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Auch die Zuschauer dürfen sich an der Säge versuchen.
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Auch die Zuschauer dürfen sich an der Säge versuchen.

Rodgau

Der Wald wird zur Festmeile

  • VonFrank Sommer
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Späne wirbeln, die Kettensäge rotiert, es wird um die Wette gehackt: Die historische Holzversteigerung des Gesangvereins Germania zieht Tausende an.

Späne wirbeln, die Kettensäge rotiert, es wird um die Wette gehackt: Die historische Holzversteigerung des Gesangvereins Germania zieht Tausende an.

Lächeln, immer lächeln. Michelle Völker fällt es leicht, ihre Pflichten als „Edelholzkönigin“ zu erfüllen. Seit Samstagmorgen trägt sie den Titel, Kranz und Schärpe bekam sie von ihrer Vorgängerin überreicht. Nun begrüßt sie Gäste, posiert für Fotos oder packt beim Schausägen mit an. „So bekomme ich etwas vom Fest mit“, sagt Völker, „die vergangenen Jahre half ich immer beim Ausschank.“ Dass das Fest riesig sei, habe sie gewusst. „Aber dass es so groß ist, überrascht mich doch“, sagt sie mit Blick auf die Menschenmenge an der Waldfreizeitanlage „Gänsbrüh“ in Dudenhofen.

52 Raummeter Holz sind hinter der Freizeitanlage aufgestapelt. Ein Raummeter, erklärt Förster Günter Heid, der mit Manfred Gerhardt als Auktionator fungiert, entspricht 0,8 Kubikmeter. „Mindestgebot: 116 Euro für zwei Raummeter Rotbuche“, ruft Heid. Manfred Kratz assistiert ihm als „Ortsdiener“, bei jeder versteigerten Position läutet er eine Glocke. Im Stimmengewirr des Festes ist dies kaum zu hören. „Das wird jetzt drei Jahre gelagert, dann gesägt und im Folgejahr kommt es in den Kachelofen“, sagt Norbert Fink aus Großostheim, der Holz ersteigert hat.

Das Fest hat Volksfestcharakter. Lagerfeuer sind entzündet, es Heißgetränke werden verkauft. Eine Band spielt, es gibt Traktoren-, Werkzeug- und Ofenausstellungen, Vorführungen zur Holzverarbeitung, die Wald-AG der Böll-Schule und der Waldkindergarten bieten Spiele oder Stockbrot am Lagerfeuer an, rund 80 Traktoren sind ausgestellt.

Späne wirbeln auf, Michael Gomersky setzt die Kettensäge ab. Der Holzkünstler macht Vorführungen, eine Wildschwein-Skulptur entsteht vor den Augen der Zuschauer aus einem Eichenstamm. Mehrere Sägen liegen bereit, für die Feinheiten sei der „Zahnstocher“ gefragt, sagt er.

Ein paar Schritte weiter wird Timbersport gezeigt, um die Wette gehackt und gesägt. Der Mühlheimer Peter Suchan sägt einen Baumstamm, 59 Sekunden braucht er dafür. „Ein tolles Fest, ein Anziehungspunkt für die ganze Region“, meint eine Zuschauerin. Das soll auch so bleiben, verspricht Germania-Vorsitzende Kraus: „Solange es Helfer gibt, wird es auch die Holzversteigerung in Dudenhofen geben!“

Zum 20. Mal feiert der Verein das Fest. „Zum 100. Geburtstag unseres Vereins kamen wir auf die Idee“, sagt Kraus. Bis in die 60er Jahre habe es regelmäßig eine gegeben. „Dudenhofen war waldreich, aber vieles in Privatbesitz“, sagt Kraus, „für die Leute, die keinen Waldbesitz hatten, gab es damals Holzversteigerungen.“

Klein sei das erste Fest gewesen, erinnern sich andere Vereinsmitglieder: Mit der Pferdekutsche wurden Getränke und Essen gebracht, nur fünf Traktoren wurden ausgestellt. „Das Holz schlugen die Mitgliedern noch selbst – das war vielleicht eine Arbeit“, meint Kraus. Zwar wird es heute von Hessenforst gekauft, aber in Form schneiden und stapeln, das machen die Mitglieder des Gesangvereins. Im November beginnen die Vorbereitungen. Und da die vielen tausend Besucher auch verpflegt werden wollen, beginnt am Donnerstag vor dem Fest der „Schnippeltag“ der Frauen: „Da wird die Erbsensuppe vorbereitet“, meint Kraus. Das Rezept ist ein wohlgehütetes Dudenhöfer Geheimnis.

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