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Werkzeug mit Windeln getauscht

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Von: Annette Schlegl

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Der Tagesvater und seine ersten „Kunden“.
Der Tagesvater und seine ersten „Kunden“. © Monika Müller

Rödermark Michael Stadel ist der erste Tagesvater / Einst in technischen Berufen unterwegs

Er ist der erste Tagesvater der Stadt Rödermark: Seit vier Wochen hat Michael Stadel die offizielle Erlaubnis, sich um Sprösslinge anderer Leute zu kümmern, mit ihnen zu spielen, sie zu füttern und zu wickeln. Und schon ist er ausgebucht: Zwei Kinder werden ihn ab Juli jeden Tag von 8 bis 17 Uhr auf Trab halten. Im Moment ist er noch in der „Eingewöhnungsphase“ mit den beiden. „In der Kinderbetreuung gehe ich auf“, sagt der 51-Jährige über seinen neuen Job, den er bis zur Rente und möglichst auch noch darüber hinaus ausüben will.

Seine Frau Nadja hat seine Entwicklung zum Tagesvater initiiert und gefördert. Vor rund 15 Monaten lernt er die Mutter von drei Kindern kennen und lieben, zieht daraufhin von Landau in der Pfalz nach Rödermark-Urberach. Im März 2013 feiert das Paar Hochzeit.

Der gelernte Fernmeldehandwerker gibt seinen Job als Wareneingangsprüfer für Kfz-Teile bei der Firma Bosch in Karlsruhe auf. „Wir haben überlegt, wie wir zukünftig unsere Brötchen verdienen können“, sagt der 51-Jährige. Er ist zwar im Malen begabt, aber beide wissen, dass dieses Talent allein nicht reicht, um die Familie zu ernähren.

Nadja König-Stadel arbeitet schon lange als Tagesmutter. So kommt das Paar auf die Idee, Michael Stadel könne doch ebenfalls in der Tagespflege sein Geld verdienen. Immerhin hat er die Ältere seiner zwei Töchter schon von Kindesbeinen an allein erzogen.

Gesagt – getan. Der Neu-Rödermärker macht sich als Kleinunternehmer in der Tagespflege selbstständig. Als einziger Mann unter 16 Frauen absolviert er einen 45-stündigen Grundlehrgang und erhält vom Jugendamt die Pflegeerlaubnis für zwei Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren. Seine Frau Nadja darf drei Kinder betreuen. Insgesamt kümmern sich die Stadels in ihren eigenen vier Wänden also fortan um fünf Sprösslinge anderer Familien – wobei diese getrennt betreut werden. Jedes Kind wird von seiner jeweiligen Bezugsperson gefüttert, gewickelt und getröstet.

„Wir haben uns auf Kinder von 0 bis drei Jahren festgelegt“, erklärt Michael Stadel. Seine beiden kleinen „Kunden“ Maxim und Johanna sind knapp ein Jahr alt und bleiben rund ein Jahr lang tagsüber von Montag bis Freitag in seiner Obhut. Sie werden frisch und kindgerecht bekocht, vergnügen sich auf den Spielgeräten im Hausgarten, füttern und streicheln die Zwerghasen im Gehege.

„Mein neuer Beruf ist für mich erfüllend“, sagt der Tagesvater. Zum einen sei Selbstständigkeit immer sein Traum gewesen, zum anderen gehe er in der Betreuung auf. Außerdem könne er so zu Hause arbeiten.

Pro Kind erhält das Ehepaar fünf Euro in der Stunde. Darüber hinaus haben die Stadels einen Zuschuss beim Jugendamt beantragt. Bis zu 250 Euro gibt es somit extra aus dem Bambini-Knirps-Programm der Hessischen Landesregierung. Mit der Zusatzeinnahme aus der Vermietung einer Einliegerwohnung im Haus reicht das zum Leben. „Wir müssen unseren Verdienst zwar versteuern, aber wir haben keine Fahrtkosten“, erzählt Michael Stadel.

Wie seine Arbeitskolleginnen sind auch viele Eltern begeistert, dass es endlich einen Mann in der Tagespflege gibt. „Schreiende Kinder regen mich nicht auf“, sagt er. „Vielleicht bin ich ein bisschen cooler als andere.“

Damit das Geschäft auch in Zukunft floriert, hat das Ehepaar eine eigene Internetseite erstellen lassen.

www.tageseltern-rödermark.de

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