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In Dreieich und Dietzenbach (Kreis Offenbach) wird der Einsatz von Wassersäcken für Bäume getestet. (Symbolbild)

Hitze in Hessen

Wassersäcke für durstige Bäume

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Die städtischen Gießkolonnen sind vielerorts in Hessen im Dauerstress. Dreieich und Dietzenbach testen nun, was sich in Frankfurt und Wiesbaden schon bewährt hat.

Straßenbäume sind in diesen Tagen arm dran. Noch mehr als ihre Kollegen in den Wäldern leiden sie unter der Trockenheit, weil sie in dem versiegelten Boden nur schwer Wasser ziehen können. Zudem ist es in der Stadt um drei bis vier Grad wärmer als im Wald. In Dreieich und Dietzenbach werden deshalb erstmals Wassersäcke getestet, die sich in anderen Städten wie Frankfurt und Wiesbaden bewährt haben. Rödermark hat sogar eine Fremdfirma beauftragt, weil es die zwei Mitarbeiter des städtischen Bauhofs mit zwei Tankwagen allein nicht mehr schaffen, den Durst der Bäume zu stillen. Überall sind die Bürger aufgerufen, einen Baum in ihrer Nähe mit zwei bis drei Gießkannen voll Wasser an den Stammfuß vor dem Vertrocknen zu retten.

Mitte Mai brachten Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs (DLB) Dreieich und Neu-Isenburg erstmals 75-Liter-Wassersäcke an 80 Jungbäume in Dreieich an. Mit 20 Euro pro Exemplar eine günstige Investition. „Die Wassersäcke sind schnell befüllt, wenn man überlegt, wie lange es dauert, bis ein Mitarbeiter den Gießring um den Baum bewässert“, sagt Sylvio Jäckel, Leiter des Fachbereichs Grünplanung und Baummanagement beim DLB. In zwei bis drei Minuten sei der Wassersack voll; die Bewässerung per Schlauch sei viel zeitintensiver. „Weil es so trocken ist, dauert es eine Weile, bis die Erde Wasser aufnehmen kann. Deshalb muss man mit dem Schlauch sehr langsam gießen, sonst läuft das Wasser einfach weg“, so Jäckel. Ein Bewässerungssack hat dagegen zwei Löcher, aus denen das Wasser ganz langsam auf den Ballen des Baums tröpfelt. „Es dauert acht Stunden, bis die 75 Liter durchgesickert sind“, erklärt er. Alle zwei bis drei Wochen wurden die 80 Wassersäcke bisher befüllt – je nach Niederschlag.

Junge Straßenbäume haben noch kein ausgeprägtes Wurzelwerk, können noch kein Wasser aus tieferen Bodenschichten aufnehmen. Eine Fremdfirma bewässert sie in Dreieich per Tankwagen.

Die Wassersäcke in Dietzenbach fassen nur 50 Liter, die drei bis sechs Tage lang ausreichen. Die Grünflächenabteilung füllt die Säcke ein- bis zweimal pro Woche auf. Zwei Kolonnen haben ihren wöchentlichen Turnus erhöht, gießen jetzt fünf- bis sechsmal statt zwei- bis dreimal in der Woche, sind auch samstags unterwegs. Über 100 Jungbäume sowie über 5000 Stadtbäume werden von den Mitarbeitern der Grünflächenabteilung gewässert. Das sind pro Tag 16 000 Liter.

Mit zwei Gießwagen im Dauereinsatz

In Neu-Isenburg übernimmt der DLB die Bewässerung in Eigenregie. Zweier- oder Dreierkolonnen sind mit zwei Gießwagen im Dauereinsatz. Zusätzlich sind viele Wechselflorflächen, also Pflanzungen, die zweimal pro Jahr neu angelegt werden, zu gießen. „Es wird deutlich mehr gewässert als in den Vorjahren“, sagt Jäckel. „Wir rechnen mit 30 Prozent mehr Wasserverbrauch.“

Ähnliche Zahlen meldet auch die Stadt Langen. „Im Vorjahr haben wir 250 Kubikmeter Wasser zum Bewässern gebraucht, jetzt liegen wir schon bei 350 Kubikmetern“, sagt Pressesprecher Roland Sorger. Täglich gießen zwei Arbeiter der Kommunalen Betriebe Langen mit zwei Gießwagen rund 15 000 Liter Wasser auf durstige Pflanzen und Jungbäume. Blumenampeln und -pyramiden sind zweimal pro Woche dran, genauso wie die Pflanzinseln an der Oberen Bahnstraße und am Lutherplatz. 2500 Quadratmeter Staudenbeete werden normalerweise alle drei Wochen bewässert, „zur Zeit aber öfter“.

Wässern allein reiche auf Dauer nicht aus, um dem Klimawandel zu begegnen, meint Jäckel. Beim DLB Dreieich und Neu-Isenburg wurde deshalb eine Gesamtstrategie entwickelt, die aus mehreren Bausteinen besteht. Für Neupflanzungen werden größere Baumgruben angelegt, wo möglich, werden bestehende Baumscheiben auch vergrößert. Seit rund zehn Jahren wird bei der Baumpflanzung ein spezielles Substrat verwendet, das unter anderem Tonminerale enthält, die das Wasser speichern können. Genauso lang pflanzt der DLB in Dreieich vermehrt aus Südeuropa stammende Baumarten, die trockenresistent sind. Es habe schlichtweg keinen Sinn mehr, heimische Birken, Fichten, Ebereschen und Bergahornbäume in der Stadt anzupflanzen, die mit den trocken-heißen Sommern nicht zurecht kämen, so Jäckel.

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