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Am Langener Waldsee wird es kurz- und mittelfristig Veränderungen geben. 

Langen

Vorrang für Sport und Freizeit am Waldsee

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Stadt will Größe der Wasserfläche für Ironman erhalten –und Kiesfirma Sehring Rekultivierung erlassen.

Am Langener Waldsee soll sich etwas tun. Sanierung der Sanitäranlagen, mehr Parkplätze, mehr Schattenplätze – das haben die Langener Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstagabend einstimmig beschlossen, genauso wie eine verbesserte ÖPNV-Anbindung zu dem Freizeit- und Erholungsgebiet. Gemeinsam mit der Bäder- und Hallenmanagement Langen GmbH soll der Magistrat dafür sorgen, dass die Bade-, Sport- und Freizeitnutzung in der Westgrube des Waldsees auf Dauer sichergestellt ist. Dafür soll der Magistrat zusammen mit der Kiesfirma Sehring und den am Waldsee ansässigen Vereinen ein planerisches Konzept erarbeiten.

Uneinig waren sich die Stadtverordneten aber über weitere Punkte im letztendlich dann doch komplett beschlossenen SPD-Antrag. Grüne, FWG-NEV und der parteilose Abgeordnete Joost Reinke meinten, es sei nicht hinnehmbar, dass man der Kiesfirma Sehring die Verpflichtung zur Rekultivierung in großen Teilen erlasse, damit die Ironman-Schwimmstrecke erhalten bleibt und normgerechte Segelregatten durchgeführt werden können.

Der Planfeststellungsbescheid aus dem Jahr 1991, der immer noch gültig ist, sieht nämlich vor, dass Sehring Abbauflächen am Südost- und Ostufer der Westgrube wieder verfüllen muss. Damit ändert sich die Uferlinie, es entsteht mehr Strand und eine kleinere Wasserfläche – zu klein für Wettkämpfe von „Eisenmännern“ und Seglern.

Vorschläge fürVeränderungen

Ein Diskussionspapier, das die Bäder- und Hallenmanagement Langen GmbH bei den Götte-Landschaftsarchitekten in Frankfurt in Auftrag gegeben hat, schlägt Verbesserungen fürs Strandbad am Waldsee vor.

Der heutige Trailer-Abstellplatz der Segelvereine könnte verlagert werden, um zusätzliche Parkplätze zu schaffen. Auch der Umbau der Kleinseeschneise und ein Versetzen des Strandbadzaunes sei möglich, um entlang der Straße weitere Stellplätze einzurichten.

Der FKK-Bereich sollte verkleinert werden, da nur halb so viele Nudisten wie Textilgäste den See besuchen.

Eine Seebühne könnte geschaffen und bei Veranstaltungen mit Bühnentechnik ausgestattet werden. Bei Badebetrieb wäre die Plattform im Wasser auch als Sonneninsel nutzbar. Tribünenstufen im zentralen Badbereich könnten als Sitzgelegenheit dienen.

Im Nordwesten sollte ein weiterer Eingang geschaffen werden. 

Man müsse die 1991 vorgesehene Gestaltung der Uferlinie so modifizieren, dass sportliche Nutzungen nach wie vor möglich sind, meinten CDU, SPD, FDP und UWFB. Da am Waldsee Bergrecht gilt und die Stadt somit nur indirekt agieren kann, soll die Firma Sehring im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsvorprüfung beim Regierungspräsidium Darmstadt darauf hinwirken.

Joost Reinke dagegen ärgerte sich: „Herr Sehring darf weiter Bäume fällen, und den Langener Bannwald können wir dann demnächst zu Grabe tragen.“ Das Unternehmen Sehring hätte die Rekultivierung bereits 2015 erfüllen müssen, habe sich aber eine Verlängerungsfrist bis zum Jahr 2038 erbeten. Es sei der klare Gewinner dieses Deals.

Auch die Grünen plädierten dafür, dass Sehring das, was er im Südosten der Westgrube abgebaut hat, wieder in den Originalzustand zurückversetzt. Manchmal brauche es Anreize, um Forschung nach Ersatzstoffen für Sand und Kies beim Wohnbau voranzutreiben, sagte Jens Duffner. „So lange es Unternehmer gibt, die wild die Sandflächen ausbeuten, besteht aber kein Anreiz.“

Zustimmung aller Parteien fand dagegen die Forderung, zusammen mit der Firma Sehring Möglichkeiten auszuloten, wie die Spülfläche verkleinert werden kann, die sich am Westufer der Westgrube ausgedehnt hat. Sie entsteht durch das Auswaschen von Kies in der Aufbereitungsanlage, die von dem Unternehmen betrieben wird. Da hier Sand in den See eingespült wird, könnte er teilweise verlanden.

Der Planfeststellungsbescheid von 1991 basiert übrigens auf Ideen und Vorstellungen der 80er Jahre. Damals war auf der anderen Seite des heutigen Waldseestrandbads ein zweites Freibad mit Busverbindung nach Langen vorgesehen. Das Unternehmen Sehring ist an diese Vorgaben noch gebunden und schüttet somit aktuell ausladende Strandflächen im Südosten auf – unbewachtes Baden wäre die logische Folge. Stadt und Bäder- und Hallenmanagement GmbH plädieren deshalb dafür, die früheren Planungen zu korrigieren. Ein zweites Strandbad kommt für Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) nicht infrage. Die Erschließung werfe zu große Kosten auf, die Doppelstrukturen erforderten zu viel personellen Aufwand, führt er ins Feld.

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