verein auf dem Gelände, der Vorbesitzer gestattete die Nutzung als Reitanlage. Er baute die Ställe und einen Unterstand, außerdem plante er ein Wohnhaus.

2006 erwarb Landwirt Wöhl das Areal. „Der Vorbesitzer war ein recht eigensinniger Mann“, drückt sich Wöhl diplomatisch aus. Zwischen diesem und dem Kreis gab es einen jahrzehntelangen, heftigen Streit um das Gelände. Sogar in Beugehaft soll der Vorbesitzer gegangen sein, weil er Abrissverfügungen nicht nachkam.

„Als ich das Gelände erwarb, habe ich als erstes den Rohbau abgerissen – ein Haus hat hier ja wirklich nichts zu suchen“, sagt Wöhl. Dem Reit- und Fahrverein gestattete er weiter die Nutzung des Areals, er selbst möchte es gerne zur Pferdepension erweitern.

Wöhl pocht darauf, dass das Baurecht Landwirten in Bauangelegenheiten zur Aufrechterhaltung des landwirtschaftlichen Betriebs zugesteht, nur eine Baugenehmigung zu benötigen, nicht aber einen Bauplan. „Ich habe also nachträglich einen Bauantrag für die Stallungen des Vorgängers gestellt“, sagt Wöhl. Dennoch flatterte erneut eine Abrissverfügung ins Haus; das Gelände zähle zum Wald und müsse wieder Wald werden.

Unterstützung durch Bürgermeister

Das aber lässt Wöhl nicht gelten. Er fand nämlich heraus, dass das Areal 1968 im Zuge der Flurbereinigung als Ackerland beurteilt und gegen eine andere Ackerfläche getauscht worden war. „Wenn es damals schon als Acker bewertet wurde, kann es kein Wald sein“, sagt er. Zudem wundere er sich, dass nur er eine Abrissverfügung erhielt, die Besitzer der benachbarten Grundstücke, auf denen ebenfalls hölzerne Gebäude stünden, aber nicht. „Da kommt schon der Verdacht auf, dass man mich im Visier hat“, sagt er. Auf Nachfrage der FR teilt der Kreis mit, dass erst überprüft werden müsse, ob bei den benachbarten Flächen „Waldeigenschaft“ vorliege, wie es bei Wöhls nur wenige Schritte entfernt liegenden Flächen der Fall sei. „Wir können das Urteil nicht nachvollziehen“, sagt Brüggemann. Bei Eltern und Kindern im Verein herrsche nun große Angst, wie es weitergehe. „Wir haben viele ältere Tiere, die wir aus schlechter Haltung wieder aufgepäppelt haben – wo sollen die denn hin?“, fragt sie.

Unterstützung bekommen Wöhl und Brüggemann von Heusenstamms Bürgermeister Halil Öztas (SPD). Der Verein leiste wichtige Arbeit, am Betrieb gebe es nichts auszusetzen, sagt er der FR. Jahrelang habe der Kreis die Situation geduldet. Um eine Forstfläche handele es sich seiner Meinung nach bei dem Gelände aber nicht. „Angehörige des vormaligen Eigentümers haben mir berichtet, dass dort die Bäume vor Jahrzehnten eingepflanzt wurden“, erzählt er.

Theoretisch könnte die Stadt zwar einen Bebauungsplan erstellen, um das Gelände zu legalisieren, doch faktisch fehlen dafür geeignete Ausgleichsflächen, die die Naturschutzbehörde einfordert. Es liege am Kreis, einfach eine Nutzungserlaubnis auszusprechen, so könne die ganze Angelegenheit rasch legalisiert werden.

Der Kreis sieht das allerdings anders: In der dortigen Verwaltung legt man Wert darauf, dass es sich bei dem Gelände um Wald handele, der Vorbesitzer habe seinerzeit illegal Bauten errichtet. Allerdings sei man in der Kreisverwaltung bereit, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen. Darauf hofft Markus Wöhl, der zudem auf die Unterstützung des Bürgermeisters zählt, damit noch eine Lösung gefunden wird.

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