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Viel Comedy im volksbezogenen Theater

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Mund Art in Aktion: das Ensemble bei der Probe.
Mund Art in Aktion: das Ensemble bei der Probe. © Andreas Arnold

Das Mund Art Theater in Neu-Isenburg wird 15 Jahre alt. Am Sonntag gibt es gleich zweimal „En Bembel voll Xmas“ in der Hugenottenhalle.

Von Stephen Wolf

Ein Hartz-IV-Empfänger wird zum Nikolaus, „Jingle Bells“ auf Hessisch und dazu das Ambiente der einst beliebten Fernsehsendung „Der Blaue Bock“: Das Neu-Isenburger Mund Art Theater präsentiert am vierten Adventswochenende die Show „En Bembel voll Xmas“ in der Hugenottenhalle. Wie Gründer und Generalintendant Thorsten Wszolek betont, zeigt das Ensemble diesmal kein zusammenhängendes Theaterstück, sondern eine Gala.

„Ich glaube, das schlägt ein“, sagt der 35-Jährige. Auch Horst Becker, einer der langgedienten Schauspieler, freut sich schon. „Die Proben laufen gut, und wir werden einen professionellen Auftritt hinlegen“, ist der 60 Jahre alte Hesse zuversichtlich.

Tatsächlich hat es das Theater in den vergangenen 15 Jahren immer wieder geschafft, das Publikum mit hessischem Dialekt und gelungenen Interpretationen klassischer Stücke zu begeistern.

Wäre Thorsten Wszolek vor fast 16 Jahren nicht so eigensinnig gewesen – Neu-Isenburg wäre heute um eine Attraktion ärmer. Dass der damals 19 Jahre alte Musiker das Mund Art Theater gründete, lag nicht nur an seiner Schwäche für das Theater. Für die Gründung war auch verletzte Eitelkeit ein Auslöser: Nachdem er bei Liesel Christ, Mutter Hesselbach und Leiterin des Frankfurter Volkstheaters, angeheuert hatte, wurde er frustriert: „Dort hat man mir mangelndes Talent bescheinigt. Das hat mich aber angestachelt, selbst etwas auf die Beine zu stellen.“

Heute kann der Dirigent, Autor und Komponist darüber schmunzeln. Denn dass er es geschafft hat, mit seiner Truppe – an manchen Aufführungen sind inklusive Orchester etwa 100 Frauen und Männer beteiligt – zu einer überregional bekannten Größe in der Theaterszene zu werden, das spricht für sich. Wie der Gründer sagt, ist sein Mund Art Theater zwar volksbezogen, aber eben kein Volkstheater. Um auch das jüngere Publikum anzusprechen, interpretieren Wszolek und seine Mitstreiter Klassiker nicht nur auf Hessisch, sie versetzen die altbekannten Handlungen auch in den Kontext der Gegenwart: „Es poppisch Mariesche“ („Mary Poppins“) oder „Mei Fair Lissbeth“ („My fair Lady“).

Für Wszolek, der nicht nur altbekannte Stücke als Comedy inszeniert, auch selbst Geschichten schreibt, ist es wichtig, das Publikum zu unterhalten.

Konsequent ist es daher, dass der Intendant seit einigen Jahren Darsteller aus Daily Soaps der privaten Fernsehsender – zuletzt Norman Kalle und Igor Dolgatschew aus der RTL-Serie „Alles was zählt“ – engagiert. Übrigens wird bei „En Bembel voll Xmas“ auch Börsenguru und HR-Moderator Frank Lehmann mitwirken.

Verstärkt durch den Dialekt werden die Geschichten beim Mund Art Theater nicht zu abstrakten, womöglich weltfremden Handlungen, sondern sie gewinnen an Authentizität. „Die Mundart ist enorm wichtiges Requisit, mit der sich beispielsweise die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Schicht, aber auch das Alter einer Person perfekt unterstreichen lassen“, sagt Wszolek.

Aufführung „En Bembel voll Xmas“ am Sonntag, 19. Dezember, 15 und 19.30 Uhr, Neu-Isenburg, Hugenottenhalle.

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