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Vor allem Senioren fühlen sich von den Angeboten im Internet überfordert.

Neu-Isenburg

Schülernachhilfe für ältere Mitbürger

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Siebt- bis Neuntklässler der Brüder-Grimm-Schule in Neu-Isenburg (Kreis Offenbach) unterstützen Senioren, die Probleme mit ihrem Smartphone, ihrem PC und dem Internet haben.

Verwunderlich, dass dieses Projekt bisher nicht größer Schule macht: An der Brüder-Grimm-Schule Neu-Isenburg greifen Siebt- bis Neuntklässler seit sieben Jahren Senioren unentgeltlich bei Problemen mit dem Smartphone, dem PC und dem Internet unter die Arme. Die Schüler belegen freiwillig das Unterrichtsangebot „Jung hilft Alt am PC“ und beraten ältere Mitbürger aus der benachbarten Mehrgenerationen-Wohnanlage Quartier IV somit jeden Dienstagnachmittag im Computerraum der Schule.

Eine Kooperation, die Früchte trägt: In zwölf Kursen haben mittlerweile mehr als 100 Senioren zwischen 60 und 80 Jahren Hilfestellung von den Teenagern erhalten. Auch für das kommende Schulhalbjahr gibt es schon wieder Anmeldungen.

Da die Brüder-Grimm-Schule nur einen Straßenzug vom offenen Seniorentreff im Quartier IV an der Luisenstraße entfernt liegt, ist die Teilnahme für die älteren Mitbürger einfach. Da wundert es nicht, dass einige Senioren „Wiederholungstäter“ sind und schon seit Jahren das Angebot wahrnehmen, wie EDV-Coach Justin Düttmann berichtet. Er hat eine eigene Computerfirma und steht den Siebt- bis Neuntklässlern in der Arbeitsgemeinschaft (AG) „Jung hilft Alt am PC“ zur Seite, wenn es für die jugendlichen „Nachhilfelehrer“ zu schwer wird. 

Rachid El Haddad, Lehrer an der Brüder-Grimm-Schule, erklärt stolz, dass der älteste Teilnehmer 86 Jahre alt war. Die ersten drei Jahre habe man noch „nach Plan“ gearbeitet. Heißt: Die Senioren konnten Word- und Excel- oder Internetkurse mit den Schülern belegen. Mittlerweile orientiert sich die Schulung am Bedarf der Senioren, die Schüler beantworten individuelle Fragen, zeigen, wie es geht, behandeln jedes einzelne Problem, das die Senioren an den Geräten haben.

Und was sind die Probleme? „Der Eine will wissen, wie er Fotos vom Handy auf den PC überträgt, der Andere will ein Fotobuch erstellen, der Dritte eine PDF-Datei auf dem iPad öffnen“, sagt der Neuntklässler Ibrahim Haji. Er ist einer von fünf Schülern, die vom 18. September bis zum 18. Dezember die AG mit Leben erfüllen. „Seit diesem Schuljahr dürfen die Schüler jedes halbe Jahr entscheiden, ob sie wieder an der AG teilnehmen oder ob sie Neues wählen“, sagt El Haddad. Vorher war das freiwillige Unterrichtsangebot ein ganzes Schuljahr lang zu belegen.

Geduld brauche man mit den Senioren, sagt Ibrahim und erklärt, er wundere sich manchmal, warum die Teilnehmer auch ganz leichte Dinge nicht wüssten – „zum Beispiel, wie sie ein Bild löschen können“. Ab und zu werde er aber auch überrascht – etwa mit der Frage, wie man bei Youtube Werbung abschalten könne. Seine Geduld sei im Laufe der Zeit jedenfalls immer größer geworden, sagt er. Sein jugendlicher Kollege Kulwinder Badlia ergänzt: „Die Senioren notieren sich die Schritte meist handschriftlich.“ Auch da müsse man sich in Geduld üben.

Die älteren Semester sind bei den dienstäglichen Treffen in der Schule in Plauderlaune. „Sie reden mit uns auch über Politik oder Medizin und erzählen sogar über ihre eigene Schulzeit“, sagt Ibrahim. Es ist also nicht nur die Zeugnisbescheinigung für eine erfolgreiche Teilnahme am Kurs, die die Schüler bei der Stange hält – auch wenn sich das bei den Bewerbungen gut machen wird. Die gegenseitige Akzeptanz ist mindestens genauso viel wert. Und die Schüler haben durch den „Nachhilfeunterricht“ viel an Selbstsicherheit gewonnen. 

Jung hilft Alt am PC

Acht Plätze für ältere Menschen mit PC-Vorkenntnissen stehen halbjährlich im Kurs „Jung hilft Alt am PC“ zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an Senioren, die ihr Können am Computer vertiefen oder erweitern wollen.

Der nächste Kurs beginnt am 5. Februar und findet zehnmal dienstags von 14 bis 15.30 Uhr im Computerraum der Brüder-Grimm-Schule, Waldstraße 101, in Neu-Isenburg statt.

Anmeldungen sind noch im Quartier IV bei der Koordinatorin Gundula Saurer, Telefon 06102 / 251 24, möglich. ann

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