Rodgau

"Was verdient man da?"

120 Unternehmen stellen sich auf der Bildungsmesse den Fragen der Schüler

Von Anne Jäger

Wenn Schüler an einem Samstag freiwillig die Schule besuchen, steckt entweder großer Ehrgeiz oder ein besonderes Ereignis dahinter. Am vergangenen Samstag war Letzteres der Fall: An der Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden fand eine Bildungsmesse statt.

Der 16-jährige Leon war einer der Jugendlichen, die sich dort umschauten. Er besucht die 10.?Klasse einer Realschule und das Ende seiner Schullaufbahn rückt in greifbare Nähe. Er sucht einen Ausbildungsplatz, etwas Handwerkliches, hat sogar schon Bewerbungen geschrieben – nur abgeschickt hat er sie bislang noch nicht. „Ich wusste nicht wohin.“ Nach einem Gespräch am Telekom-Stand weiß er, was zu tun ist. Er will sich nun bei dem Unternehmen um eine Ausbildung zum Systemelektroniker bewerben. Tanja Steinheimer versuchte indessen, im Gedränge den Überblick zu bewahren. Sie gehört zu dem drei Personen starken Team, das seit vergangenem Oktober die Bildungsmesse plante. Veranstalter der Messe war die Stadt. In ihrer Hand hielt Steinheimer das obligatorische Walkie-Talkie. Seit 6.30 Uhr war sie wach, teilte Stände zu, schloss Vortragsräume auf und koordinierte ihre Helfer, Jugendliche aus dem Rodgauer Jugendberufsförderungsprogramm „16+“.

Für 120 Aussteller in dem Schulgebäude sowie der Sporthalle nebenan haben sie die Räumlichkeiten vorbereitet. Für weitere Aussteller haben die Kapazitäten nicht ausgereicht, 15 standen auf der Warteliste. In den vergangenen Tagen hätten noch viele weitere Interessenten angefragt, erzählte Steinheimer. „Die Schule hätten wir noch mal füllen können.“

Die Mehrzahl der Aussteller kam aus der Rhein-Main-Region, einige hatten jedoch auch eine weitere Anreise. So zum Beispiel die Mitarbeiterinnen der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Annedore Kübel und ihre Kollegin Stephanie Marzian vom Infomobil der Uni haben für die Bildungsmesse eine dreistündige Anfahrt aus Thüringen in Kauf genommen.

In Rodgau wollten sie auf den Studienstandort Jena aufmerksam machen. „Viele Schüler wissen noch nicht, was sie studieren wollen“, sagte Kübel, „manche haben aber schon ganz konkrete Vorstellungen und stellen gezielt Fragen.“

Ein paar Kugelschreiber hier, Tragetaschen und Schlüsselanhänger dort – die Aussteller buhlten mit kleinen Geschenken um die Gunst der Schüler.

Vor Jana Fückel und Melanie Stork, die beide Aldi Süd vertraten, stand etwa ein Korb voller Naschereien. Einige Jugendliche seien nur deshalb an den Stand gekommen, andere seien aber sehr an den Ausbildungsberufen interessiert, berichtete Fückel. „Was verdient man da?“, sei die häufigste Frage gewesen, die sie am Samstag gestellt bekommen habe.

Auch der 14-jährige Tim kämpfte sich durch das Gedränge in der Sporthalle. Er suchte die Darmstädter Firma Merck. Für den Schüler der Adolf-Reichwein-Schule in Heusenstamm war die Veranstaltung Pflicht, aber er war an den Angeboten auch interessiert. „Ich will mich nach Berufen erkundigen“, sagte er, „etwas mit Biologie, Chemie oder Physik.“ Das sind die Lieblingsfächer des Jugendlichen.

„Ich habe schon ganz viele Zettel gekriegt“, sagte er und zeigte auf seine prall gefüllte Umhängetasche. „Ein bisschen durcheinander ist hier alles, aber ich finde es ganz gut“, sagte er zufrieden und zog weiter.

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