+
2015 wurde das Foyer der Hugenottenhalle umgebaut. In den kommenden Jahren soll die Stadthalle erweitert werden. Doch das Geld ist knapp.

Neu-Isenburg

Zu wenig Geld für Großprojekte

  • schließen

Neu-Isenburg Kämmerer plant im Etat-Entwurf mit neuen Schulden.

Dieses Jahr wird für Neu-Isenburg ein Rekordjahr: Die Stadt rechnet mit 85,6 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen – unermesslich viel für die anderen Kommunen im Kreis Offenbach. Ursprünglich waren gut acht Millionen Euro weniger angesetzt. 2020 und 2021 soll es nun auf einem ähnlich hohen Niveau weitergehen wie dieses Jahr. Trotzdem wird das Geld wohl nicht reichen, erklärte Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) als Kämmerer, um all die ehrgeizigen Projekte zu stemmen, die die Stadt vorhat.

Die 85,6 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen sind eine riesige Summe für eine Stadt mit 39 000 Einwohnern. Zum Vergleich: Offenbach hat 100 000 Einwohner mehr, rechnet aber in diesem Jahr nur mit 56 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer. Dreieich mit 43 500 Einwohnern erwartet dieses Jahr 30,7 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen.

Der Entwurf des Doppelhaushalts sieht im kommenden Jahr 143,5 Millionen Euro an Aufwendungen sowie 140,7 Millionen Euro im Jahr 2021 vor.

Allein 53 Prozent dieser Summen gehen für die gesetzlichen Umlagen an Kreis und Land weg.

Zwölf Prozent der Ausgaben sind Zuschüsse an Vereine und für die Kinderbetreuung.

144 Millionen Euro an Erträgen sind 2020 geplant, 141,1 Millionen Euro im Jahr 2021.

84 Prozent der städtischen Einnahmen kommen aus Steuern. ann

Der Grund für Neu-Isenburgs Prosperität: der geringe Gewerbesteuer-Hebesatz von 345 Prozent (Offenbach erhebt 440 Prozent), der Unternehmen anlockt.

Große Firmen wie der Stadion- und Messe-Caterer Aramark, der Pepsi-Cola-Hersteller PepsiCo, die Catering-Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs oder Lorenz-Bahlsen Snack World haben deshalb dort ihren Sitz.

10,5 Millionen Euro an Investitionen plant Neu-Isenburg im Jahr 2020, 8,3 Millionen Euro im Jahr 2021. „Deutlich mehr als in den vergangenen Jahren“, erklärte Schmitt am Mittwochabend im Stadtparlament. Deshalb werde die Stadt Kredite aufnehmen. Die Schuldenobergrenze von drei Millionen Euro pro Jahr, die sich die Stadt selbst 2014 gesetzt hatte, sei nicht mehr haltbar.

7,6 Prozent der Gesamtkosten für den Bau der Regionaltangente West (RTW) hat die Stadt zu tragen; das sind rund 22 Millionen Euro. Dazu kommen 13,75 Millionen Eigenanteil für die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt der L3117. Die RTW wird den Haushalt somit jährlich mit 1,36 Millionen Euro belasten. Der Umbau der Hugenottenhalle schlägt mit 28,5 Millionen Euro zu Buche – das sind 861 000 Euro jährlich zusätzlich. Für die geplanten Mobilitätsstationen rechnet die Stadt ebenfalls mit Kosten. Alles in allem sind das zu viele dauerhafte Belastungen für den Haushalt. Schmitts einzige Lösung: Investitionen in neue Gesellschaften der Stadt auslagern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare