Rodgau

Wenn der Retter selbst zum Notfall wird

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Die Rodgauer Feuerwehr bietet am Wochenende wieder ein Spezialtraining für Atemschutzträger an. Die Expertise der Wehr ist mittlerweile deutschlandweit gefragt.

Ein einstürzender Kellerraum, eine undichte Atemschutzmaske, sich in Kabekn verfangen, Übelkeit oder ein Zusammenbruch – es gibt viele Szenarien, in denen Retter plötzlich selbst zum Notfall werden können. Dann müssen ihre Kollegen genau wissen, wie sie ihren Mann aus der Gefahrenzone bergen können, ohne ihr eigenes Leben zu riskieren. Die Feuerwehr Rodgau hat sich entsprechendes Spezialwissen angeeignet, das sie am heutigen Samstag an andere Einsatzkräfte weitergibt.

Sensibilisiert durch tödliche Atemschutzunfälle in Köln, Göttingen, Tübingen, Ibbenbüren und Marne entschloss sich die Rodgauer Wehr im Jahr 2008, ein Atemschutz-Notfalltraining einzuführen. Mittlerweile ist ihre Expertise deutschlandweit gefragt; auch die Werksfeuerwehr des Opel-Testzentrums griff schon darauf zurück.

Acht Stunden lang werden heute 21 Teilnehmer aus Eppertshausen, aus Adelsheim in Baden-Württemberg und vom Technischen Hilfswerk aus Offenbach kostenlos für den Ernstfall eines in Not geratenen Atemschutzgeräteträgers trainiert. Im Theorieteil erfahren die Teilnehmer, welche Rettungsgeräte es gibt und wie man Handfunkgeräte bedient. Im Praxisteil wird die wechselseitige Beatmung mit und ohne Sicht geübt – „von Maske zu Maske oder von Lungenautomat zu Lungenautomat, wie bei Tauchern“, sagt der stellvertretende Stadtbrandinspektor Michael Gröschl. Dann wird diese Wechselatmung in einem Feuerszenario mit einem bewusstlosen Partner geprobt. Die Zweiertrupps müssen ihren verunglückten Kollegen auch eineinhalb Stockwerke über eine außenstehende Treppe nach unten tragen. Dabei kommt es auf die richtige Wahl des Einsatzmittels an. Schließlich wird ein Unfall simuliert, bei dem vier Kräfte ohne jegliche Sicht mit einer Schleifkorbtrage retten.

Lösch- oder Rettungseinsätze unter schwerem Atemschutz gehörten zu den gefährlichsten Aufgaben der Feuerwehren, sagt Gröschl. Im Kreis Offenbach habe es aber noch keinen schweren oder sogar tödlichen Unfall gegeben.

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