Urne nach 3000 Jahren geborgen

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Rodgau Archäologen fördern bei Dudenhofen Grab eines wohlhabenden Menschen zutage / Ausstellung zeigt Funde

Ungefähr zu der Zeit, als Salomo als König von Israel und Juda herrschte, starb auf dem Gebiet des heutigen Dudenhofen ein Mensch, der in einem Brandgrab bestattet wurde. In den folgenden 3000 Jahren ging die Urne durch den Erddruck zwar zu Bruch, doch Ackerbau und Geschichte ließen das Grab unversehrt.

Dann kaufte die Flughafenbeteibergesellschaft Fraport AG das Gelände für Ersatzaufforstungen für den Flughafenausbau. Im Herbst 2007 durften aber Gesine Weber und Dagmar Kroemer, Archäologinnen der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach, noch mit ehrenamtlichen Helfern im Boden graben. Eine geomagnetische Untersuchung der Fläche hatte Hinweise auf vorgeschichtliche Gruben gegeben. "Da hat natürlich unser Herz gelacht", erinnert sich Gesine Weber an die Entdeckung des Grabes. Zu Lebzeiten gehörte der oder die Verstorbene vermutlich zu den Wohlhabenderen, darauf lassen Grabbeigaben wie ein Bronzemesser und eine Gewandnadel schließen.

Die für moderne Verhältnisse ungewöhnlich große Urne aus der Bronzezeit wurde professionell restauriert und mit Scherbenfunden aus der Eisenzeit am Donnerstagabend in Dudenhofen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. "99 Prozent unserer Funde landen archiviert im Keller," sagt Weber, "da ist es schon etwas Besonderes, ein solches Fundstück auch mal zeigen zu können".

Vorsicht vor Grabräubern

Die von der Fraport finanzierte Grabung sei absichtlich "still und leise" vorangegangen, sagte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, "denn es gibt hier leider auch das Problem der Grabräuber". Gefunden wurde die Urne unterhalb des Pflughorizontes in etwa 80 Zentimeter Bodentiefe, eine kreisrunde schwarze Verfärbung im Boden hatte den Hinweis darauf gegeben.

Weber zeigte sich begeistert von der Technik des Töpfers, der das Gefäß vor 3000 Jahren gearbeitet hat. "Die Urne wurde relativ exakt von Hand aufgebaut - das ist bei einem so großen Gefäß eine riesige technische Leistung." Die Entdeckung sei aber nicht so sensationell, dass die Aufforstung gestoppt werden müsse, relativiert die Archäologin, auch die Geschichte Dudenhofens müsse nicht umgeschrieben werden - "höchstens ein bisschen".

Auch die ehrenamtlichen Helfer gehörten zum Publikum der Ausstellungseröffnung. Interesse an Geschichte und Heimatkunde gaben Udo Krause, Hermann Heß, Jonas Schott und Karl Pohl als Gründe für ihr Hobby an. Pohl, der auf der Suche nach Resten des Klosters Rotaha ist und darüber auch Abhandlungen im Internet veröffentlicht hat, sah die Grabung als Übung, wenn er denn die Klosterreste findet.

Allerdings darf nicht jeder mit Sonde oder Spaten den Boden aufwühlen, um nach Spuren unserer Vorfahren zu suchen. Eine jeweils für ein Jahr gültige Genehmigung der Oberen Denkmalschutzbehörde haben alle vorher beantragt, Funde müssen gemeldet werden.

Die Bodenfunde sind bis 27. Februar in der Sparkasse Langen-Seligenstadt

in Dudenhofen, Nieuwporter Straße 12-14, zu sehen.

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