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Ralph Schrod (46), Feuerwehrmann aus Neu-Isenburg, gehört der gemeinnützigen Organisation @fire - Internationaler Katastrophenschutz an. Der Techniker arbeitet für die Stadt Neu-Isenburg in der Hugenottenhalle und war bereits bei Waldbränden in Amerika und Kroatien im Einsatz. Er flog mit einer zwei Dutzend Leute umfassenden Gruppe, fünf Spürhunden und zwei-einhalb Tonnen Ausrüstung in die Dominikanische Republik. Mit Lastwagen ging es weiter nach Port-au-Prince, wo die Vereinten Nationen die Einsätze des Teams koordinierten.

Neu-Isenburg

Zurück aus Haiti

Der Neu-Isenburger Feuerwehrmann Ralph Schrod hat in Haiti nach Opfern des Erdbebens gesucht. Achim Ritz hat er erzählt, wie er die schrecklichen Erlebnis verarbeitet.

Herr Schrod, Sie sind jetzt nach fünftägigen Einsatz im Katastrophengebiet in Haiti nach Neu-Isenburg zurückgekehrt und gehen schon wieder Ihrem Job als Techniker in der Hugenottenhalle nach. Wie verarbeiten Sie die schrecklichen Erlebnisse?Ich habe bei der Stressbewältigung für Feuerwehrleute im Kreis Offenbach aktiv mitgearbeitet, da habe ich für mich persönlich Strategien zur Stressbewältigung zurecht gelegt.

Welche denn?Es ist sehr wichtig, dass man mit der Familie und anderen über die Belastungen redet, um die Eindrücke noch einmal gezielter abzuarbeiten.

Wie haben Ihre Frau und Ihre sechsjährige Tochter reagiert, als Sie gleich am Tag nach dem Erdbeben alarmiert wurden und aufbrechen wollten ?Meine Tochter war nicht begeistert. Papa, du sollst nicht gehen, hat sie gesagt. Ich habe ihr erklärt, dass ich helfen muss, weil die Menschen in Haiti nach dem Erdbeben kein Haus mehr haben, weil viele Leute dort eingeklemmt sind und ich auch Kinder retten kann. Das hat sie verstanden.

Konnten Sie von Haiti aus mit Ihrer Familie sprechen?Ja. Unser Verein @-fire hat einen Hintergrunddienst eingerichtet, das heißt, es gab hier in Deutschland sechs Leute, die unsere Familie immer mit aktuellen Informationen versorgt haben. Das ist ganz wichtig. beispielsweise wenn die Familie etwas von einem Nachbeben hört und besorgt ist. In Haiti funktionierte auch das Handy und wir hatten ein Satelliten-Telefon dabei.

Haben sich in Ihrem Gedächtnis Bilder vom Beben eingebrannt?Es gibt schon Bilder die länger im Gedächtnis bleiben. Aber ich bin zuversichtlich, das diese bei mir kein posttraumatisches Belastungssyndrom auslösen könnten.

Können Sie weinen?Ich könnte die Emotionen frei rauslassen, aber das musste ich bis jetzt nicht. Bei meinen Feuerwehreinsätzen haben wir schon häufig Tote irgendwo rausholen müssen und oft mit Leichen zu tun gehab t.

Wie sah Ihre Hilfsaufgabe in der zerstörten Stadt genau aus?Eine unserer Aufgaben war es, in einer zerstörten Näherei und in einer Schule nach Vermissten zu suchen. Wir haben dort mit unseren Hunden und einem Bio-Radar gearbeitet. Dort war aber niemand mehr lebendig zu finden.

Haben Sie jemanden gerettet?Nein. Aber das ist nicht unbefriedigend. Als Helfer wissen wir, dass wir unseren Beitrag geleistet haben. Der Arzt in unserer Gruppe hat im Krankenhaus mehreren Leuten das Leben gerettet.

Neben all dem Elend, der Trauer und der Verzweiflung gibt es immer wieder kleine Wunder. Haben Sie davon etwas gesehen?Wir haben das eine oder andere gehört, aber im Einsatzgeschehen geht das unter.

Was war Ihr emotionalstes Erlebnis?Das war an einem Sonntag. Wir kamen an einer Kirche beziehungsweise den Resten, die davon noch übrig waren, vorbei. Dort standen die Menschen im Freien und haben gesungen und gebetet. Drei Tage nach dem Erdbeben ist der erste Schock weg und die Leute machen das Beste draus. Es ist gut zu sehen, dass sie sich nicht hängen lassen.

Haben die Menschen in Port-au-Prince trotz der Katastrophe Hoffnung?Es ist wie in jeder anderen Stadt. Es gibt ganz unterschiedliche Typen gibt. Die einen lassen den Kopf hängen, andere sagen sich na gut, es muss weitergehen.

Interview: Achim Ritz

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