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Vorfahrt für das Fahrrad

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Mit dem Rad ist man in der Stadt oft am schnellsten.
Mit dem Rad ist man in der Stadt oft am schnellsten. © Joachim Storch

Radfahren soll attraktiver werden. Vor der Dreieichschule probt die Stadt jetzt eine Alternative zur Autostraße.

Frau Krüger, sind Sie heute mit dem Fahrrad zur Arbeit geradelt?

Ja, sicher. Ich nehme zurzeit an vier von fünf Tagen das Fahrrad, weil es Spaß macht. Aber ich fahre auch mit dem Auto. Es gibt Situationen, in der jedes Verkehrsmittel berechtigt ist.

Jetzt baut die Stadt an der Dreieichschule eine eigene Fahrradstraße. Bleibt das denn die einzige?

Nein, Langen hat Potenzial. Deshalb soll diese Mini-Fahrradstraße ein Anfang sein. Es ist vielleicht nicht der große Wurf, aber ein Zeichen, das wir setzen können. Damit zeigen wir, dass uns der Radverkehr wichtig ist.

Wie muss man sich das vorstellen, eine Fahrradstraße?

Dort werden Radfahrer nebeneinander fahren dürfen. Aber auch Autofahrer sind zugelassen. Wir wollten keine Einbahnstraße und nehmen auch keine Parkplätze weg. Wichtig war uns eine Vorfahrtsstraße mit höherer Reisegeschwindigkeit. Wer auf der Achse unterwegs ist, kann durchfahren. Baubeginn war am 15. Juli, die Idee ist aber schon älter.

Haben Sie das geplant?

Nein, entstanden ist die Idee in einer Studentengruppe der Hochschule Darmstadt unter Leitung von Professor Jürgen Follmann. Er hat im Auftrag der Kreisverkehrsgesellschaft geschaut, wie sich die Verkehrssicherheit rund um die Schulen verbessern lässt. Am Dreieichgymnasium fahren sehr viele Schüler mit dem Rad, man sieht das schon, wenn man dran vorbeigeht. Der ganze Schulhof steht voller Fahrräder.

Das wird also eine Schülerstraße?

Die Straße wird für alle Radfahrer in Langen, es ist aber so, dass vor allem sehr viele Schüler diese Straße nutzen werden. Der nächste Abschnitt geht über das SSG-Gelände und soll dann an die Zimmer-/Jahnstraße mit einem kleinen Kreisverkehr angebunden werden. Die Schüler fahren gerne im Pulk und oft nebeneinander. Das ist auf anderen Straßen wirklich gefährlich, auf der Fahrradstraße ist es erlaubt.

Könnte man die Fahrradstraße nicht verlängern?

Das ist noch Zukunftsmusik, aber es wäre denkbar, dass wir vom Bahnhof bis zum Schwimmbad oder zum Mühltal eine Radverbindung abseits von Hauptstraßen schaffen könnten.

Gibt es so was schön öfter?

Für die Stadt Langen ist das ein Novum, und auch im Kreis sind wir da ganz am Anfang mit dabei. In Städten wie Münster in Westfalen gibt es das aber schon seit vielen Jahren. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Es müssen Straßen sein, in denen der Radverkehr vorherrscht, und da hat man nicht so viel Auswahl. Vielleicht ist auch jetzt erst die Zeit reif in Langen und im Kreis.

Nun ist Langen ja eine hochverschuldete Stadt. Können Sie sich das denn leisten?

Wir kämpfen natürlich mit der Finanzierung. Es ist der gute Wille, aber kein Geld da. Die Maßnahme kostet etwa 40.000 Euro, weil wir auch die Fahrbahndecke im Kreuzungsbereich Schillerstraße/Goethestraße erneuern mussten. Jetzt haben wir das Geld zur Verfügung gestellt, damit diese Fahrradstraße gebaut werden kann. Das zeigt doch, dass die Stadt bereit ist, für Radler zu investieren.

Gibt es dann irgendwann mal den Anschluss West an die Fahrradautobahn Darmstadt-Frankfurt?

Das ist ein interessantes Projekt. Besonders Berufspendler werden mit der Idee einer Fahrradschnellstraße angesprochen. Professor Follmann hat zwei Studenten beauftragt, die die Abschnitte Darmstadt-Langen und Langen-Frankfurt untersuchen sollen. Die Route wird noch geprüft, entweder entlang der Bahntrasse oder der B3. Die Radschnellwege sollen möglichst hindernisfrei verlaufen.

Klingt aber schon noch utopisch...

Wir werden das unterstützen, wo wir können, aber die Frage ist natürlich auch hier die Finanzierung. Wenn Straßen gequert werden, kann es nicht sein, dass ein Radfahrer warten muss, bis kein Auto kommt. Da muss es bessere Lösungen geben, und die kosten Geld. Auch über die Anbindung des Flughafens gibt es Gespräche. Wenn das Terminal 3 fertig ist, kann es da bis zu 80.000 Arbeitsplätze geben. Das wäre eine Entfernung, die für Radfahrer noch attraktiv ist, erst recht mit einem Elektro-Fahrrad.

(Interview: Andreas Hartmann)

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