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Freude über den knappen Sieg: Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt mit Ehefrau Annerose.
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Freude über den knappen Sieg: Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt mit Ehefrau Annerose.

Bürgermeister Frieder Gebhardt in Langen

Warum der alte Hase bleibt

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Zu früh sollte man das Fell des Bären doch nicht zerteilen: Obwohl ihn nach dem ersten Durchgang viele als Sieger der Stichwahl sahen, scheitert Herausforderer Jan Werner trotz aufwendigen Wahlkampfs an Amtsinhaber Frieder Gebhardt.

Zu früh sollte man das Fell des Bären doch nicht zerteilen: Obwohl ihn nach dem ersten Durchgang viele als Sieger der Stichwahl sahen, scheitert Herausforderer Jan Werner trotz aufwendigen Wahlkampfs an Amtsinhaber Frieder Gebhardt.

Sichere Sieger lassen sich heutzutage offenbar nicht mehr vorhersagen: In Wiesbaden beispielsweise scheiterte in der Stichwahl der langjährige, profilierte Bürgermeister gegen einen politischen Neuling, in Eschborn schlug der Erste Stadtrat den höchst erfolgreichen Amtsinhaber.

Aber zu früh sollte man das Fell des Bären doch nicht zerteilen. In Langen hatten nach dem ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl viele schon den parteilosen Wirtschaftsprofessor Jan Werner als künftigen Bürgermeister gesehen, nach einem, wie es schien, fast uneinholbaren Vorsprung von zwölf Prozent für den 37-Jährigen. Gebhardt und seine SPD ließen sich trotzdem nicht entmutigen. Zu Recht: Er bleibt schließlich mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur 49 Stimmen doch Bürgermeister.

„Ich war baff über das Ergebnis“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Berthold Matyschok und gibt zu: „Ich habe mich selten so schwer getan mit der Demokratie wie diesmal.“ Damit sei die Chance auf eine „historische Wende“ verstrichen – sprich, Jahrzehnte der SPD-Herrschaft, zu beenden.

So richtig dafür gekämpft hat die CDU dieses Mal allerdings nicht. Zu einer Wahlempfehlung für den parteilosen Kandidaten, der 2008 mit einem Brief an Ministerpräsident Roland Koch aus der CDU ausgetreten war, konnte sich die Langener CDU nicht durchringen.

Berücksichtigt man zudem, dass es Werner auch nicht gelungen war, auch nur einen einzigen seiner unterlegenen Mitbewerber dazu zu bewegen, für die Stichwahl eine Empfehlung zu seinen Gunsten abzugeben, ist sogar erstaunlicher, dass Werner so viele Stimmen auf sich vereinen konnte, als dass er so knapp gescheitert ist.

Denn Werners aufwendiger Wahlkampf, der auch in Deutschland recht ungewöhnliche Methoden wie Stadtteilbriefe und Werbeaktionen intensiv nutzte, war alles andere als konkret. Sein gebetsmühlenartig vorgebrachtes Argument, die Stadt müsse mehr Unternehmen ansiedeln, mochte er zwar als Wirtschaftswissenschaftler und Experte für kommunale Finanzen wissenschaftlich begründen, wie das aber ganz praktisch anzustellen sei, das blieb in seinem Wahlkampf immer merkwürdig wolkig.

Amtsinhaber Frieder Gebhardt musste sich im Wahlkampf hingegen mit vielen konkreten Problemen auseinandersetzen, für die längst nicht nur er als Bürgermeister verantwortlich war: riesiges Loch im Haushalt, steigende Gebühren und Beiträge, dazu der Streit um den Bannwald am Langener Waldsee. Gebhardt hatte sich dort allerdings klar für den weiteren Kiesabbau ausgesprochen. Vor allem dies dürfte ihn etliche Stimmen von Grünen-Wählern gekostet haben.

Er glaube allerdings nicht, dass viele seiner Wähler deshalb in der Stichwahl für Werner gestimmt hätten, sagt Stefan Löbig, in der ersten Runde unterlegener grüner Bürgermeisterkandidat, der danach eine klare Wahlempfehlung für Gebhardt abgegeben hatte. Werner sei keine Alternative gewesen.

Am Tag danach ist dem alten und neuen Bürgermeister Gebhardt die Erleichterung deutlich anzumerken – nicht nur über den Sieg, sondern dass dieser kräftezehrende, fast amerikanisch geführte Wahlkampf nun zu Ende ist. „Ich wollte mit Gesprächen überzeugen und nicht mit Versprechen und Geschenken“, sagt er. Vor der Stadt lägen große Aufgaben. Er wünsche sich, dass es in der Stadtverordnetenversammlung eine größere Akzeptanz etwa beim Haushalt gebe. „Wir brauchen konsensfähige Lösungen“, sagt Gebhardt.

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