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Willy Brandt, Bundesaußenminister, bei der Lektüre in einem Hotel 1969.
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Willy Brandt, Bundesaußenminister, bei der Lektüre in einem Hotel 1969.

Vortrag über Willy Brandt

Willy Brandt, der Hesse

Offenbar erhielt der frühere SPD-Bundeskanzler - als Herbert Frahm zur Welt gekommen - seinen Namen Willy Brandt auf der Flucht vor den Nazis von einem Isenburger. Überreicht werden die Papiere nicht persönlich - erst Jahre nach dem Krieg lernen sich der Isenburger Brandt und der Kanzler Brandt kennen.

Von Maurice Farrouh

Willy Brandt war Neu-Isenburger. So viel steht fest. Streitig ist dagegen, was der in der Hugenottenstadt geborene Arbeiterjunge mit seinem berühmten Namensvetter, dem SPD-Ehrenvorsitzenden und Bundeskanzler Willy Brandt, zu tun hat. Offenbar ist das eine ganze Menge.

Der Isenburger Willy Brandt, so schreibt es der Journalist Thomas Hanke in einem Artikel für die Wochenzeitung Die Zeit, soll 1934 in Belgien einer norwegischen Sozialdemokratin seine Papiere gegeben haben. Diese sollte sie an von den Nazis verfolgte Flüchtlinge weitergeben. In Norwegen soll dann der spätere Bundeskanzler, der 1913 als Herbert Frahm zur Welt gekommen war, den Kampf-Namen Willy Brandt angenommen haben.

Die Geschichte ist nicht neu, der Artikel von Hanke erschien vor mehr als 25 Jahren. 1995 veröffentlichte der Neu-Isenburger Geschichts- und Heimatkundeverein GHK Auszüge davon in einem Buch. „Das wurde aber nie richtig breit aufgearbeitet“, sagt die Lokalhistorikerin Heidi Fogel.

Was an der Sache dran ist und welche offenen Fragen es gibt, wird möglicherweise am Sonntag erörtert werden. Denn Willy Brandt – der Bundeskanzler – ist das Thema beim Neujahrsempfang von GHK und Stadtbibliothek im Foyer der Hugenottenhalle. Brandt wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden.

Peter Merseburger zu Gast

Der bekannte Journalist und Buchautor Peter Merseburger kommt auf Einladung des Vereins extra aus Berlin angereist und wird aus seiner Brandt-Biografie „Willy Brandt – Visionär und Realist“ vorlesen. Moderator Peter Holle, GHK-Mitglied und langjähriger FR-Lokalredakteur, wird dabei auch die Geschichte des Isenburgers Willy Brandt schildern.

Dieser kommt auch in Merseburgers Biografie am Rande vor. Von einer Namensübergabe schreibt der Autor allerdings nichts. Aber wie dem auch sei: Spannend ist die Lebensgeschichte des weniger bekannten Willy Brandt allemal.

Der Neu-Isenburger Sozialdemokrat und Antifaschist flieht schon 1932, also vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, nach Belgien. So will er einer Gefängnisstrafe für die Teilnahme an einer Straßenschlacht zwischen Nationalsozialisten und Sozialisten in Neu-Isenburg entgehen. „Wir haben die Nazis rausgehauen und über die Grenze nach Preußen gejagt“, erzählt Brandt dem Journalisten Hanke 1987 im Interview.

In Belgien arbeitet Brandt als Fotoreporter für sozialistische Zeitungen. 1936 fährt er für einen Bericht nach Spanien, wo gerade der Bürgerkrieg ausbricht. Dreieinhalb Jahre kämpft er dort auf der Seite der Republik gegen die Putschisten unter Franco. Später nimmt er die spanische Staatsbürgerschaft an und organisiert geheime Waffentransporte von Belgien nach Spanien. Als die Wehrmacht 1940 Belgien überfällt, gerät Brandt in Gefangenschaft und landet im Konzentrationslager Dachau.

Nach Deutschland will er nach der Befreiung nicht mehr zurück. Stattdessen handelt er in Brüssel mit Blumen, wie Merseburger festhält. Jahre nach dem Krieg lernen sich die zwei Brandts persönlich kennen. Der hessische Willy Brandt, so schreibt Merseburger, schaut ab 1969 „aus Freude darüber, dass ein Antifaschist in Deutschland an die Regierung gekommen ist, gelegentlich mit einem Blumenstrauß bei dem anderen Willy in Bonn vorbei“.

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