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Arbeitskampf bei Magna: Beschäftigte kämpfen gegen angekündigte Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen.
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Arbeitskampf bei Magna: Beschäftigte kämpfen gegen angekündigte Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen.

Stellenstreichungen bei Magna

Mit Trillerpfeifen auf der Straße

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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800 Beschäftigte protestieren in Obertshausen gegen die Kürzungspläne des Automobilzulieferers Magna. Das Unternehmen will über Gehaltsverzicht und Entlassungen pro Jahr sechs Millionen Euro einsparen.

Passanten, die kurz vor 14 Uhr bei den Discountern an der Feldstraße in Obertshausen einkaufen gehen, wundern sich: Polizeiautos stehen mit Blaulicht am Straßenrand, eine kleine Bühne mit Überdachung ist vor dem Werkstor des Automobilzulieferers Magna Decoma aufgebaut.

Unbezahlte Mehrarbeit

Ein paar Minuten später wird klar, was das alles soll: Das Tor öffnet sich, rund 800 Mitarbeiter des Automobilzulieferers strömen heraus und protestieren lautstark. Mit Hunderten Trillerpfeifen machen sie ihrem Unmut Luft. Es geht um Jobs, die beim größten Arbeitgeber in Obertshausen auf der Kippe stehen: 230 von insgesamt 1200 Arbeitsplätzen sollen abgebaut werden. Es geht aber auch um Geld: Die Konzernleitung des Herstellers von Stoßfängern will pro Jahr sechs Millionen Euro über Gehaltsverzicht oder unbezahlte Mehrarbeit einsparen. Und es geht um die Lehrlinge: Die Ausbildungswerkstatt soll geschlossen werden.

Schwarz und rot sind die dominierenden Farben der Menschentraube, die sich über die Werkseinfahrt ihren Weg zu der kleinen Bühne auf der Feldstraße bahnt. Geredet wird nicht, aber aus Leibeskräften gepfiffen: Alle haben rote Trillerpfeifen im Mund und machen mit einem gellenden Pfeifkonzert auf sich aufmerksam. Viele treten in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift „Respekt“ auf, einige haben sich rote Baseballmützen aufgesetzt, andere schwenken rot-weiße Gewerkschaftsfahnen. Vereinzelt sind auch ein paar rot-weiße Gewerkschaftsschirme zu sehen.

Sechs junge Männer führen den Zug der Decoma-Mitarbeiter an. Sie halten gemeinsam ein langes Transparent vor ihrer Brust. „Faire und sichere Arbeitsplätze – Hände weg vom Tarifvertrag!“ ist darauf zu lesen. Es regnet in Strömen, binnen kürzester Zeit sind die Kleider der Kundgebungsteilnehmer durchgeweicht. Aber das stört keinen.

Geschlossene Werkstore

Nach dem Willen der Geschäftsführung hätten die rund 800 Mitarbeiter gestern gar nicht vor der kleinen Bühne stehen sollen, auf der mehrere Gewerkschaftsfunktionäre vor das Mikrofon treten. Der Arbeitgeber habe kurz vor 12 Uhr eine Dienstanweisung herausgegeben, das Werkstor geschlossen zu halten, um die Kundgebung auf der Straße zu behindern, berichtet Marita Weber, die erste Bevollmächtigte der IG Metall. Eine Vereinbarung über die Öffnung des Werkstores wurde notwendig.

„Die wollten euch einsperren wie die Sklaven“, ruft Uwe Zabel von der IG Metall Bezirksleitung den Demonstranten zu. Ein Satz, der mit gellenden Pfiffen quittiert wird. „Wir fordern Respekt und Wertschätzung“, sagt er, und macht den Anwesenden klar: „Die haben Angst vor euch, weil ab 15.30 Uhr bei Opel die Bänder stillstehen.“

Auch Markus Phillipi, Betriebsratsmitglied bei GKN Driveline in Offenbach, ist nach Obertshausen gefahren. „Lasst uns zusammenstehen und gemeinsam was machen gegen Entlassungen“, schmettert er ins Mikrofon. Solidarität ist laut Marita Weber auch das Stichwort für Schreiben aus anderen Betrieben – unter anderem vom Siemens Schaltanlagenwerk in Frankfurt-Fechenheim und von Conti-Teves in Karben.

Standort- und Zukunftssicherung

Wer Wind säe, werde Sturm ernten und im Orkan untergehen, droht Zabel der Konzernleitung – und verkündet gleich im Anschluss die Frohbotschaft: Bei der Bezirksleitung habe am Morgen das Telefon geklingelt. Die Konzernleitung habe Bezirkschef Armin Schild zugesichert, dass die Ausbildungswerkstatt erhalten bleibe. Magna-Decoma wolle mit der IG Metall über einen Standort- und Zukunftssicherungstarifvertrag verhandeln. Bis Mai gäben sich beide Seiten dafür Zeit. Ein erster Erfolg ist geschafft. Um 15 Uhr geht die Spätschicht wieder an die Arbeit.

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